Zwangsschließung Weserbank-Chef gibt Finanzkrise Schuld an Insolvenz

Die Bankenaufsicht hat die Weserbank in Bremerhaven geschlossen - jetzt bemühen sich die Verantwortlichen um Schadensbegrenzung: Der Chef der Privatbank gibt als Entschuldigung die Finanzmarktkrise an, doch die BaFin widerspricht. Ursache seien Managementfehler.


Frankfurt am Main - Für Gerold Lehmann ist die Sache klar. Ohne die weltweite Krise an den Finanzmärkten und den Vertrauensverlust im Bankensektor hätte der Zusammenbruch vermieden werden können: "In einem normalen Marktumfeld hätte die Bank niemals geschlossen werden müssen", sagte der Chef der kleinen Bremerhavener Weserbank.

Zentrale der Weserbank: Keine Perspektive für die Zukunft
DDP

Zentrale der Weserbank: Keine Perspektive für die Zukunft

So hätten Anleihen im Anlagebestand dramatisch an Wert verloren, was die Refinanzierung erheblich erschwert habe, erklärte Lehmann. Zudem habe die Krise die Zahl der Börsengänge deutlich reduziert. "Das hat uns ebenfalls schwer getroffen".

Zahlreiche Kaufinteressenten winkten ab

Als die Krise erkennbar wurde, hätten Gespräche mit zahlreichen potentiellen Käufern stattgefunden, sagte der Manager weiter. Sie seien aber im aktuellen Marktumfeld alle gescheitert.

Aus der Perspektive der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stellt sich die Sachlage ganz anders dar. "Die Krise war nicht der entscheidende Faktor", sagte eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Vielmehr seien gravierende Fehler im Management die Ursache für die Schieflage. "Auch ohne die Marktturbulenzen wäre es wohl zu einer Schließung gekommen", lautet ihr Fazit.

Die BaFin hatte am Dienstag ein Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Bremerhaven beantragt und gleichzeitig die Schließung des Kreditinstitutes für den Verkehr mit der Kundschaft angeordnet. Die Weserbank darf keine Vermögenswerte mehr veräußern oder Zahlungen leisten. Auch die Entgegennahme von Geldleistungen untersagte die BaFin der Bank, sofern sie nicht zur Tilgung von Schulden ihr gegenüber bestimmt sind. Dieses Moratorium sei notwendig, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern.

Strategiewechsel Ursache für den Niedergang

Die Weserbank ist mit einer Bilanzsumme von 120,4 Millionen Euro (Ende 2007) eine der kleineren Banken in Deutschland. Die 1912 gegründete unabhängige Privatbank hat ihren Sitz in Bremerhaven und eine Niederlassung in Frankfurt am Main. Sie hat sich nach eigenen Angaben "von der Viehmarktsbank in Bremerhaven zur Investmentbank in Frankfurt" entwickelt.

2006 hatte der einstige UBS-Vorstand Gerold Lehmann gemeinsam mit dem ehemaligen Vorstandschef der Depfa-Tochter Deutsche Pfandbriefbank, Jürgen Karcher, die Mehrheit an der Weserbank übernommen und vor allem die Beratung kleiner und mittelständischer Unternehmen bei Kapitalmarkttransaktionen in den Mittelpunkt gestellt. Dazu gehörten Börsengänge, Kapitalerhöhungen sowie das Begeben von Wandelanleihen, Genussscheinen und Schuldverschreibungen.

Das brachte aber offensichtlich nicht genug Geld ein, um die laufenden Kosten zu decken. Nach Überzeugung der BaFin war in dieser Hinsicht auch keine Wende mehr zu erwarten. Die Weserbank sei nicht mehr in der Lage gewesen, dauerhaft die Erträge zu erwirtschaften, die zur Deckung der laufenden Kosten notwendig gewesen wären, erklärte die BaFin-Sprecherin. Die Verbindlichkeiten gegenüber ihren rund 2800 Kunden belaufen sich den Angaben der BaFin zufolge auf knapp 25 Millionen Euro.

Einlagen der Kunden sind gesichert

Die Einlagen der Kunden sind gesichert, da die Weserbank der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) und dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken angehört. Die EdB steht für die gesetzliche vorgeschriebene Mindestsicherung ein. Sie sichert bei jedem Kunden 90 Prozent seiner Einlagen bis maximal 20.000 Euro ab. Der Einlagensicherungsfonds übernimmt nach seinem Statut den 10-prozentigen Selbstbehalt und den Teil der Einlagen, die über die gesetzliche Grenze von 20.000 Euro hinausgehen und zwar bis zur jeweiligen Sicherungsgrenze. Diese liegt pro Einleger bei 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Bank, also bei 1,8 Millionen Euro.

Zuletzt hatte die BaFin im August 2006 eine Bank geschlossen. Auch damals war mit dem Institut Reithinger eine Privatbank betroffen. Die Bankenaufseher bemängelten damals, das Bankhaus sei Teil eines unübersichtlichen Unternehmensgeflechts gewesen. Dies habe die Aufsicht über das Institut beeinträchtigt. Zudem habe die Gefahr bestanden, dass das Institut seine Verpflichtungen gegenüber seinen Gläubigern nicht erfüllen könne.

mik/Reuters/Dow Jones/AFP/dpa-AFX



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.