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06. Dezember 2007, 23:07 Uhr

Zeitungsbericht

Pin will Post von Zeitungsträgern zustellen lassen

Der Briefdienstleister Pin plant der "Financial Times Deutschland" zufolge, den Post-Mindestlohn zu umgehen: Das Unternehmen will Zusteller von Zeitungsverlagen und regionalen Briefdiensten einsetzen. Das Bundeskartellamt wies eine Kartellbeschwerde der Firma heute zurück.

Hamburg - Die Austräger von Zeitungsverlagen und regionalen Postdiensten sollen dem Bericht zufolge Briefe deutlich günstiger verteilen als festangestellte Pin-Mitarbeiter. "Das wird dann über Kooperationen abgewickelt", zitierte die "Financial Times Deutschland" Unternehmenskreise. Grund für die Kostenersparnis: Die meist nebenberuflichen Zusteller fallen oft nicht unter die geplante Mindestlohnregelung für Briefzusteller.

Pin hatte in dieser Woche angekündigt, mehr als 1000 Beschäftigte zu entlassen, und diesen Schritt mit dem Mindestlohn begründet. Das angeschlagene Unternehmen, rechnet der Zeitung zufolge in diesem Jahr bei 350 Millionen Euro Umsatz mit einem Verlust von bis zu 55 Millionen Euro. Es fahre einen Sanierungskurs und werde von der Unternehmensberatung Roland Berger unterstützt. "Wir müssen eben ausdünnen", heißt es dem Bericht zufolge aus dem Management.

Unterdessen gilt es jetzt als sicher, dass der Eilantrag von Pin vor dem Bundeskartellamt gegen das Mindestlohn-Gesetz scheitern wird - es hat sich am Abend für unzuständig erklärt. Ein Sprecher sagte am Abend, eine Ausweitung des Mindestlohns auf die Postbranche basiere auf dem Entsendegesetz. Das Kartellamt sei aber nicht befugt, gegen den deutschen Gesetzgeber vorzugehen. Der Antrag des Post-Konkurrenten Pin "ist bei uns wohl deplatziert", sagte der Sprecher.

Der Antrag der Pin-Group war am Vormittag eingegangen. In einem Eilverfahren wollte der private Briefzusteller gegen den Tarifvertrag zum Mindestlohn vorgehen, weil er den Wettbewerb behindere. Zugleich gab man unter Verweis auf den Mindestlohn die Entlassung von 880 Mitarbeitern bekannt. Davon sind zunächst 100 Mitarbeiter in Hamburg betroffen, 230 in Niedersachsen, 250 in Hessen und 300 in Nordrhein-Westfalen. Geprüft würden weitere Personalmaßnahmen in Bayern und in weiteren Bundesländern.

SPD und Union hatten sich in der vergangenen Woche nach monatelangem Streit geeinigt, für Briefzusteller einen Mindestlohn von bis zu 9,80 Euro einzuführen. Ein entsprechender Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft Ver.di und einem von der Post dominierten Arbeitgeberverband soll für alle Briefzusteller gelten.

esp/AFP/dpa/ddp

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