Zoll schlägt Alarm Mehr Drogen, mehr Plagiate, mehr Schwarzarbeit

Waffen, exotische Tiere, Rauschgift, Produktfälschungen: Der deutsche Zoll hat so viel zu tun wie lange nicht mehr. Im vergangenen Jahr beschlagnahmten die Beamten allein Plagiate im Wert von mehr als 1,2 Milliarden Euro - die meisten kamen aus China.


München - Besonders erfolgreich waren die Fahnder beim Aufdecken von Drogengeschäften. Insgesamt 1,5 Tonnen Kokain beschlagnahmte der Zoll 2006. Im Vorjahr waren es noch 896 Kilogramm. Auch bei anderen Rauschgiften schlugen die Zöllner zu: 529 Kilogramm Heroin konnten sie 2006 beschlagnahmen statt 456 Kilogramm im Vorjahr. Bei Haschisch waren es sogar 3,2 Tonnen - glatt doppelt soviel wie ein Jahr zuvor.

Sichergestelltes Präparat eines Babykaiman: 53.000 geschützte Tiere und Pflanzen eingeführt
DDP

Sichergestelltes Präparat eines Babykaiman: 53.000 geschützte Tiere und Pflanzen eingeführt

Daneben konnte der Zoll auch zahlreiche illegale Waffengeschäfte aufdecken. Insgesamt 148 Kriegswaffen stellten die Beamten 2006 sicher. Im Jahr zuvor waren es nur zwölf.

Doch nicht nur Drogen- und Waffenhändler machen dem Zoll zu schaffen. Auch scheinbar harmlose Touristen halten die Beamten auf Trab: Immer mehr schmuggeln illegale Urlaubssouvenire ins Land: 53.000 geschützte Tiere und Pflanzen stellt der Zoll im vergangenen Jahr sicher - teils lebendig, teils auch ausgestopft oder in Form von Handtaschen, Gürteln, Schuhen, Medikamenten und Musikinstrumenten. 2005 waren es erst 39 000.

Den wirtschaftlich größten Schaden verursacht allerdings die Produktpiraterie. Im vergangenen Jahr beschlagnahmten die Zöllner illegal kopierte Waren im Wert von 1,2 Milliarden Euro - mehr als fünf Mal so viel wie 2005. Die Zahl der Fälle stieg um knapp 2000 auf 9164. "Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist richtige Kriminalität", sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Produktpiraterie koste deutsche Unternehmen Umsatzausfälle von etwa 25 Milliarden Euro jährlich und gefährde schätzungsweise 70.000 Arbeitsplätze.

Ein Drittel der gefälschten Produkte stammt nach Angaben des Zolls aus China, weitere 20 Prozent aus Thailand, Malaysia und anderen ostasiatischen Ländern. Eine Hauptschleuse für gefälschte Bekleidung, Schuhe und Uhren in Deutschland ist nach Angaben des Zolls der Hamburger Hafen. Dort habe der Zoll im vergangenen Jahr beim bisher weltweit größten Einzelfund gefälschte Produkte im Wert von 380 Millionen Euro sichergestellt, sagte Steinbrück. Schärfere Kontrollen der Käufer in Deutschland lehnte der Finanzminister als wenig Erfolg versprechend ab: "Ich kann nicht durch die Innenstadt von München oder Nürnberg laufen, um jedem unter den Turnschuh zu gucken."

Eine weitere "massive Beschädigung des Wirtschaftsstandorts Deutschland" ist Steinbrück zufolge die Schwarzarbeit. Sie sei "schwerwiegende Wirtschaftskriminalität". Schätzungen zufolge würden etwa 37 Milliarden Euro jährlich schwarz erwirtschaftet - 15 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. "Die Ehrlichen sind die Geschädigten", sagte Steinbrück. Der Zoll habe im vergangenen Jahr 423.000 Personen überprüft und eine Schadenssumme von knapp 604 Millionen Euro ermittelt - eine Steigerung von sieben Prozent im Vergleich zu 2005.

wal/dpa/ddp



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