Zahlungsverkehr EU-Parlament beseitigt Grenzen für Zahlungsverkehr

Bargeldloses Einkaufen und grenzüberschreitende Zahlungen werden in Europa künftig einfacher. Das Europa-Parlament gab heute grünes Licht für eine Richtlinie zur Errichtung eines Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes.


Frankfurt am Main - Neuerungen soll es für die Verbraucher voraussichtlich schon ab kommendem Jahr geben. Das plant jedenfalls der Europäische Bankenverband (EBF). Die Richtlinie selbst soll im November 2009 in Kraft treten, sie muss noch formell vom Rat angenommen werden.

Bereits ab 1. Januar 2008 dürfte es aber schon eine Vereinheitlichung grenzüberschreitender Überweisungen geben. In allen 27 EU-Staaten sowie in der Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island werden dann einheitliche Formulare dafür angeboten, die zwei Jahre lang parallel zu den bekannten Vordrucken existieren sollen. In dieser Zeit sollen sich die Bankkunden an die neuen Vorgaben gewöhnen. Denn ab 2010 müssen auch bei Überweisungen in Deutschland die internationale Bankkontonummer (IBAN) und die internationale Bankleitzahl (BIC) des Empfängers angegeben werden.

Gerade diese Regelung stößt bei Verbraucherschützern auf Kritik: "Aus deutscher Sicht ist das sehr ärgerlich. Denn künftig werden sich Verbraucher sehr lange Nummern merken müssen", erklärt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. So bestehe die internationale Kontonummer aus bis zu 27 Ziffern. "Sich das zu merken ist eine wahre Tortur", findet Pauli.

Spätestens am Ende des folgenden Arbeitstags sollen Überweisungen innerhalb der EU ab 2012 auf dem Empfängerkonto gutgeschrieben sein, bei denen keine Währungsumrechnung erforderlich ist. Pauli hält diese geplante Neuerung für längst überfällig. In manchen Mitgliedstaaten seien die Laufzeiten derzeit noch viel zu lang.

Gebührensenkung noch nicht ausgemacht

Mit In-Kraft-Treten der Richtlinie sollen Ende 2009 grenzüberschreitende Lastschriftverfahren EU-weit eingeführt werden. Dann könnten zum Beispiel deutsche Besitzer eines französischen Ferienhauses die Stromrechnung vom heimischen Konto abbuchen lassen.

Gerade hier müssen sich nach Paulis Einschätzung deutsche Kunden auf gravierende Änderungen einstellen. Während im deutschen Zahlungsverkehr Lastschriften relativ problemlos in Gang zu setzen und auch wieder zu stoppen seien, gebe es in anderen EU-Staaten viel längere Fristen und Gepflogenheiten. "Das europäische Lastschriftverfahren hinkt dem, was wir in Deutschland haben, eindeutig hinterher", betont der Finanzfachmann.

Auch die Aussicht auf sinkende Gebühren im Zuge der Vereinheitlichung beurteilt Pauli skeptisch. "Wir sehen diesen Automatismus nicht." Es sei schließlich die Frage, wie effektiv der Zahlungsverkehr im Einzelnen schon organisiert sei und wie viel der anfallenden Kosten an die Verbraucher weitergegeben würden.

Schließlich soll noch die Haftung von Bankkunden bei Missbrauch ihrer EC-Karte begrenzt werden. Sofern sie einen Verlust oder Diebstahl rechtzeitig melden, haften sie EU-weit höchstens für 150 Euro. Allerdings ist hier laut Pauli abzuwarten, wie diese Regelung in der Realität umgesetzt wird.

Von Daniel Rademacher, AP



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