Zweiter Tag im Mannesmann-Prozess Ackermann hält Essers Millionenprämie für angemessen

In ihren ersten Stellungnahmen im Mannesmann-Prozess haben die Angeklagten Josef Ackermann, Klaus Zwickel und Joachim Funk die Millionenzahlungen an Top-Manager verteidigt. Nun erwarten Prozessbeobachter mit Spannung den Marathonvortrag von Ex-Mannesmann-Chef Esser, der eine fünfstündige Rede halten will.



Mannesmann-Prozess: Josef Ackermann verlässt das Gerichtsgebäude
DPA

Mannesmann-Prozess: Josef Ackermann verlässt das Gerichtsgebäude

Düsseldorf - Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat sich nach eigener Aussage bei den Entscheidungen über die umstrittenen Abfindungen bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns richtig verhalten. "Ich weiß nicht, wo strafrechtlich ein Problem liegen soll", sagte er am Donnerstag beim Mannesmann-Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf. Er habe sich nicht bereichert, sagte der Deutsche-Bank-Chef weiter. "Ich habe nach Wirtschaftsrecht richtig gehandelt."

Ackermann muss sich in Düsseldorf wegen schwerer Untreue verantworten. Dafür drohen bis zu zehn Jahre Haft. Andere frühere Mitglieder des Mannesmann-Aufsichtsrates oder der Konzernführung sind ebenfalls der Untreue oder der Beihilfe dazu angeklagt. In dem spektakulären Verfahren geht es um Prämien und Pensionen an Mannesmann-Vorstände und Pensionäre von rund 57 Millionen Euro.

Ackermann sagte weiter, dass die öffentliche Diskussion über die Bezüge von Managern nur in Deutschland zum Anlass für einen Strafprozess genommen werde. Die Vorwürfe gegen ihn, etwa dass er an einem Komplott zur Bereicherung beteiligt gewesen sei oder dass es bei Mannesmann keine ordnungsgemäßen Beschlüsse des Aufsichtsrats gegeben habe, bezeichnete er als falsch und "unsinnig". Ihm werde in nicht nachvollziehbarer Weise ein Straftatbestand zur Last gelegt, der noch dazu unklar und unbestimmt sei.

Ackermann lobt Esser

Im Einzelnen bezeichnete Ackermann sowohl das Verfahren von Umlaufbeschlüssen im Aufsichtsrat als auch nachträgliche Bonuszahlungen für Manager als legal und international üblich. Das Unternehmensinteresse sei bei Mannesmann vor dem Hintergrund der drohenden Übernahme durch Vodafone nicht beeinträchtigt, sondern vielmehr gewahrt worden. Und nachdem klar geworden sei, dass die Übernahme nicht mehr zu verhindern war, habe diese für Mannesmann und seine Eigentümer so günstig wie möglich gestaltet werden müssen.

Ackermann hob in diesem Zusammenhang die Verdienste des damaligen Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser hervor. So habe sich der Börsenwert des Konzerns während dessen Mitgliedschaft im Vorstand bis November 1999 auf 75 Milliarden Euro verzehnfacht, während der Index Dax Chart zeigen im gleichen Zeitraum nur um 190 Prozent zugelegt habe. Im Verlauf der Übernahmeschlacht sei es Esser dann gelungen, den Unternehmenswert noch einmal auf 160 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln. An diesem in der deutschen Wirtschaftsgeschichte nie zuvor dagewesenen Erfolg sei Esser lediglich mit 0,01 Prozent beteiligt worden, sagte Ackermann.

Bei dieser Prämie habe sich der Aufsichtsrat bewusst nicht an das vertraglich Geschuldete gehalten, sondern am Prinzip der Leistungsgerechtigkeit orientiert, sagte Ackermann. Esser sei bei der Übernahmeschlacht an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht worden. "Hätten wir zu ihm sagen sollen, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen?", fragte der Angeklagte.

Funk und Zwickel weisen jede Schuld von sich

Ehemaliger Aufsichtsratschef Joachim Funk: "Die Situation glich einem Schlachtfeld"
AP

Ehemaliger Aufsichtsratschef Joachim Funk: "Die Situation glich einem Schlachtfeld"

Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende von Mannesmann, Joachim Funk, bezeichnete vor dem Landesgericht den Beschluss über die Ausschüttung der umstrittenen Prämien als "rechtlich in Ordnung". Bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor vier Jahren sei es hektisch zugegangen. "Manche Entscheidungen wurden in Eile getroffen, die Situation glich einem Schlachtfeld", meinte Funk.

Der Gewerkschafter Zwickel äußerte sein Unverständnis über die Anklage. Nach 50 Jahren Arbeit habe er sich viel vorstellen können, aber "niemals, dass ich eines Tages wegen Veruntreuung angeklagt sein könnte", sagte der frühere IG-Metall-Chef und Mannesmann-Aufsichtsrat. Alle Entscheidungen, an denen er beteiligt gewesen sei, waren nach seiner Überzeugung aktienrechtlich korrekt.



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