Zweifel an Gemeinnützigkeit Fußball-Profiklubs drohen horrende Steuernachzahlungen

Fußball verkommt zum reinen Kommerz - das zumindest finden Bundesbeamte, die die Gemeinnützigkeit der Profi-Fußballklubs untersucht haben. SPIEGEL-Recherchen zufolge fordern sie deshalb, den Vereinen den Status abzuerkennen. Das würde die Klubs teuer zu stehen kommen.


Hamburg - Fußball ist nicht mehr das, was es einmal war - zu diesem Schluss kam das Bundesfinanzministerium bei der Betriebsprüfung der deutschen Vereine. Die Abteilung Bundesbetriebsprüfung des Bundeszentralamtes für Steuern vertritt die Auffassung, dass den Vereinen der ersten und zweiten Bundesliga in den meisten Fällen die Gemeinnützigkeit zu entziehen ist.

Bundesligaspiel VfB Stuttgart - FC Bayern München: Sechsstellige Steuerbeträge würden beim Verlust der Gemeinnützigkeit fällig
DPA

Bundesligaspiel VfB Stuttgart - FC Bayern München: Sechsstellige Steuerbeträge würden beim Verlust der Gemeinnützigkeit fällig

Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb sei in den Klubs zum Selbstzweck geworden, der "ideelle Bereich" – also etwa die Förderung des Sports im Allgemeinen – sei "völlig in den Hintergrund gerückt", heißt es in einem Schreiben des Amtes an das Bundesministerium.

Ein Sprecher des Ministeriums sagte, es sei eine zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs festgestellt worden. Das Ministerium will das Thema mit den Vertretern der obersten Finanzbehörden der Länder demnächst "ergebnisoffen" erörtern.

Bei einem Verlust der Gemeinnützigkeit unterliegen Überschüsse aus Vermögensverwaltung oder Zweckbetrieben der Körperschaft- und Gewerbesteuer. Es kann zu einer Nachversteuerung für die letzten zehn Jahre kommen; womöglich wäre den Vereinen auch zivilrechtlich eine Rechtsformverfehlung vorzuwerfen, so das Zentralamt. Vor allem bei Mitgliedsbeiträgen und Spenden würde ein Wegfall der Gemeinnützigkeit die Vereine treffen. Der VfB Stuttgart zum Beispiel, dessen 43.000 Mitglieder im Jahr etwa 1,8 Millionen Euro an Beiträgen zahlen, müsste nach Schätzungen der Klubführung jährlich einen hohen sechsstelligen Betrag zusätzlich Steuern zahlen.

ase



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