Zuschauerschwund Premiere senkt Preise

Premiere-Chef Kofler kämpft: Die Zahlen des Bezahlfernsehsenders sind nach dem Verlust der Bundesliga-Rechte miserabel. Billigere Angebote sollen Rettung bringen.


Hamburg - Premiere-Chef Georg Kofler bemühte sich, den miserablen Zahlen noch etwas Positives abzugewinnen: "Trotz der Unsicherheit nach der Vergabe der Bundesliga-Rechte ist es Premiere gelungen, die Kundenbasis zu stabilisieren", erklärte er bei der Vorlage der Quartalszahlen. Dabei sind die Zahlen erschütternd.

Schatten von Premiere-Chef Kofler: "Wir sind heute sehr zuversichtlich"
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Schatten von Premiere-Chef Kofler: "Wir sind heute sehr zuversichtlich"

Das Minus des Senders schwoll von 3,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf satte 18,3 Millionen Euro an. Die Zahl der Abonnenten ging dafür seit Jahresbeginn um knapp 45.000 auf 3,52 Millionen zahlende Kunden zurück. Dabei hatte Kofler in besseren Tagen für Ende 2007 noch eine Zielmarke von vier Millionen Kunden ausgegeben. Jetzt rechnet das Unternehmen zum Jahresende mit nur noch 3,35 bis 3,45 Millionen Abonnenten. Nur der Umsatz kletterte immerhin von 247 auf 273 Millionen Euro. Premiere erklärte das Ergebnis mit den Kosten, die vor allem durch den Erwerb ausländischer Fußballrechte entstanden seien.

Um nach dem Verlust der Fußball-Bundesliga-Rechte wieder an Boden zu gewinnen, hob Kofler nun ein neues Angebot aus der Taufe - das Abonnement "Premiere Fußball International". Das soll 9,99 Euro monatlich kosten, auch einzeln buchbar sein und 125 Begegnungen der Uefa-Champions-League sowie Live-Fußball aus sieben europäischen Top-Ligen beinhalten, erklärte Kofler heute. Das bisher erhältlichen Fußball-Paket war nur in Kombination mit anderen Programmen für 34,80 Euro zu haben war, beinhaltete aber die Live-Übertragung der Bundesliga.

Premiere hatte bisher die Bundesliga exklusiv im Pay-TV übertragen. Bei dem hitzigen Bietergefecht im letzten Jahr hatte der Sender allerdings zu hoch gepokert und sein mehrere hundert Millionen schweres Angebot mit der Bedingung verknüpft, dass die ersten Bilder im frei empfangbaren Fernsehen erst ab 22 Uhr ausgestrahlt werden dürfen. Überraschend erhielt daraufhin der Konkurrent Arena den Zuschlag. Seitdem bemüht sich Premiere, die Bundesliga über Hintertürchen doch noch ausstrahlen zu dürfen.

Nach Angaben aus Branchenkreisen sind die Verhandlungen über ein Bündnis mit T-Online, das sich die Internetrechte gesichert hatte, auch weit fortgeschritten. Ob das den Sender aber noch einmal retten kann, ist fraglich. Denn auf diesem Wege dürfte Premiere aus technischen Gründen zunächst nur einen kleinen Teil seiner 3,5 Millionen Abonnenten erreichen.

Außerdem streitet die Telekom sich derzeit erbittert mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) über die Nutzung ihrer erworbenen Rechte. DFL-Präsident Werner Hackmann hatte zuletzt deutliche Worte gesprochen: Andere Übertragungsmöglichkeiten als Internet-Fernsehen über Satellit wären für die DFL auf keinen Fall akzeptabel. "Das würde bedeuten, dass man nicht mal Telekom-Kunde sein müsste, um die Bilder zu empfangen. Die Telekom darf die Bundesliga komplett live im Internet über ihre T-Online-Plattform zeigen. In diesem Geist sind die Verträge geschlossen worden. Aber eines ist auch klar: Wir dulden nicht, dass unser Pay-TV-Partner Arena geschwächt wird. Im Extremfall könnte die Telekom die Internet-Rechte wieder verlieren."

Doch Kofler gibt sich trotzig: "Wir sind heute sehr zuversichtlich, dass Premiere auch ab August Bundesliga live präsentieren kann." Nächstes Jahr will der Premierechef so auf Wachstumskurs zurückkehren. Die Kundenzahl soll auf 3,7 Millionen steigen, erklärte er jetzt, der Umsatz von etwa 1,1 Milliarden Euro in diesem Jahr auf mehr als 1,2 Milliarden Euro. Die Börse reagierte dennoch skeptisch. Der Premiere-Aktienkurs sank um zwischenzeitlich drei Prozent auf knapp zwölf Euro.

ase/ddp/Reuters



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