ZEW-Indikator Starker Euro drückt auf die Stimmung

Dämpfer für die Wachstumseuphorie: Der vielbeachtete Konjunkturindex des Wirtschaftsinstituts ZEW ist im Mai stärker als erwartet gefallen. Ein Grund dafür sei der jüngste Kursaufschwung der europäischen Währung, heißt es. 


Mannheim - Wie das ZEW mitteilte, ging der Index von 62,7 Punkten im Vormonat auf 50,0 Punkte zurück. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Stand von rund 60,0 Punkten gerechnet. Das ZEW befragt monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger.

Designer mit Entwurf für slowenischen Euro: Die gemeinsame Währungszone wird wohl bald größer - Slowenien und Litauen haben als erste der neuen EU-Länder die Aufnahme in die Währungsunion beantragt. Heute soll entschieden werden, ob sie Anfang 2007 den Euro einführen können. Slowenien hat gute Chancen, Litauen muss wohl warten
REUTERS

Designer mit Entwurf für slowenischen Euro: Die gemeinsame Währungszone wird wohl bald größer - Slowenien und Litauen haben als erste der neuen EU-Länder die Aufnahme in die Währungsunion beantragt. Heute soll entschieden werden, ob sie Anfang 2007 den Euro einführen können. Slowenien hat gute Chancen, Litauen muss wohl warten

Der Index ist nun schon den vierten Monat in Folge gefallen, liegt aber weiter über seinem historischen Mittelwert von 35,3 Zählern. "Ein Grund für den gegenwärtigen Rückgang dürfte die kräftige Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar sein, die die Exportindustrie belasten dürfte", erklärte das ZEW. Daneben schmälert der massive Anstieg des Ölpreises die realen Einkommen der privaten Verbraucher.

"Die schon in den vergangenen Monaten eingetretene Ernüchterung der Analysten setzt sich offenbar fort", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Er gab auch den Debatten über Steuererhöhungen und Mindestlöhne Schuld an dem Ergebnis. Sie seien nicht gerade dazu angetan, das Vertrauen der Investoren zu erhöhen. Der Vertrauensvorschuss in die Regierung scheine zu schwinden, sagte Franz. "Der Reformdruck steigt."

Euro reagiert mit Verlusten

Der Euro reagierte mit Kursverlusten auf die Daten, die Staatsanleihen zogen an. Die aktuelle Lage beurteilten die Experten besser als zuvor, der entsprechende Indikator stieg auf 8,7 von 2,9 Punkten.

Nach Einschätzung der Volkswirte von der HVB markiert der Rückgang eine Trendumkehr bei den Wachstumserwartungen. Die harten Konjunkturdaten im März seien durch die Bank eher enttäuschend gewesen, heißt es in einer Studie des Bankhauses. Dies könne zwar zum Teil durch den langen und kalten Winter begründet werden. Gleichwohl habe die Wachstums-Euphorie einen Dämpfer erhalten. Ein Wirtschaftswachstum von zwei oder mehr Prozent erscheine nun zu optimistisch.

Holger Schmieding von der Banc of America zeigte sich hingegen wenig überrascht: "Das ist keine große Überraschung. Das sind die Erwartungen von Analysten und institutionellen Anlegern, die angesichts des starken Euros und schwacher Aktienmärkte leicht zu beeindrucken sind. Gleichzeitig hat sich die Einschätzung der aktuellen Lage weiter verbessert. Diese Kombination von weniger überschäumenden Erwartungen und einer besseren Lage passt zu einem Aufschwung, der sich nicht weiter beschleunigt, aber breiter wird."

itz/ddp/dpa-AFX/Reuters



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