Zank um die Bahn Merkel bestellt Mehdorn ins Kanzleramt

Delikater Termin für Bahnchef Hartmut Mehdorn: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihn ins Kanzleramt einbestellt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Bei dem Gespräch soll es um den Sitz der Bahnzentrale gehen.


München/Berlin - Das Bundeskabinett hatte den Umzug der Bahnzentrale von Berlin nach Hamburg eigentlich schon abgelehnt. Bahnchef Mehdorn halte das aber keineswegs für ein endgültiges Nein, sondern lediglich für eine Meinungsäußerung, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" mit Verweis auf Konzernkreise. Ähnlich hatte sich auch schon Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) geäußert. Die Frage, ob der Konzernsitz nun in die Hansestadt verlegt wird, soll dem Bericht zufolge nun noch vor Weihnachten in einem Spitzengespräch im Kanzleramt geklärt werden. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte auf Anfrage, ein solcher Termin sei nicht bekannt.

Bahnchef Mehdorn und Bürgermeister von Beust: Kabinettsentscheidung wird als Meinungsäußerung abgetan
DPA

Bahnchef Mehdorn und Bürgermeister von Beust: Kabinettsentscheidung wird als Meinungsäußerung abgetan

Mehdorn will in der Hansestadt bei der Hafengesellschaft und bei der Hochbahn einsteigen. Die Bahn könnte ihre Sparten Logistik und Nahverkehr mit diesem Engagement deutlich ausbauen. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat den Umzug zur Bedingung für den Verkauf von Anteilen der beiden kommunalen Unternehmen gemacht.

Laut "Süddeutscher Zeitung" hat die Konzernspitze der Bahn bestätigt, dass sowohl Mehdorn als auch der Bahn-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Müller die Chancen, die sich in Hamburg bieten, unbedingt nutzen wollen. Der Bahnchef wolle bei dem Termin im Kanzleramt den Versuch unternehmen, Merkel von diesem Geschäft zu überzeugen.

Schützenhilfe erhält Mehdorn von den Bahngewerkschaften. Transnet-Chef Norbert Hansen sagte der Zeitung, "es wäre fatal, wenn das Geschäft in Hamburg an der Standortfrage scheitert". Transnet sei es wichtig, dass der Bahn der Einstieg beim Hafen und der Hochbahn möglich gemacht werde. "Das darf nicht an staatlichen Eingriffen scheitern", sagte Hansen, der auch stellvertretender Vorsitzender des Bahn-Aufsichtsrates ist. Er warnte die Bundesregierung davor, eine Verlegung der Konzernzentrale zu untersagen: "Wenn dadurch wirtschaftliche Erfolge der Bahn vereitelt werden, müsste der Staat als Eigentümer dafür einstehen."

Ohne das Plazet des Bundes muss Mehdorn seine Umzugspläne zumindest bezüglich der Konzernzentrale beerdigen. Denn deren Sitz ist in der Unternehmenssatzung festgeschrieben, die nur durch einen Beschluss der Eigentümer - und damit des Bundes - geändert werden kann. Der Vorstand könnte lediglich die Logistiksparte nach Hamburg verlegen. Für eine solche Lösung haben auch Berliner Politiker bereits Kompromissbereitschaft signalisiert.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.