Erfahrungen mit Corona-Soforthilfe Zuerst die Ersparnisse für ein wichtiges Projekt

Alex Beran, 47, Fotograf aus Heppenheim, hätte in Hamburg 7000 Euro mehr bekommen.
Foto: Alex Beran

"Ich bin Fotograf und Producer, das heißt, ich organisiere Fotoproduktionen, vor allem im Autobereich. Eigentlich habe ich Germanistik studiert, aber nach dem Studium merkte ich, dass ich eigentlich ganz was anderes will, also habe ich umgesattelt. Bisher konnte ich von meinem Beruf auch gut leben. Durch die Coronakrise sind mir allerdings Buchungen bis August weggebrochen, das Volumen schätze ich auf 20.000 bis 25.000 Euro.

Deshalb habe ich gleich, als das möglich war, einen Antrag auf Soforthilfe bei den zuständigen Stellen in Hessen gestellt. Vier Wochen hörte ich nichts, dann kam eine E-Mail, dass ich meine letzte Steuererklärung nachreichen müsse. Eine Woche später kam dann die Mitteilung, dass ich 2000 Euro bekomme für meine Betriebs- und Sachkosten. Das ist erfreulich, aber trotzdem fehlt mir noch Geld für meinen Lebensunterhalt.

Also rief ich beim Jobcenter an, um zum ersten Mal in meinem Leben Hartz IV zu beantragen. Die Sachbearbeiterin navigierte mich über unzählige Links, ich sollte bestimmt 25 Seiten ausfüllen. Dass der Antrag wegen der Coronakrise leichter sein soll als sonst, davon habe ich nichts gemerkt. Ganz zum Schluss des Gesprächs kam heraus, dass ich zu viel Geld auf dem Konto habe für eine Bewilligung.

Ich habe seit 2015 einen Barbiershop in Frankfurt begleitet und fotografiert, das Projekt heißt "The Barbershop Boys". Um aus den Fotos ein Fotobuch zu drucken, habe ich Geld zurückgelegt. Das Buch sollte im April eigentlich fertig sein, pünktlich zur Eröffnung einer Ausstellung in dem Shop. Das Projekt haben wir aber wegen Corona auch aufschieben müssen und jetzt lebe ich von dem Geld für das Fotobuch. Das ist schon hart: Das Projekt lag mir sehr am Herzen, ich habe fünf Jahre daran gearbeitet.

Aber ich will mich nicht beschweren, ich fühle mich auch nicht von der Politik allein gelassen. Was mich nur wirklich stört ist, dass die Regelungen für uns je nach Bundesland so unterschiedlich sind. Ich kenne einen Kollegen in Hamburg, der ist in exakt der gleichen Situation wie ich, hat aber 6500 Euro ohne Prüfung bekommen, plus eine Einmalzahlung über 2500 Euro für die Lebenshaltungskosten."

Aufgezeichnet von Anne Seith