Gefahr für Weidetiere Bauernpräsident fordert Höchstgrenze für Wölfe in Deutschland

Den Landwirten wird es zu viel mit den Wölfen in Deutschland, sie fürchten um ihre Nutztiere. Während sie den Bestand der Tiere begrenzen wollen, halten Naturschützer dagegen. Sie fordern andere Maßnahmen.
Europäischer Grauwolf (Symbolfoto)

Europäischer Grauwolf (Symbolfoto)

Foto: Martin Wagner / imago images/Martin Wagner

Angesichts steigender Zahlen an Wolfsrudeln in Deutschland hat sich Bauernpräsident Joachim Rukwied für eine Begrenzung ausgesprochen. »Wer Weidetierhaltung in Zukunft erhalten möchte, der muss zum Bestandsmanagement Ja sagen«, sagte Rukwied den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Wir müssen uns auf eine Höchstzahl an Wölfen und Wolfsrudeln festlegen«, betonte Rukwied.

»Was darüber liegt, muss entnommen werden, sonst gehört Weidehaltung der Geschichte an«, fügte er hinzu. Aus landwirtschaftlicher Sicht gebe es in Deutschland schon heute zu viele Wölfe. »Durch Wölfe werden Tiere verstümmelt, sie erleiden einen qualvollen Tod«, sagte der Bauernpräsident. »Wir müssen hier handeln.«

Wölfe stehen in Deutschland unter strengem Schutz. Die europäischen Vorgaben sind hierzulande ins Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) übertragen. Für die Umsetzung der Gesetze sind die Länder zuständig, der Bund kann sie dabei unterstützen.

Laut dem Norddeutschen Rundfunk (NDR ) strebt zum Beispiel Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) eine Obergrenze für Wölfe an und lässt derzeit in einem Gutachten klären, wie viele Tiere für den Erhalt der Art notwendig sind. Die Landesregierung plant zudem, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, was Tierschützer wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kritisieren.

Beispiel Niedersachsen: Streit über Wolfsabschüsse

Über das Thema Wölfe in Deutschland tobt seit Jahren eine hitzige Debatte. In Niedersachsen hat es vor dem Staatsgerichtshof Bückeburg gerade ein sogenanntes Organstreitverfahren um die Transparenz von Wolfsabschüssen  gegeben. Mitte der Woche hat der Staatsgerichtshof auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen über die Offenlegung der bisher streng geheim gehaltenen Abschussgenehmigungen einzelner Wölfe entschieden. Die Landesregierung müsse nun wesentliche Informationen zu den genehmigten Wolfsabschüssen zur Verfügung stellen, schrieb der Nabu Niedersachsen am Dienstag in einem Statement zum Entscheid des Staatsgerichtshofs. »Eine Geheimhaltung wie bisher ist verfassungswidrig«, heißt es darin.

Der Nabu Niedersachsen hatte mit finanzieller Unterstützung durch den Freundeskreis frei lebender Wölfe e.V. und den WWF Deutschland bereits im Dezember 2021 beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg Klage gegen die aus seiner Sicht »rechtswidrige Wolfsverordnung in Niedersachsen« eingereicht. Die Verbände fordern das Land auf, »den Artenschutz ernst zu nehmen und die Verordnung zum Schutz des Wolfes europarechtskonform umzugestalten«.

Nach Ansicht der drei Verbände ist eine Politik, die den Schwerpunkt auf den Abschuss von Wölfen legt, gescheitert. Denn das Abschießen führe »nachweislich nur dann zum Rückgang von Nutztierrissen, wenn der Wolf wieder ausgerottet wird«. Da dies für die Naturschützer keine Option ist, fordern sie, mehr in den Herdenschutz zu investieren. Ein flächendeckender Herdenschutz sei erwiesenermaßen das wirksamste Mittel, um Übergriffen auf Nutztiere vorzubeugen.

Über den Bestand der Wölfe in Deutschland informiert jedes Jahr der Nabu . Derzeit leben demnach etwa 157 Wolfsrudel, 27 Paare und 19 territoriale Einzeltiere in Deutschlands freier Natur.

jus/AFP