Zinswetten-Streit Deutsche Bank muss Schadenersatz zahlen

Die Kläger haben Recht bekommen: Die Deutsche Bank muss Geschädigten wegen fehlerhafter Beratung bei Zinswettengeschäften Schadenersatz von 370.000 Euro bezahlen. Bei anderen Prozessen steht die Entscheidung noch aus.


Frankfurt am Main - Wegen falscher Beratung muss die Deutsche Bank laut einem Gerichtsurteil einem Anleger Schadenersatz von mehr als 370.000 Euro für die Verluste aus einem Zinswettengeschäft (Swap) zahlen. Das bestätigte das Landgericht Frankfurt am Montag. Die Beratung habe nicht dem Anlageobjekt und auch nicht dem Kunden entsprochen, lautet die Begründung für das Urteil (Az.: 2-19 O 99/08). Die Deutsche Bank, die andere ähnlich gelagerte Prozesse auch schon gewonnen hat, kündigte an, in die Berufung zu gehen.

Deutsche Bank: Mit zahlreichen Kunden im Rechtsstreit
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Deutsche Bank: Mit zahlreichen Kunden im Rechtsstreit

Bei dem Kläger handelt es sich nach Anwaltsangaben um ein Maschinenbauunternehmen vom Niederrhein. Die Deutsche Bank Chart zeigen habe mit dem Kunden einen für diesen ungünstigen Aufhebungsvertrag geschlossen, ohne dass der Kunde die Tragweite der Vereinbarung erkannt habe.

Anlegeranwalt Klaus Nieding forderte die Deutsche Bank auf, weitreichende Konsequenzen aus dem noch nicht rechtskräftigen Urteil zu ziehen. "Es stünde den Banken gut zu Gesicht, sich ihrer Verantwortung für den Vertrieb dieses zum Teil existenzgefährdenden Produkts an mittelständische Unternehmen, Kommunen und kommunale Unternehmen im Sinne von streitbeendenden Vergleichen zu stellen, anstatt weiter auf den Instanzenzug zu setzen."

Nieding vertritt nach eigenen Angaben gemeinsam mit der Tübinger Kanzlei Tilp rund 60 Anleger mit einem Schadensvolumen von zusammen 160 Millionen Euro. Anwalt Andreas Tilp nannte die Provisionen als Hauptgrund für die fehlerhaften Bankberatungen sowohl privater wie auch institutioneller Anleger.

Die Deutsche Bank ist derzeit mit Dutzenden mittelständischen Unternehmen, Gemeinden und kommunalen Firmen über sogenannte Swap-Geschäfte im Rechtsstreit. Bei Swap-Geschäften wird auf den Abstand zwischen kurz- und langfristigen Zinsen gewettet. So versuchen Stadtkämmerer und Buchhalter, ihre Schuldenlast zu verringern. Geht die Wette verloren, drohen hohe Einbußen. Die Kläger werfen der Deutschen Bank vor, sie nicht ausreichend beraten zu haben. Die bisherigen Urteile gingen in verschiedene Richtungen, so dass Rechtsexperten davon ausgehen, dass der Streit letztlich vor dem Bundesgerichtshof landen wird.

cvk/dpa-AFX



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