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Martin U. Müller

Ein Interview und seine Folgen Was wir aus dem Joop-Shitstorm gelernt haben

Wolfgang Joop erzählte uns, wie die Modebranche früher funktionierte. Seine Aussagen sorgten für Empörung – in den sozialen Netzwerken, aber auch intern beim SPIEGEL.
aus DER SPIEGEL 1/2022
Joop im SPIEGEL-Gespräch: »Alles war käuflich«

Joop im SPIEGEL-Gespräch: »Alles war käuflich«

Foto: Eva Tuerbl / DER SPIEGEL

Wolfgang Joop war in Plauderlaune, als wir ihn zum Gespräch darüber trafen, was Corona mit der Modewelt gemacht hat. Zugleich schien er in sentimentaler Verfassung, wollte erzählen, wie rasant sich die Branche verändert hat.

Er habe bei Karl Lagerfelds Tod geweint, weil damals eine Ära zu Ende gegangen und »diese Welt so wunderbar frivol und frigide« gewesen sei. Dann fielen die Sätze, die später für Empörung sorgten, in sozialen Netzwerken, in Medien und in persönlichen Gesprächen: »Alles war käuflich. Die Agenturen gaben die Schlüssel zu den Zimmern der Models, die nicht so viel Geld brachten, an reiche Männer. Und wenn sich ein Mädchen beschwerte, hieß es: Wir können auch auf dich verzichten.«

Als reiner Text mussten diese Sätze verstörend wirken. Beim SPIEGEL führte die Passage intern zu hitzigen Diskussionen. Im Rückblick ist zu sagen: Wir hätten an der Stelle hartnäckiger nachfragen, Belege für die Behauptungen fordern können. Aber als wir Joop ge­genübersaßen, hatten wir den Eindruck, dass er die Vergangenheit nur beschrieb, nichts daran verteidigte oder gar zurückwünschte.

Doch ein gedrucktes Interview kann eine Atmo­sphäre nur sehr eingeschränkt wiedergeben. Joop entschuldigte sich später und bezeichnete die Geschehnisse in der Branche als das, was sie waren: ein respektloser und missbräuch­licher Umgang mit Models.

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