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21. Juni 2014, 10:23 Uhr

Offshore-Konten

Zoll entdeckt Container mit Tausenden Bankakten

Der Zoll hat im Hamburger Hafen Container mit Unterlagen zu Konten bei einer Schweizer Privatbank beschlagnahmt. Darunter sollen sich auch Daten deutscher Steuersünder befinden - und solche der Bin-Laden-Familie.

Hamburg - Im Hamburger Freihafen hat der Zoll zwei Container mit Unterlagen beschlagnahmt, darunter offenbar auch Offshore-Kontodaten mutmaßlicher deutscher Steuerhinterzieher und der saudi-arabischen Familie des getöteten Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden. Dem "Focus" zufolge beschlagnahmten Fahnder die Fracht aus dem Steuerparadies Cayman-Inseln schon am 20. Mai. Zumindest ein Teil der Fracht kommt der "Welt am Sonntag" zufolge aus der Niederlassung der Schweizer Privatbank Coutts - die Tochter der Royal Bank of Scotland ist bekannt als Bank der englischen Queen.

Die Beamten schalteten Steuerfahnder aus Düsseldorf ein. Diese werteten das Material dem Bericht zufolge auf der Suche nach Steuersündern aus. Vermutlich landeten die Papiere versehentlich aus dem karibischen Steuerparadies in Hamburg. "Normalerweise wandern solche Unterlagen in den Reißwolf", sagte ein Finanzbeamter dem "Focus".

Die "Welt am Sonntag" berichtete, der Bank zufolge hätten die Unterlagen in ein Dateneinlagerungszentrum in Genf gebracht werden sollen. In einer Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums heißt es der Zeitung zufolge, der Vorgang befinde sich in einem "engen Zusammenhang mit einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren durch Dienststellen der Steuerfahndung des Landes NRW".

Nach dem Kauf diverser Steuer-CDs zu Schweizer Bankkonten sind damit erstmals umfangreiche Daten zu Offshore-Geschäften in Deutschland aufgetaucht. Die Bank bestätigte den Vorgang: Im Rahmen einer Neuordnung "findet derzeit ein Umzug von Unterlagen von den Cayman Islands in unser bestehendes Dateneinlagerungszentrum statt", zitiert die Zeitung eine Sprecherin. Das sei ein normaler Ablauf, es gebe aber "unseres Wissens keine Ermittlungen gegen die Trust Company." Die Bank arbeitet demnach mit den Behörden zusammen.

Nordrhein-Westfalen hatte schon 2012 für eine Million Euro eine CD der Coutts-Bank mit Daten von mehr als tausend vermögenden Deutschen angekauft, die zum Teil im großen Stil Steuern hinterzogen haben sollen.

Die Zeitung zitiert "eingeweihte Kreise" zum aktuellen Fahndungserfolg des Zolls: "Wenn solch ein Beweismittel praktisch bei uns vorbeigeflogen kommt, ist es doch unsere Pflicht zuzuschlagen. Wir wissen ja, wer Offshore-Geschäfte gemacht hat." Das Bundesfinanzministerium wollte sich demnach nicht näher äußern.

Die Cayman-Inseln gelten als Steuerparadies und als diskretes Geldversteck für Wohlhabende und Kriminelle aus aller Welt. Die Coutts Bank war zuletzt nicht nur wegen der gekauften Steuer-CD in die Schlagzeilen geraten. Vor zwei Jahren griff die britische Finanzaufsicht FSA die Bank scharf an. Coutts gehe inakzeptable Risiken ein, Kriminellen oder Despoten aus den Krisenregionen dieser Welt bei der Geldwäsche behilflich zu sein - zum Beispiel Herrschern in Libyen, Syrien oder Zimbabwe.

nck/AFP/dpa

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