»Riesige Verluste« von Investoren YouTuber »Roaring Kitty« wird nach GameStop-Hype verklagt

Er soll seine Expertise verschwiegen und Privatanleger zum Kauf von Aktien bewegt haben: Verletzte Keith Gill mit dem GameStop-Hype Börsenregeln? Vor dem Kongress will er sich gegen die Vorwürfe wehren.
Die Aktie von GameStop machte ein sensationelles Auf und Ab durch

Die Aktie von GameStop machte ein sensationelles Auf und Ab durch

Foto: John Minchillo / AP

Der YouTuber »Roaring Kitty«, der mit bürgerlichem Namen Keith Gill heißt, wird in den USA wegen seiner Verwicklung in den Hype der GameStop-Aktie verklagt. Eine Sammelklage wirft Gill vor, Aktiengesetze verletzt und Investoren »riesige Verluste« beschert zu haben, wie aus der in Massachusetts eingereichten Klageschrift mit dem Datum vom Dienstag hervorging.

Eingereicht wurde die Klage von einer Anwaltskanzlei für Sammelklagen. Sie vertritt Personen, die auf Kursverluste der GameStop-Aktien gewettet hatten, durch den Hype aber Geld verloren.

In der Klage wird Gill vorgeworfen, dass er eigentlich ein Experte im Wertpapierhandel sei, der den Markt manipuliert habe, um selbst davon zu profitieren. Der YouTuber habe seine Expertise verheimlicht und in den sozialen Medien Privatanleger zum Kauf von Aktien verleitet. Das habe einen Kurssprung ausgelöst. »Gills betrügerisches und manipulatives Verhalten verletzte nicht nur zahlreiche Branchenvorschriften und -regeln, sondern auch verschiedene Wertpapiergesetze«, hieß es. Er habe die Integrität des Marktes untergraben.

Gill will sich vor dem Kongress wehren

Nach dem sagenhaften Auf und Ab des GameStop-Aktienkurses muss der YouTuber neben Hedgefonds-Managern und Firmenchefs am Donnerstag vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses aussagen. Gill veröffentlichte am Mittwoch eine schriftliche Fassung seiner geplanten Aussage. »Die Vorstellung ist absurd, dass ich soziale Medien genutzt haben könnte, um GameStop-Aktien bei unwissenden Anlegern bekannt zu machen«, schrieb er. »Ich habe hinreichend klargemacht, dass mein Kanal nur zu Bildungszwecken diente und dass mein aggressiver Anlagestil für die meisten Leute wahrscheinlich nicht geeignet war.«

Bei der Anhörung am Donnerstag müssen neben Gill auch der Chef der Handelsplattform Robinhood, Vlad Tenev, sowie die CEOs der Hedgefonds Citadel und Melvin aussagen. Der Ausschuss für Finanzdienstleistungen untersucht, wie vor allem die Aktien der Videospielhandelskette GameStop, aber auch die anderer Unternehmen in schwindelerregende Höhen getrieben werden konnten. Kleinanleger hatten mit konzertierten Käufen Hedgefonds zur Auflösung ihrer Wetten auf den Verfall des GameStop-Kurses gezwungen. Damit hatten sie diese Shortseller sogar teils in die Bredouille gebracht und Börsen weltweit in Unruhe versetzt. Auch bei der Kryptowährung Ripple hatte es zuletzt heftige Kursbewegungen am Markt gegeben.

Die Wetten auf Kursverluste bei GameStop sind einige Hedgefonds teuer zu stehen gekommen. Seit Jahresbeginn summieren sich ihre Verluste auf 12,5 Milliarden Dollar, wie aus kürzlich veröffentlichten Daten des Datenanbieters Ortex hervorgeht. Einige Fonds gerieten sogar in existenzielle Schwierigkeiten, darunter Melvin Capital. Die Hedgefonds Point72 und Citadel hatten ihren Partner mit einer Milliardenspritze vor dem Zusammenbruch retten müssen.

ptz/Reuters
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