Hinweise in Hieroglyphen Eine Tür zur Grabkammer der Nofretete?

Schriftzeichen liefern einem Ägyptologen zufolge neue Hinweise: Die Grabkammer der Nofretete könnte hinter Tutanchamuns Grab liegen. Sogar die Bestattung der Königin werde gezeigt – bewiesen ist die Theorie dennoch nicht.
Büste der Nofretete in Berlin (Bild von 2012): Neue Hinweise auf die Grabkammer

Büste der Nofretete in Berlin (Bild von 2012): Neue Hinweise auf die Grabkammer

Foto: Michael Sohn / dpa

Die Grabkammer der ägyptischen Königin Nofretete ist sagenumwoben. Lag sie versteckt hinter der Kammer ihres Stiefsohns Tutanchamun? Die Theorie ist nicht neu. 2014 bereits hatte der britische Ägyptologe Nicholas Reeves Linien an den Wänden des Grabes entdeckt, die die Umrisse zweier Durchgänge in weitere Kammern sein sollten, die Forschung deutete ebenfalls darauf hin. Nun will Reeves mit der Entdeckung versteckter Hieroglyphen im Grab von Tutanchamun neue Hinweise gefunden haben, wie er dem »Guardian«  sagte. Beweisen lässt sich die Theorie allerdings nicht.

Der Forscher will Kartuschen erkannt haben, die die Beisetzung Tutanchamuns durch seinen Nachfolger Ay zeigen und die über Kartuschen gemalt worden waren, die die Beisetzung von Nofretete zeigten. Kartuschen sind ovale Linien, die im Alten Ägypten die Namen von Herrschern umschlossen. »Ich kann jetzt zeigen, dass sich unter den Kartuschen von Ay Kartuschen von Tutanchamun selbst befinden, was beweist, dass diese Szene ursprünglich die Bestattung seiner Vorgängerin Nofretete zeigte. Diese Dekoration hätte es im Grab des Tutanchamun nicht gegeben«, sagte Reeves der Zeitung.

Auf der Nordwand seien Kartuschen zu sehen, auf denen Ay einen zeremoniellen Akt durchführen würde: das »Öffnen des Mundes« der Mumie, mit dem die Sinne der Verstorbenen wieder hergestellt werden sollten. »Bei näherer Betrachtung der Kartuschen von Ay sind deutliche Spuren eines früheren Namens zu erkennen – des Namens von Tutanchamun. In ihrer ursprünglichen Fassung zeigte diese Szene Tutanchamun bei der Durchführung des Begräbnisrituals für die ursprüngliche Besitzerin des Grabes, seine unmittelbare Vorgängerin Nofretete.«

»Stupsnase und pummeliges Unterkinn«

Eine Bestätigung dafür fand der Wissenschaftler dem Bericht zufolge in den Gesichtsprofilen der Figuren. Die »Stupsnase und das pummelige Unterkinn, die derzeit als Ay bezeichnen wird, folgen genau dem standardisierten Gesichtsumriss, der für offizielle Darstellungen von Tutanchamun zu Beginn seines Königtums angenommen wurde.« Das Gesicht der Mumie trage unzweifelhaft die Züge der Nofretete, sagte Reeves weiter.

Wie Reeves dem »Guardian« sagte, würden die neuen Beweise die Theorie stützen, dass Tutanchamuns Grab nur der äußere Teil eines viel größeren Grabes ist. Die neuen Argumente sollen auch in der Neuauflage seines Buchs »The Complete Tutankhamun« zu lesen sein, die im Oktober scheint. Der Kindkönig Tutanchamun starb schon mit 19 Jahren und hat eine auffällig kleine Grabkammer. Nofretete war dagegen die Gemahlin des Pharaos Echnaton und später Alleinherrscherin über das Reich am Nil. Ihre letzte Ruhestätte wurde aber nie gefunden.

Mithilfe von Radartechnik hatten Archäologen zwei Hohlräume im Grab von Tutanchamun ausmachen können. Damals blieb jedoch ungewiss, ob es sich dabei um Grabkammern handelte. Auch ob es eine direkte Verbindung zu Tutanchamuns Grab gegeben hatte, blieb unklar. Gestützt wird die Theorie außerdem durch den ungewöhnlichen Bauplan von Tutanchamuns Grabkammer und durch Ungereimtheiten in den Wandgemälden und bei den Grabbeigaben.

ani
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