Wohlstandsreport Deutschland hat 760.300 Millionäre

Das schwache Wirtschaftswachstum in Deutschland wirkt sich nun auch auf die Schicht der besonders Wohlhabenden aus: Die Zahl der Millionäre ist 2004 nur minimal gestiegen. In den meisten anderen Staaten hingegen sind die Reichen noch reicher geworden.

Von Lutz Knappmann


Frankfurt am Main - Immer mehr Millionäre weltweit werden immer reicher - außer in Deutschland. Das ist ein Ergebnis des neunten "World Wealth Reports", den die Unternehmensberatung Capgemini und die Investmentbank Merril Lynch am Donnerstag veröffentlichten.

Wo leben die meisten Millionäre? - Klicken Sie auf das Bild für eine Großbildansicht
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760.300 Millionäre zählte die Studie im vergangenen Jahr in Deutschland. 4400 mehr als im Jahr 2003, was einem Zuwachs von 0,6 Prozent entspricht. Weltweit hingegen stieg die Zahl der so genannten "High Net Worth Individuals", also hoch Vermögenden, um 7,3 Prozent auf 8,3 Millionen. Berücksichtigt wurden dabei jene Personen, die mindestens eine Million Dollar in liquidem Finanzvermögen und Immobilienbeteiligungen, also nicht selbst bewohnten Immobilien, besitzen.

Das weltweite Gesamtvermögen dieser Millionäre wuchs sogar noch kräftiger: Die Summe stieg um 8,2 Prozent auf Schwindel erregende 30,8 Billionen Dollar. Der höchste Anstieg der privaten Nettovermögen seit mehr als drei Jahren.

Die überwiegende Mehrheit der Vermögenden zählt die Studie dabei zu den "einfachen" Millionären ("Millionaire Next Door") mit einem Vermögen von bis zu 5 Millionen Dollar. Sie vereinen immerhin 44 Prozent des weltweiten Gesamtvermögens auf sich. Ein Drittel des Vermögens allerdings entfällt auf gerade einmal 77.000 Personen, die der Wohlstandsreport zu den "Superreichen" ("Ultra High Net Worth Individuals") mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar zählt.

Millionärshierarchie: Rund 77.000 Superreiche besitzen ein Drittel des Vermögens
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Millionärshierarchie: Rund 77.000 Superreiche besitzen ein Drittel des Vermögens

"Für die Vermögenden war 2004 ein überdurchschnittlich gutes Jahr", resümiert Achim Küssner, Geschäftsführer von Merrill Lynch Investment Managers in Deutschland und Österreich, im Interview mit manager-magazin.de. "Wir hatten relativ moderate Zinsen und Inflationsraten, aber auch ein moderates bis hohes Wirtschaftswachstum. Dazu gab es gute Unterstützung von Seiten der Aktienmärkte", so Küssner. Zudem hätten die Millionäre bei der Anlage ihres Vermögens "alles richtig gemacht" und die Trends an den Kapitalmärkten rechtzeitig antizipiert.

Große regionale Unterschiede

Doch so beeindruckend die globalen Zahlen zunächst klingen, so groß fallen die regionalen Unterschiede aus. Für Europa sind die Ergebnisse des Wohlstandreports ernüchternd - insbesondere für Deutschland.

Die Verteilung der Millionäre nach Regionen - Klicken Sie auf das Bild für eine Großbildansicht
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Erstmals hat Nordamerika, also die USA und Kanada gemeinsam, Europa sowohl im Wachstum des Vermögensvolumens als auch in der Zahl der Millionäre überholt. 2,7 Millionen hoch Vermögende zählt die Studie in Nordamerika, 2,6 Millionen in Europa. Und während ihre Zahl jenseits des Atlantiks im vergangenen Jahr um rund 10,2 Prozent zulegte, betrug der Zuwachs in Europa gerade einmal 4,1 Prozent.

"Strukturelle Probleme, vor allem die hohe Arbeitslosigkeit und das schwache Wirtschaftswachstum, haben den Vermögensaufbau in Europa stark beeinträchtigt", erklärt Rainer Wilken, Principal im Bereich Financial Services bei Capgemini. Lediglich Großbritannien und Spanien konnten mit dem weltweiten Vermögenswachstum Schritt halten. Europas größte Volkswirtschaft Deutschland dagegen hinkte hinterher.

Reformen blieben aus

"Obwohl die Aktienmärkte in Deutschland im vergangenen Jahr eine positive Entwicklung zeigten und auch das Bruttoinlandsprodukt um 1,6 Prozent zulegte, konnten keine neue Vermögen gebildet werden", erklärt Küssner. "Hemmend wirkte sich vor allem das Ausbleiben weiterer wirtschaftlicher und steuerpolitischer Reformen aus, sodass die Massenarbeitslosigkeit einen Höchststand erreichte, die niedrigen Zinssätze ohne belebende Wirkung blieben und auch der Immobilien- und Anleihesektor keine bedeutenden Fortschritte machten".

Besonders viele Neu-Millionäre zählte die Studie in Wachstumsregionen wie Singapur, Hongkong, Australien und Indien. Der rasant gestiegene Ölpreis sorgte auch in Südafrika und dem Nahen Osten für kräftig wachsende Privatvermögen.

An der Wachstumsschwäche Europas, so sagen die Experten von Merill Lynch und Capgemini voraus, werde sich auch in den kommenden Jahren wenig ändern. Sie rechnen daher auch weiterhin nur mit einem jährlichen Vermögenszuwachs von rund 3,8 Prozent, während sie die weltweite Zunahme der Privatvermögen bis 2009 auf Jährlich 6,5 Prozent schätzen. Am Ende des Jahrzehnts hätten die Millionäre dieser Welt damit rund 42,2 Billionen Dollar Vermögen angesammelt.



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