Zweiter Tag im Mannesmann-Prozess Esser hält Vorwürfe der Staatsanwaltschaft für erfunden

Als Letzter der sechs Angeklagten im Mannesmann-Prozess hat der frühere Vorstandschef Esser die Untreue-Vorwürfe der Staatsanwaltschaft scharf zurückgewiesen. Sie seien eine "Verleumdung" und "Beleidigung", sagte Esser.



Esser: "Einzigartige Erfolgsgeschichte"
DDP

Esser: "Einzigartige Erfolgsgeschichte"

Düsseldorf - Einen Schaden für Mannesmann habe es nicht gegeben, nur "riesige Gewinne für die Aktionäre", sagte Esser am Donnerstag zu Beginn seiner fünfstündigen Erklärung vor dem Landgericht Düsseldorf. Da ihm auch nach Auffassung des Gerichts keine Untreue nachzuweisen gewesen sei, habe man den Vorwurf der Käuflichkeit und Verschwörung gegen ihn "erfunden", sagte Esser, der sich wegen Beihilfe zur Untreue verantworten muss.

"Es gab weder Täter noch Gehilfen bei unrechtmäßigen Handlungen", so Esser. Er schilderte die Steigerung des Aktienkurses von Mannesmann im Zuge der Übernahme als "einzigartige Erfolgsgeschichte", womit die Bonuszahlungen an ihn selbst gerechtfertigt gewesen seien. Die Übernahme sei eine bittere Niederlage für Mannesmann gewesen, für die Aktionäre jedoch ein großer Erfolg. Dies sei eine paradoxe Situation gewesen, in der die Mitarbeiter von Mannesmann in ihrer Trauer "ziemlich einsam" gewesen seien. Esser hatte nach der Übernahme neben der Erfolgsprämie auch eine Abfindung von 30 Millionen Mark erhalten.

Angeklagte beteuern ihre Unschuld

Zuvor hatten bereits die anderen fünf Angeklagten die gegen sie erhobenen Untreue-Vorwürfe zurückgewiesen und ihre Unschuld beteuert. In dem spektakulären Verfahren geht es um Prämien und Pensionen an Mannesmann-Vorstände und Pensionäre von rund 57 Millionen Euro.

Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat sich nach eigener Aussage bei den Entscheidungen über die umstrittenen Abfindungen bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns richtig verhalten. Ex-Aufsichtsrat Ackermann muss sich wegen schwerer Untreue verantworten. Dafür drohen bis zu zehn Jahre Haft.

"Ich weiß nicht, wo strafrechtlich ein Problem liegen soll", sagte Ackermann am Donnerstag. Er habe sich nicht bereichert, sagte der Deutsche-Bank-Chef weiter. "Ich habe nach Wirtschaftsrecht richtig gehandelt."

Ackermann sagte weiter, dass die öffentliche Diskussion über die Bezüge von Managern nur in Deutschland zum Anlass für einen Strafprozess genommen werde. Die Vorwürfe gegen ihn, etwa dass er an einem Komplott zur Bereicherung beteiligt gewesen sei oder dass es bei Mannesmann keine ordnungsgemäßen Beschlüsse des Aufsichtsrats gegeben habe, bezeichnete er als falsch und unsinnig. Ihm werde in nicht nachvollziehbarer Weise ein Straftatbestand zur Last gelegt, der noch dazu unklar und unbestimmt sei.

Ackermann lobt Esser

Ackermann hob die Verdienste des damaligen Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser hervor. So habe sich der Börsenwert des Konzerns während dessen Mitgliedschaft im Vorstand bis November 1999 auf 75 Milliarden Euro verzehnfacht, während der Index Dax Chart zeigen im gleichen Zeitraum nur um 190 Prozent zugelegt habe. Im Verlauf der Übernahmeschlacht sei es Esser dann gelungen, den Unternehmenswert noch einmal auf 160 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln. An diesem in der deutschen Wirtschaftsgeschichte nie zuvor dagewesenen Erfolg sei Esser lediglich mit 0,01 Prozent beteiligt worden, sagte Ackermann.

Bei dieser Prämie habe sich der Aufsichtsrat bewusst nicht an das vertraglich Geschuldete gehalten, sondern am Prinzip der Leistungsgerechtigkeit orientiert, sagte Ackermann. Esser sei bei der Übernahmeschlacht an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht worden. "Hätten wir zu ihm sagen sollen, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen?", fragte der Angeklagte.

Funk und Zwickel weisen jede Schuld von sich

Ehemaliger Aufsichtsratschef Joachim Funk: "Die Situation glich einem Schlachtfeld"
AP

Ehemaliger Aufsichtsratschef Joachim Funk: "Die Situation glich einem Schlachtfeld"

Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende von Mannesmann, Joachim Funk, bezeichnete den Beschluss über die Ausschüttung der umstrittenen Prämien als "rechtlich in Ordnung". Bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor vier Jahren sei es hektisch zugegangen. "Manche Entscheidungen wurden in Eile getroffen, die Situation glich einem Schlachtfeld", meinte Funk.

Der Gewerkschafter Klaus Zwickel äußerte sein Unverständnis über die Anklage. Nach 50 Jahren Arbeit habe er sich viel vorstellen können, aber "niemals, dass ich eines Tages wegen Veruntreuung angeklagt sein könnte", sagte Zwickel. Alle Entscheidungen, an denen er beteiligt gewesen sei, waren nach seiner Überzeugung aktienrechtlich korrekt.



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