ZEW-Index Konjunkturerwartungen steigen überraschend

Diese Prognose überrascht die Experten: Im Februar haben sich die Konjunkturerwartungen von Analysten und Investoren deutlich erholt - viel stärker als das erwartet wurde, teilte das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung mit.


Mannheim - Der Index der mittelfristigen Konjunkturerwartungen für Deutschland erhöhte sich gegenüber Januar um 25,2 Punkte von minus 31,0 auf minus 5,8 Punkte. Experten hatten dagegen mit einer viel geringeren Aufhellung auf minus 25,0 Punkte gerechnet. Damit stiegen die ZEW-Konjunkturerwartungen im Februar trotz Wirtschaftskrise zum vierten Mal in Folge.

Industriearbeiter in Stralsund: Hoffnungsschimmer für die zweite Jahreshälfte
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Auch für die Euro-Zone hellten sich die Erwartungen etwas auf. Sie seien um 22,1 Punkte gegenüber dem Vormonat auf minus 8,7 Punkte gestiegen, teilte das ZEW mit.

Die Lageeinschätzung trübte sich hingegen weiter deutlich ein. Sie sank um 9,1 Punkte auf minus 86,2 Punkte. Hier war ein Wert von minus 80,0 Punkten erwartet worden. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euro-Raum sank im Februar um 6,3 Punkte auf minus 91,0.

"Derzeit geht es mit der Konjunktur weiter bergab. Das Erreichen der Talsohle wird allerdings in den nächsten Monaten erwartet", erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. "Ab Mitte des Jahres schickt sich die Konjunktur dann an, sich allmählich aus dem Tief zu befreien." Das sei ein Hoffnungsschimmer - "nicht mehr, aber auch nicht weniger", sagte er.

Laut Franz dürften die fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen zur Stimulierung der Konjunktur die Erwartungen positiv beeinflusst haben. Außerdem dürften die zurückgehenden Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise den privaten Konsum stützen.

Analyst Dirk Schumacher von Goldman Sachs wertete die ZEW-Zahlen vorsichtig. Der Anstieg sei eine "Konsequenz aus der aktuellen Schwäche". "Je schlechter die Lage ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass es mittel- bis langfristig wieder besser wird", sagte er. "Immer mehr Analysten glauben, dass wir das Schlimmste hinter uns haben." Gleichwohl sei der ZEW-Index in der Vergangenheit "nicht immer der beste Gradmesser für eine Trendwende" gewesen.

Heinrich Bayer von der Postbank erklärte, der Anstieg des Index' sei "eigentlich nicht so überraschend", weil man davon ausgehen könne, "dass wir den Tiefpunkt der konjunkturellen Entwicklung sehen. Es sollte jetzt innerhalb eines halben Jahres aufwärts gehen."

Auch Citigroup-Analyst Jürgen Michels erwartete eine Stabilisierung in der Jahresmitte. Ein großer Impuls werde dabei von dem Konjunkturpaket der Bundesregierung ausgehen. "Die Chance ist da, dass wir zum Ende des Jahres wieder Wachstum sehen werden", sagte er. Bis dahin stehe aber ein weiterer Rückgang der Wirtschaftsleistung bevor - besonders im ersten Halbjahr.

Der ZEW-Konjunkturindikator gilt als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft. Für ihn werden monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger befragt.

kaz/ddp/dpa-AFX/AP



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