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07. Dezember 2004, 08:05 Uhr

World Trade Center

Gericht spricht Silverstein doppelte Versicherungssumme zu

Im Rechtsstreit um die Schadensregulierung des bei den Anschlägen vom 11. September 2001 zerstörten World Trade Center (WTC) haben die Versicherer am Montag einen Rückschlag erlitten. Ein US-Geschworenen-Gericht sah es als erwiesen an, dass es sich bei den Anschlägen um zwei Schadensereignisse gehandelt hat.

Modell des neuen WTC: Auch die Allianz muss zahlen
AP

Modell des neuen WTC: Auch die Allianz muss zahlen

New York - Damit verdoppelt sich die Summe, die der WTC-Pächter Larry Silverstein von den neun beklagten Versicherern erhält, auf 2,2 Milliarden Dollar. Die Versicherer hatten nach dem Einsturz der Gebäude 1,1 Milliarden Dollar der 3,55 Milliarden Dollar umfassenden Police zur Verfügung gestellt. Moslem-Extremisten der al-Quaida-Gruppe hatten am 11. September jeweils mit einem gekaperten Passagierflugzeug die beiden Türme des WTC zum Einsturz gebracht. Dabei kamen bis zu 3000 Menschen ums Leben.

Silverstein, der bereits angekündigt hatte, das Geld für den Wiederaufbau des World Trade Centers zu verwenden, äußerte sich zufrieden mit dem Urteil: "Ich werde sicher stellen, dass das Center so schnell wie möglich wieder errichtet wird", zitiert ihn die "New York Times". Die Versicherer hätten in diesem Zusammenhang der Pflicht ihren gerechten Teil am Wiederaufbau von Lower Manhattan zu leisten.

Zu den von dem Urteil betroffenen Versicherern gehören unter anderem die Allianz Global Risks US Insurance, eine Tochter der deutschen Allianz, sowie eine Tochter des Finanzkonzerns Zürich.

Der Rückversicherer Swiss Re teilte mit, er sei nicht betroffen. Der Versicherer IRI deutete an, dass das Verfahren möglicherweise noch nicht abgeschlossen ist. IRI sei davon überzeugt, dass es sich bei dem Terroranschlag vom 11. September um einen Schadensfall gehandelt habe. Dem seien die Geschworenen nicht gefolgt, obwohl die Beweislage für ein Schadensereignis gesprochen habe. Deswegen würden alle rechtlichen Möglichkeiten geprüft. Ähnlich äußerten sich andere Versicherer.

In einem ersten Verfahren hatte ein Gericht Anfang Mai entschieden, dass es sich bei den Terroranschlägen vom 11. September um ein singuläres Schadensereignis gehandelt habe. Damals urteilte ein Gericht, zwölf von 15 Versicherern des World Trade Centers hätten die so genannte WilProp-Form bei den Policen verwandt, wonach der Anschlag vom 11. September als einzelnes Schadensereignis definiert ist. Die zwölf Versicherungsgesellschaften repräsentierten 1,9 Milliarden Dollar der Deckungssumme. Zu den Gewinnern zählte damals die Swiss Re, die ihren Anteil an der Gesamtversicherungssumme von 3,5 Milliarden Dollar seinerzeit auf maximal 25 Prozent geschätzt hat.

Nach der Berufungsentscheiung soll nun noch in einer dritten Phase der Zeitwert der Gebäude bestimmt werden. Danach bemisst sich am Ende, wie viel jede Versicherungsgesellschaft genau bezahlen muss.

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