Yahoo! Tim Koogle muss gehen

Der Internet-Konzern Yahoo! meldet einen Einbruch bei Umsatz und Gewinn. Vorstandschef Tim Koogle muss seinen Posten abgeben. An der Nasdaq brach die Aktie ein.


Muss gehen: Yahoo!-Chef Tim Koogle
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Muss gehen: Yahoo!-Chef Tim Koogle

San Francisco - Über sechs Stunden mussten die Anleger warten, dann war es so weit: Yahoo! trat an die Öffentlichkeit. Was die Aktionäre hörten, war allerdings nicht dazu angetan, die Stimmung zu heben. Umsatz und Gewinn des Internet-Konzerns werden im ersten Quartal deutlich unter den Erwartungen liegen, der bisherige Vorstandschef Tim Koogle muss gehen.

Nach Angaben des Vorstands erwartet Yahoo! für die ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Umsatz zwischen 170 und 180 Millionen Dollar - deutlich weniger, als die Analysten bislang errechnet hatten. Sie waren von 232 Millionen Dollar Umsatz und einem Gewinn von fünf Cent pro Aktie ausgegangen.

Die Begründung des Yahoo!-Boards für die schlechte Entwicklung: Die anhaltende Wirtschaftsflaute in den USA und die schlechte Zahlungsmoral säumiger Kunden. Das Nettoergebnis, so die gute Nachricht, werde im ersten Quartal jedoch trotzdem "nahe" an der Gewinnschwelle liegen.

Koogles bisherige Aussage: "Wir liegen voll im Plan."

Der bisherige Chef Tim Koogle soll so bald wie möglich abgelöst werden. Ganz trennen will man sich von ihm allerdings nicht: Er soll als Geschäftsführer im Unternehmen bleiben. Der 49-Jährige gehörte zu den prominentesten Unternehmensführern, nachdem Yahoos Börsenwert Ende 1999 auf 115 Milliarden Dollar gestiegen war. Er arbeitet seit 1995 bei dem kalifornischen Unternehmen.

Die Ablösung kommt für einige Marktbeobachter überraschend, vermutlich auch für Koogle selbst. Noch vor wenigen Wochen hatte er sich in einem Interview mit dem "manager magazin" zuversichtlich gezeigt. Angesprochen auf Gerüchte um sinkende Gewinne sagte er: "Wir liegen voll im Plan. Die Investoren sind einfach zu pessimistisch. Wir haben im Jahr 2000 den Umsatz auf 1,1 Milliarden Dollar verdoppelt, wir haben einen hohen Gewinn eingefahren, und wir haben noch nie Schulden gemacht."

Eher verhalten wurde vom Markt die Ankündigung von Yahoo! aufgenommen, man wolle nun ein Aktienrückkaufprogramm starten. Das Volumen wird auf über 500 Millionen Dollar beziffert. Dennoch gab die Aktie im nachbörslichen Handel kräftig nach; gegen 1 Uhr deutscher Zeit am Donnerstag (19 Uhr New Yorker Zeit) hatte sich der Kurs bei etwa 18,7 Dollar eingepegelt - ein Verlust von über 16 Prozent im Vergleich zum Vortag.

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