ZEW-Index Finanzexperten sehen Wachstumschancen düster

Gerade noch wurde das Wirtschaftswachstum 2007 bejubelt - da kommt der Dämpfer: Die Konjunkturerwartungen haben sich im Januar stärker eingetrübt als erwartet. Der ZEW-Index fiel auf den niedrigsten Stand seit 1993.


Mannheim - Der entsprechende Index lag im ersten Monat des neuen Jahrs bei minus 41,6 Punkten, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) heute mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit Februar 1993. Im Dezember hatte er noch bei minus 37,2 Zählern gelegen. Volkswirte hatten im Schnitt lediglich einen Rückgang auf minus 40,0 Punkte erwartet.

Container im Hamburger Hafen: Größter Risikofaktor für die Konjunktur ist die US-Finanzkrise
DPA

Container im Hamburger Hafen: Größter Risikofaktor für die Konjunktur ist die US-Finanzkrise

Der größte Risikofaktor für die deutsche Konjunktur ist laut ZEW die Gefahr einer Rezession in den USA im Zuge der Finanzkrise. Der Hoffnungsträger für die konjunkturelle Entwicklung sei der private Konsum, der durch eine Erholung am Arbeitsmarkt gestützt werde. "Der Konsum wird in den kommenden Monaten eine entscheidende Rolle für die Konjunkturentwicklung spielen. Allerdings sind die Einführung von Mindestlöhnen oder überzogene Lohnforderungen nicht geeignet, den Konsum zu erhöhen, da sie mit Arbeitsplatzverlusten verbunden sind", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Die 270 befragten Finanzmarktexperten bewerteten auch die aktuelle Lage negativer. Der Index verschlechterte sich um 6,9 auf 56,6 Punkte auf den niedrigsten Stand seit Ende 2006. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 60,0 Zähler gerechnet.

Staatshaushalt erstmals seit 1969 wieder im Plus

Erst heute morgen hatte das Statistische Bundesamt die Wachstumszahlen für 2007 bekanntgegeben: Danach erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber 2006 um 2,5 Prozent und wuchs damit exakt so stark wie erwartet. Damit war der Staatshaushalt erstmals seit 1969 wieder im Plus. Allerdings rechnet die Bundesregierung für das laufende Jahr wieder mit einem leichten Defizit.

BIP 2007: Gute Zahlen für das vergangene Jahr
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Auch nach Einschätzung der deutschen Industrie werden die Exporte in diesem Jahr wegen der Stärke des Euros vermutlich etwas weniger wachsen als 2007. Der BDI sagte ein Exportwachstum von sechs Prozent und eine etwas stärkere Zunahme der Importe um rund sieben Prozent voraus. Das Statistische Bundesamt hatte zuvor für 2007 ein Exportplus von 8,3 Prozent bei 5,7 Prozent höheren Importen genannt.

Auch der deutsche Anteil am Welthandel dürfte nach den Erwartungen der Industrie leicht zurückgehen. So sei mit einem leicht abgeschwächten weltweiten Handelswachstum von knapp sieben Prozent trotz einer Abschwächung zu rechnen. Damit wachse der Weltmarkt voraussichtlich stärker als die deutschen Ausfuhren.

sam/dpa-AFX/Reuters



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