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GESCHICHTE Almosen für die Mitgift

aus DER SPIEGEL 5/2002

Eines der frühesten Beispiele für »wohlfahrtsstaatliche« Hilfe in Europa glaubt der kanadische Historiker Nicholas Terpstra gefunden zu haben. In Akten fand er Hinweise darauf, dass sich in den norditalienischen Städten Bologna und Florenz schon um 1500 spezielle Einrichtungen um junge Mädchen kümmerten, die ihre Eltern verloren hatten. Die Waisen wurden im Alter von zwölf Jahren in so genannte Konservatorien aufgenommen, wo für sie auf zeittypische Weise gesorgt wurde: Die Initiatoren der Waisenhäuser sammelten bei wohlhabenden Bürgern Geld, um die Mädchen mit einer Mitgift ausstatten zu können, die ihnen eine angemessene Heirat ermöglichte. Terpstra: »Die Gesellschaft gab ihnen zu verstehen: Ihr gehört zu uns, wir sorgen für euch.« Allerdings kamen die Gaben offenbar nur Waisen aus der Mittelschicht zugute. Mädchen aus den oberen Gesellschaftsschichten der Renaissance-Städte benötigten die Fürsorge nicht. Um sie kümmerte sich automatisch die in der Regel weit verzweigte Familie. Bei Kindern aus den unteren Gesellschaftsschichten wiederum galt ein Leben in Armut ohnehin als unausweichlich.

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