WTO-Gipfel Startklar für neue Handelsrunde

In Katar ist der Durchbruch gelungen: 142 Staaten einigten sich auf ein umfangreiches Paket zur weiteren Öffnung der Weltmärkte. Auch die Entwicklungsländer sind halbwegs zufrieden.

Von Ulrich Schäfer, Doha/Katar


Demo beim WTO-Gipfel: Harte Verhandlungen bis zum Schluss
DPA

Demo beim WTO-Gipfel: Harte Verhandlungen bis zum Schluss

Doha - Es ist geschafft, und Murasoi Maran genießt die große Aufmerksamkeit, die ihm deswegen zuteil wird. 70 Journalisten scharen sich um den indischen Handelsminister, als dieser am Dienstagabend auf der Terrasse des Sheraton-Hotels von Doha an einem kleinen Tisch Hof hält: "Dies ist ein sehr positives Ergebnis, nicht nur für Indien", sagt der kleine Mann mit dem Schnauzbart. Und lacht fröhlich.

Bis zum Schluss hatte Maran die Konferenz in Atem gehalten, einen ganzen Tag hatte der Abgesandte der Regierung in Neu Delhi knallhart um weitere Zugeständnisse gerungen und sie, zumindest aus seiner Sicht, am Ende auch bekommen. Deshalb muss Maran auch schmunzeln angesichts der Frage, ob er zwischendurch mal Angst gehabt habe. "Nein", sagt er, "ich habe den anderen hier Angst gemacht".

Sechs Tage hatte das Drama von Doha sich hingezogen, mehrmals steckte der Gipfel in der Krise, um am Mittwoch um 18.35 Uhr Ortszeit dann doch noch ein gutes Ende zu finden: Der Handelsminister von Katar rückte durch eine mündliche Erklärung einige - zumindest aus indischer Sicht - unklare Formulierungen im schriftlichen Abschlusskommunique gerade, so zu Fragen der Auslandsinvestitionen und des Kartellrechts. Maran nickte wohlwollend - und machte damit den Weg frei für die nächste Welthandelsrunde. Die Delegierten im Saal feierten dies mit minutenlangem Applaus.

WTO: Die Geschichte der Welthandelsorganisation
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Alle waren sie danach mehr oder weniger zufrieden: Die Afrikaner, weil sie sich dank sinkender Zölle einen besseren Marktzugang im Norden versprechen und zudem billigere Medikamente gegen Aids, Malaria oder Tuberkulose erhalten; die USA, weil sie in Zeiten des Terrors nicht nur den Weltfrieden, sondern auch die freien Weltmärkte sichern; und schließlich die Europäer, weil sie - anders als von manchen erwartet - einen Großteil ihrer Positionen im Abschlusskommunique durchsetzen konnten.

Pascal Lamy, der hagere Handelkommissar der Europäischen Union, hatte in der Nacht zu Mittwoch deswegen pausenlos verhandelt, um Worte, Halbsätze, Kommata gekämpft. Doch das Ringen um die richtigen Formulierungen hat sich, zumindest aus Sicht der EU, gelohnt.

So setzten die EU-Staaten sich damit durch, dass die WTO ihr Handelsregime künftig intensiv auf Umweltfragen abklopft und die Länder entsprechende Umwelt-Verhandlungen beginnen. So soll es, wie von Bundeskanzler Gerhard Schröder gefordert, demnächst auch Gespräche über die Umsetzung weltweiter Sozialstandards geben, etwa das Verbot der Kinderarbeit. Die WTO will diese - wenn auch noch relativ informellen - Gespräche gemeinsam mit einem Expertengremium der internationalen Arbeitsorganisation ILO führen.

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