Zweiter Tag im Mannesmann-Prozess Esser plant fünfstündige Verteidigungsrede

Am zweiten Tag des Mannesmann-Prozesses werden die Angeklagten zu den Tatvorwürfen Stellung nehmen. Während sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit einem 20-minütigen Statement bescheiden will, wird der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser die Geduld seiner Zuhörer auf eine harte Probe stellen.


Klaus Esser: Der Jurist wird wohl eine längere Ansprache halten
DDP

Klaus Esser: Der Jurist wird wohl eine längere Ansprache halten

Düsseldorf - Nach dem gestrigen Streit um angebliche Formfehler der Anklage wird der Prozess an diesem Donnerstag mit Stellungnahmen der Angeklagten fortgesetzt. Es geht um 57 Millionen Euro Prämien und Pensionen, die an Vorstände und ehemalige Manager von Mannesmann ausgezahlt wurden, bevor der Konzern nach der Übernahme durch Vodafone vor vier Jahren zerschlagen wurde.

Die Einlassungen der Topmanager dürften eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Während Ackermann sich kurz fassen will, plant Esser dem Vernehmen zufolge, sich umfassend und detailliert mit der 60 Seiten umfassenden Anklage auseinander zu setzen. Geschlagene fünf Stunden lang will der promovierte Jurist am Mittwoch sprechen.

Den sechs Angeklagten wird Untreue in besonders schweren Fällen oder Beihilfe dazu vorgeworfen. Neben Ackermann und Esser sitzen auch der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und der Ex-Aufsichtsratschef von Mannesmann, Joachim Funk, auf der Anklagebank.

Am ersten Verhandlungstag hatte die Verteidigung vergeblich versucht, mit Anträgen den Prozess zu kippen. Die Staatsanwaltschaft wirft den prominenten Angeklagten vor, sich bewusst über das Aktienrecht hinweggesetzt zu haben. Durch die Prämien in Gesamthöhe von 57 Millionen Euro bei der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone sei "ein Vermögensverlust großen Ausmaßes" verursacht worden. Funk und Esser hätten den Entschluss gefasst, sich zu bereichern. Esser hatte insgesamt 62 Millionen Mark erhalten, Funk neun Millionen Mark.



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