Zweiter Tag im Mannesmann-Prozess Funk und Zwickel verteidigen Prämienzahlungen

Mit ersten Stellungnahmen der Angeklagten ist am Donnerstag der Mannesmann-Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht fortgesetzt worden. Den größten Teil des Tages wird die Replik von Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser beanspruchen, der eine fünfstündige Rede halten will.


Ehemaliger Aufsichtsratschef Joachim Funk: "Die Situation glich einem Schlachtfeld"
AP

Ehemaliger Aufsichtsratschef Joachim Funk: "Die Situation glich einem Schlachtfeld"

Düsseldorf - Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende von Mannesmann, Joachim Funk, bezeichnete den Beschluss über die Ausschüttung der umstrittenen Prämien als "rechtlich in Ordnung". Bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor vier Jahren sei es hektisch zugegangen. "Manche Entscheidungen wurden in Eile getroffen, die Situation glich einem Schlachtfeld", meinte Funk.

In dem spektakulären Verfahren geht es um Prämien und Pensionen an Mannesmann-Vorstände und Pensionäre von rund 57 Millionen Euro. Angeklagt wegen Untreue sind neben Funk fünf weitere Manager und Gewerkschafter, darunter Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der frühere Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser und der ehemalige Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel.

Zwickel hat kein Verständnis für Klage

Der Gewerkschafter äußerte sein Unverständnis über die Anklage. Nach 50 Jahren Arbeit habe er sich viel vorstellen können, aber "niemals, dass ich eines Tages wegen Veruntreuung angeklagt sein könnte", sagte Zwickel. Alle Entscheidungen, an denen er beteiligt gewesen sei, waren nach seiner Überzeugung aktienrechtlich korrekt. Am zweiten Verhandlungstag wollten sich auch Ackermann und Esser zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern.

Deutschen Bank-Chef Ackermann: Vor dem zweiten Prozesstrag
DPA

Deutschen Bank-Chef Ackermann: Vor dem zweiten Prozesstrag

Am längsten wird wohl Klaus Esser sprechen. Der promovierte Jurist hat bei der Richterin etwa fünf Stunden Redezeit erbeten und will als einziger der sechs Angeklagten am Donnerstag auch schon Fragen des Gerichts im Zusammenhang mit den millionenschweren Abfindungen bei der Mannesmann-Übernahme durch den britischen Konkurrenten Vodafone beantworten.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann - im Gegensatz zu Esser der schweren Untreue und nicht nur der Beihilfe angeklagt - wird seinen ersten Auftritt damit möglicherweise erst der nächsten Woche haben.



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