Wolkenkratzer-Architekt im Interview "150 Stockwerke sind nicht billig"

Mit dem Burj Dubai entsteht in Dubai einer der höchsten Bauten der Welt. Der Entwurf für den Wolkenkratzer stammt vom Architekten Adrian Smith. Im Interview spricht er über das Problem der Wüstenwinde und Vorkehrungen gegen Terrorangriffe.


Frage:

Es ist wieder einmal so weit, Herr Smith. Ein neues höchstes Gebäude der Welt entsteht, diesmal in Dubai. Wie weit sind Sie mit den Bauarbeiten?

Smith: Wir kommen schnell voran. Das siebte Stockwerk steht im Rohbau.

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Wolkenkratzer: Der Turmbau zu Dubai

Frage: Sie haben zuvor schon einige Wolkenkratzer entworfen. Unter anderem in Shanghai. Was ist so besonders am Superbauplatz Dubai?

Smith: Nun, es ist vor allem der Wille der Herrscherfamilie, aus diesem Ort etwas ganz Besonderes zu machen. Als erstklassiges Reiseziel soll Dubai ein Maximum an Touristen anlocken und bevölkert werden mit Leuten, die hier arbeiten.

Frage: Braucht man dafür einen Turm mit 150-Stockwerken?

Smith: Brauchen hin oder her. Es war eine gezielte Entscheidung, das mit Abstand höchste Gebäude der Welt zu bauen. Allein darum ging es. Und mein Job ist, dafür zu sorgen, dass das dann auch noch schön anzusehen ist.

Frage: Wie rentabel ist ein solches Prestige-Projekt?

Smith: In diesem Falle sehr. Der Bau des Burj Dubai ist eingebettet in ein Konzept der Stadtentwicklung. Man kann dadurch nicht nur Wohn- und Arbeitsflächen im Gebäude selbst verkaufen, sondern wertet gleichzeitig die Umgebung auf. Es wird mehr Immobilien mit Blick auf den höchsten Turm der Welt geben. Wenn Sie in Paris eine Wohnung mit Blick auf den Eiffelturm haben wollen, zahlen Sie ja auch ordentlich drauf. Über mangelnde Nachfrage kann sich der Burj Dubai nicht beklagen. Die meisten Räume waren innerhalb einer Woche nach Angebot verkauft oder vermietet. Wir rechnen damit, dass der Bau bereits in sieben bis acht Jahren die Investition wieder eingefahren hat. Natürlich ist da auch viel Spekulation im Spiel. Insgesamt gesehen sind 150 Stockwerke nicht billig zu bauen, aber immerhin billiger als zwei Wolkenkratzer, die nur halb so hoch sind.

Frage: Welche technischen Hürden machen Ihnen am meisten Kopfzerbrechen?

Smith: Nun, Dubai ist nicht durch Erdbeben gefährdet. Aber der starke Wind ist natürlich ein Problem. Jedes Hochhaus schaukelt bei starkem Wind, doch wir müssen dafür sorgen, dass die Leute im obersten Stock das nicht mitbekommen. Sonst fühlen sie sich am Ende noch unwohl und werden nervös. Der Wind bestimmt auch mit über das stufige Design des Burj und hat sowohl strukturell als auch skulpturell am Entwurf mitgewirkt. Nun verfügt der Turm über eine Art Ableitsystem für die um ihn herum zirkulierenden Windwirbel.

Hochhaus-Architekt Smith: Keine Klage über mangelnde Nachfrage
Steinkamp/Ballog

Hochhaus-Architekt Smith: Keine Klage über mangelnde Nachfrage

Frage: Wie steht es mit den Problemen im Innern des Turms?

Smith: Auch im 150. Stock des Burj sollte jemand eine heiße Dusche nehmen können. Man braucht also spezielle Systeme für Wasserdruck und Energieleitungen - auch für die Klimatisierung. In einem solchen Gebäude entstehen dabei jährlich eine Million Liter Kondenswasser. Das fangen wir mit einem neu entwickelten Sammelsystem auf. Probleme bei einem solchen Vorhaben sind immer die Fahrstühle. Denn wenn Sie nicht aufpassen, verbauen Sie die wertvollsten Immobilienflächen mit Antrieben und Aufzugsschächten. Das wäre doch schade.

Frage: Kann man eigentlich unbegrenzt hohe Wolkenkratzer bauen?

Smith: Das hängt vor allem von der Länge der Stahlbetonstreben ab, die wir entwickeln können, und von den Pumpen, die den Beton sozusagen in den Himmel befördern müssen.

Frage: Sie haben alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Würde ein solcher Turm einen Terroranschlag, wie er am 11. September 2001 in New York geschehen ist, überstehen?

Smith: Das World Trade Center kollabierte, weil die Hitze des brennenden Treibstoffs die Stahlträger zum Schmelzen brachte. Tragende Masse im Burj ist aber Beton, der wesentlich höhere Temperaturen aushält.

Frage: In Dubai fallen Entscheidungen über Baupläne anscheinend schneller als irgendwo sonst auf der Welt.

Smith: Schneller als bei Ihnen in Europa mit Sicherheit. Die Situation ist vielleicht vergleichbar mit China, besonders Schanghai, Mitte der neunziger Jahre.

Frage: Bei aller Wettbau-Euphorie: Welche ernsten Probleme wird Dubai in den kommenden Jahren zu bewältigen haben?

Smith: Ich denke da vor allem an ein funktionierendes öffentliches Transportsystem. Das tut dringend Not. In Dubai läuft die Reihenfolge in der Stadtplanung anders als üblich. Normalerweise haben wir bereits eine Infrastruktur, gewachsene Verkehrswege und natürliche Achsen und Beschränkungen. Doch hier werden erst einmal die Stadtteile gebaut. Dann denkt man darüber nach, wie man alles zusammenfügen könnte.

Frage: Über was für einen Bauauftrag würden Sie sich besonders freuen?

Smith: Auf diese Frage sollte ich wohl antworten: Ein Museum in Paris.

Die Fragen stellte Daniel Gerlach



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