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Marco Evers

Elementarteilchen Überflieger aus Hamburg

Liebe Leserin, lieber Leser,

am Mittwoch rollte auf dem Firmenflughafen von Airbus in Hamburg-Finkenwerder unter den Augen tausender Mitarbeiter eine unscheinbare Maschine zum Start. Es war der Prototyp einer neuen Variante des europäischen Erfolgsfliegers A321, der die Luftfahrt und das Konkurrenzverhältnis zum US-Hersteller Boeing völlig umwälzen könnte.

Der A321 XLR (für: »Extra Long Range«) vermag dank eines Zusatztanks so viel Kerosin aufzunehmen, dass er elf Stunden lang in der Luft bleiben kann. Der Atlantik ist für ihn kein Hindernis – der Pazifik auf der Strecke zwischen Japan und Kalifornien auch nicht.

Für Passagiere dürfte er bequemere Flugverbindungen hervorbringen, die ihnen Zeit und den Airlines Geld und Kerosin spart, weil er direkte Städteverbindungen wie etwa Berlin-Boston ermöglicht. Das bisherige Drehkreuzsystem mit Zubringerflügen zu Verkehrsknotenpunkten, von denen aus dann Großraumjets starten, könnte an Bedeutung verlieren.

Airbus A321 XLR

Airbus A321 XLR

Foto: Airbus

Jetzt beginnt für den A321 XLR eine einjährige Flugerprobung, in der er seine Sicherheit in jedem denkbaren Szenario belegen muss. Die Zulassung durch die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA wird derzeit für Anfang 2024 erwartet.

Eines der Themen, die Airbus-Ingenieure und die Prüfer der Behörde noch beschäftigen wird, dürfte der neue Zusatztank werden: Boeing hatte die EASA gewarnt, dass von diesem Tank im Falle einer verunglückten Landung erhebliche Feuerrisiken ausgingen. Womöglich muss Airbus das Herzstück seines XLR-Erfolges nun noch einmal überarbeiten.

Dass die Amerikaner das neue Flugzeug mit Argusaugen verfolgen, wundert kaum. Im ewigen Wettstreit zwischen den beiden Herstellern dürfte die XLR-Variante entscheidend werden. Bislang diente der Airbus A321 vor allem als Kurz- und Mittelstreckenflieger, die XLR-Version aber wird – zum Schrecken von Boeing – ein außerordentlich wirtschaftliches Langstreckenflugzeug mit einer Reichweite von bis zu 8700 Kilometern sein. Schon vor dem Erstflug lagen Bestellungen für mehr als 500 dieser Maschinen vor. Boeing hat der XLR wie auch der bereits seit 2018 ausgelieferten LR-Variante auf viele Jahre hin nichts Entsprechendes entgegenzusetzen.

Herzlich
Ihr Marco Evers

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