Welthandelsorganisation Südkoreanerin Yoo zieht Bewerbung um WTO-Vorsitz zurück

Sie war die favorisierte Kandidatin der USA – nun aber strebt die südkoreanische Handelsministerin Yoo Myung Hee nicht mehr an die Spitze der WTO. Damit ist der Weg frei für ihre von der EU favorisierte Konkurrentin.
Südkoreanische Handelsministerin Yoo Myung Hee

Südkoreanische Handelsministerin Yoo Myung Hee

Foto: Choe Jin-suck / AP

Die Südkoreanerin Yoo Myung Hee hat ihre Bewerbung um den Führungsposten bei der Welthandelsorganisation (WTO) zurückgezogen. Einzige noch verbliebene Kandidatin für den Posten der WTO-Generaldirektorin ist damit Ngozi Okonjo-Iweala aus Nigeria.

Yoo habe die Entscheidung nach Diskussionen mit den USA und anderen führenden Ländern getroffen, teilte das südkoreanische Außenministerium mit. Sie habe verschiedene Punkte wie »die Notwendigkeit, die Funktionen der WTO wiederzubeleben«, berücksichtigt.

Der bisherige WTO-Generaldirektor Roberto Azevêdo hatte sein Amt im vergangenen August nach sieben Jahren an der Spitze der Organisation aus familiären Gründen vorzeitig abgegeben. Okonjo-Iweala galt zuletzt als aussichtsreichste Bewerberin, die auch von der EU unterstützt wird. Die USA hatten sich dagegen hinter die Südkoreanerin gestellt.

Yoo ist südkoreanische Handelsministerin, aber nicht Kabinettsmitglied. Südkorea werde weiter seinen Beitrag leisten, um den Multilateralismus auszubauen, teilte ihr Ministerium zu Yoos Entscheidung mit.

WTO in historischer Krise

Die WTO mit Sitz in Genf gehört mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank zu den wichtigsten internationalen Organisationen in der Wirtschaftspolitik. Sie soll vor allem ein Forum für Verhandlungen zum Abbau von Zöllen sowie anderen Handelshemmnissen bieten und überwachen, ob internationale Handelsabkommen eingehalten werden.

Aktuell steckt die WTO in der tiefsten Krise seit ihrer Gründung 1995. Sowohl die Differenzen zwischen den großen Handelsblöcken USA, China, EU als auch zwischen Industrie- und Entwicklungsländern wachsen. Die USA blockieren zudem das zentrale Organ der Streitschlichtung bei Handelsdisputen.

bah/AFP/dpa
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