Zu harter Wettbewerb Motorola prüft Abspaltung der Handy-Sparte

Der Name Motorola ist untrennbar mit Handys verbunden - doch genau diesen Geschäftsbereich könnte der Konzern abspalten. Auf Druck von Großaktionär Icahn prüft das Unternehmen eine Loslösung von der defizitären Sparte. Die Konkurrenz durch Nokia und Co. sei einfach zu hart.


New York - Offiziell geht es um eine "Überprüfung der strategischen Ausrichtung". Dies hat Motorola-Großaktionär Carl Icahn durchgesetzt. Tatsächlich jedoch könnte weit mehr dahinter stecken: Der angeschlagene Konzern schließt eine Abspaltung seiner defizitären Handy-Sparte nicht mehr aus.

Motorola-Geräte: Die Handysparte macht gut die Hälfte des Umsatzes aus
AP

Motorola-Geräte: Die Handysparte macht gut die Hälfte des Umsatzes aus

Vor einer endgültigen Entscheidung der Konzernführung wolle sich das Unternehmen aber nicht weiter dazu äußern, teilte der weltweit drittgrößte Handy-Hersteller mit. Während Analysten verhalten auf die Nachricht reagierten, zeigte sich Multimilliardär Icahn erfreut. Die Motorola-Aktie legte nachbörslich mehr als zwölf Prozent zu.

Motorola hatte zuletzt Marktanteile an seine Konkurrenten Nokia und Samsung verloren und vorige Woche einen Verlust für das laufende Quartal angekündigt. Der Branchenvierte Sony Ericsson will Motorola in diesem Jahr überholen. Die Handy-Sparte von Motorola, die zuletzt gut die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes erwirtschaftete, machte im vergangenen Jahr einen Betriebsverlust von 1,2 Milliarden Dollar nach einem Gewinn 2006 von 2,7 Milliarden Dollar.

Analysten verwiesen auf die dringende Notwendigkeit, den Aktionären mehr Wert zu garantieren. Vor diesem Hintergrund sei die Firmenmitteilung aber nicht zwangsläufig positiv zu sehen. "Letztendlich schafft die Trennung von einer Unternehmenssparte nicht wirklich Wert", erklärte Analyst Mark Sue von RBC. "Die Herausforderung ist es doch, das Handy-Geschäft wieder in Ordnung zu bringen."

Motorola-Großaktionär Icahn wertete die Nachricht dagegen als persönlichen Erfolg. Seit Monaten habe er sich für eine Trennung vom Handy-Geschäft ausgesprochen. "Ich bin erfreut, dass Motorola diesen Vorschlag nun endlich prüft", teilte Icahn mit. Der Multimilliardär, der für seine aggressiven Einmischungsversuche in strategische Firmenentscheidungen bekannt ist, hält etwa 3,3 Prozent an Motorola und ist damit der drittgrößte Einzelaktionär des Konzerns.

Zu Jahresanfang nahm der bislang nur für das operative Geschäft zuständige Greg Brown auf dem Motorola-Chefsessel Platz. Sein Vorgänge Ed Zander musste angesichts der schlechten Geschäftsentwicklung gehen, da er nicht rechtzeitig für ein erfolgreiches Nachfolgemodell für den Handy-Verkaufsschlager "Razr" gesorgt hatte.

wal/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.