ZEW-Index Experten sagen konjunkturelle Talfahrt voraus

Der Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist im November eingebrochen. Wie das ZEW in Mannheim mitteilte, sank der Index gegenüber dem Vormonat von 31,3 auf 13,9 Punkte.

Mannheim/Berlin - Von der Nachrichtenagentur Dow Jones befragte Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Rückgang auf 29,1 Zähler gerechnet. Wie das Institut mitteilte, rechnen die befragten Finanzmarktexperten für Deutschland mit einer Wachstumsverlangsamung bis Mai nächsten Jahres.

Gründe für den spürbar gestiegenen Pessimismus seien die erwartete weltwirtschaftliche Abkühlung, die jüngste stärkere Aufwertung des Euro, die schwächelnde Binnennachfrage und der hohe Ölpreis.

Die aktuelle Konjunkturlage in Deutschland wird von den Experten hingegen etwas positiver beurteilt. Der entsprechende Indexwert sei von minus 58,9 auf minus 57,8 Punkte gestiegen.

Für die Eurozone werden die wirtschaftlichen Perspektiven trüber. Der Index der Konjunkturerwartungen sei gegenüber Oktober um 15,5 Punkte auf 22,1 Punkte gesunken, teilte das ZEW mit. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum habe sich von minus 26 Punkten auf minus 25,8 Zähler verbessert.

Analystenerwartungen enttäuscht

Der Rückgang für Deutschland fiel deutlicher aus als von Beobachtern erwartet. Von der Nachrichtenagentur Reuters zuvor befragte Analysten hatten im Schnitt nur einen Rückgang des ZEW-Indikators auf 30 Punkte vorhergesagt. "Das war ein deutlicher Absturz und eine ziemliche Überraschung", sagte Jens-Oliver Niklasch, Konjunktur-Experte der Landesbank Baden-Württemberg.

Jörg Krämer von Invesco Asset Management sagte, der Ölpreis sei zwar gegenüber Oktober gefallen und die Aktienkurse seien gestiegen. Mittlerweile realisierten die Anleger aber die seit Jahresanfang angehäuften schlechten Nachrichten, insbesondere das hohe Ölpreisniveau. Jetzt wollten alle schnell das Lager der Optimisten verlassen: "Diese Dynamik ist typisch für einen einsetzenden Abschwung."

Auch Niklasch erklärte, mit dem ZEW-Index verdichteten sich die Anzeichen, dass das Konjunkturhoch schon überschritten sei. Andere Frühindikatoren wie der ifo-Index seien noch robust. "Die Daten sind insgesamt aber eher durchwachsen." Zusammen mit den Auftragsdaten gebe es nun aber eine Reihe von Anzeichen, dass die Wirtschaftsentwicklung im nächsten Jahr zumindest nicht besser werde.

Wirtschaftsministerium warnt vor Überbewertung

Das Bundeswirtschaftsministerium schloss sich zwar der Einschätzung an, dass der Euro-Anstieg und die hohen Ölpreise die Konjunkturaussichten belasten. Es zeigte sich aber gewiss: "Sollten die Ölpreise jedoch weiterhin rückläufig sein und sich der Euro stabilisieren, dürften die Erwartungen wieder besser ausfallen." Das aktuelle Ergebnis der ZEW-Umfrage dürfe nicht überbewertet werden, weil der Indikator sehr stark schwanke.

Am Donnerstag veröffentlicht das Statistische Bundesamt erste Daten zum deutschen Wirtschaftswachstum im dritten Quartal. Nach einer Umfrage von Reuters erwarten 31 Analysten im Schnitt ein Wachstum zum Vorquartal von nur noch 0,3 Prozent nach 0,5 Prozent im zweiten Quartal.

An der ZEW-Umfrage beteiligten sich den Angaben nach im November 304 Analysten und institutionelle Anleger. Der Indikator Konjunkturerwartungen gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen für die Wirtschaftsentwicklung auf Sicht von sechs Monaten wieder.