Nationaler Berufsbildungsbericht Zahl der Ausbildungsbetriebe sinkt auf unter 20 Prozent

Immer weniger Betriebe bilden Lehrlinge aus, Bewerber gehen häufiger leer aus. Auch die Zahl der unbesetzten Lehrstellen sinkt erstmals seit Jahren.
Eine Frau macht eine Schweißerlehre (Archivbild)

Eine Frau macht eine Schweißerlehre (Archivbild)

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A3295 Uwe Zucchi/ dpa/dpaweb

Immer weniger Betriebe bilden Lehrlinge aus: Im vergangenen Jahr sei die Zahl der ausbildenden Unternehmen auf weniger als ein Fünftel gesunken, heißt es im neuen nationalen Berufsbildungsbericht, aus dem das "Handelsblatt" zitiert. Rund 25.000 Bewerber auf eine Lehrstelle gingen 2019 demnach leer aus.

Der Anteil der Ausbildungsbetriebe lag dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr bei 19,7 Prozent - ein Rückgang von rund 3,5 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2009. Selbst von den großen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern bildet demnach ein Fünftel gar keine Auszubildenden mehr aus.

Zahl der unbesetzten Lehrstellen sinkt erstmals seit Jahren

5000 Bewerber mehr als im Jahr 2014/15 bewarben sich demnach erfolglos um eine Ausbildungsstelle. Hinzu kommen dem Bericht zufolge fast 50.000 Bewerber, die nach einer erfolglosen Ausbildungsplatzsuche weiterhin zur Schule gehen, jedoch nach wie vor Interesse an einer Lehrstelle haben.

Deutlich gesunken ist dagegen die Zahl der unbesetzten Lehrstellen. 53.000 Ausbildungsplätze blieben 2019 laut dem Bericht frei. In den Vorjahren war diese Zahl stetig gestiegen, 2018 lag sie bei knapp 58.000. Im Vergleich zum Jahr 2009 habe sich die Zahl der unbesetzten Stellen jedoch verdreifacht, heißt in dem Bericht.

Coronavirus könnte Lehrstellen weiter reduzieren

Gleichzeitig könnten Zigtausende Lehrstellen wegbrechen, weil Hunderttausende Betriebe infolge der Coronakrise in Kurzarbeit sind, warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Denn "in diesen Monaten werden eigentlich die Verträge für die kommenden Azubis unterzeichnet", sagte Elke Hannack, die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), dem "Handelsblatt". "Damit nicht die Schwächsten in der Coronakrise ihre Zukunftschancen verlieren, werden wir im kommenden Jahr neben der betrieblichen Ausbildung verstärkt außerbetriebliche Angebote brauchen", fordert die DGB-Vize.

Auch das Wissenschaftszentrum Berlin und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnten vor einem Einbruch der Lehrstellen.

caw/AFP
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