Antarktis Eisberg so groß wie Rom bricht ab

Satellitenaufnahmen zeigen die Folgen der ungewöhnlich hohen Temperaturen in der Antarktis. Ein großes Eisschelf hat sich abgelöst – im Osten des Kontinents, der bislang als stabil galt.
Kollaps: Die Satellitenaufnahme des Nationalen Eiszentrums der USA zeigt in der Bildmitte den neuen Eisberg C-38

Kollaps: Die Satellitenaufnahme des Nationalen Eiszentrums der USA zeigt in der Bildmitte den neuen Eisberg C-38

Foto: ESA / USNIC

Das war es wohl mit dem Conger-Eisschelf. Die auf dem Meer vor der Küste im Osten der Antarktis schwimmende Schicht sei innerhalb weniger Tage komplett kollabiert, berichtete der »Guardian«  unter Berufung auf Wissenschaftler am Freitag. Die Eisdecke, die bisher rund 1200 Quadratkilometer maß – etwa die Fläche der Stadt Rom – habe um den 15. März die Verbindung zum Festland verloren.

Der größte Teil des früheren Eisschelfs treibt Satellitenbildern zufolge nun als Eisberg mit dem Namen C-38 im Südpolarmeer vor der antarktischen Region Wilkesland. Laut dem Nationalen Eiszentrum der USA  wurde der Eisberg zuerst vom australischen Meteorologen Jan Lieser entdeckt und nun durch Bilder des Satelliten Sentinel-1A bestätigt. Er folge dem Eisberg C-37, der eine Woche zuvor aus dem benachbarten Glenzer-Eisschelf gekalbt war. Auch vom nahe gelegenen Totten-Gletscher, dem größten Gletscher der Ostantarktis, wurde ein Abbruch berichtet.

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Als Eisschelf gelten dickere Eisplatten, die auf dem Meer schwimmen, aber noch mit dem Eis auf dem Festland verbunden sind. Sie bremsen den Fluss von Gletschereis vom Inland ins Meer und halten damit den Verlust an Eismasse auf. Die Abbrüche geschahen zeitgleich mit den ungewöhnlich hohen Temperaturen, die in der Antarktis teils 40 Grad Celsius über den bisherigen Normalwerten für März lagen. In der betroffenen Region war es offenbar mehr als 20 Grad Celsius wärmer als normal.

»Das ist einer der bedeutendsten Abbrüche in der Antarktis seit sich das Larsen-B-Eisschelf auflöste«, sagte die Nasa-Forscherin Catherine Colello Walker dem »Guardian« und bezog sich auf ein Ereignis von 2002. Das Conger-Eisschelf sei zwar relativ klein, der Kollaps werde für sich genommen wahrscheinlich keinen großen Effekt haben. »Aber es ist ein Zeichen, was da noch kommen mag.« Das Schelf sei seit Mitte der 2000er-Jahre geschrumpft, bis Anfang 2020 aber nur mit allmählichem Tempo. Am 4. März sei die Fläche bereits halb so klein gewesen wie noch im Januar – und dann ging alles schnell.

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Der Gletscherforscher Peter Neff von der University of Minnesota erklärte, dass überhaupt ein Schelfeis in der Ostantarktis kollabiere, sei eine Überraschung. »Wir betrachten die Ostantarktis immer noch wie einen massiven, hohen, trockenen, kalten und unbeweglichen Eiswürfel«, sagte er dem »Guardian«. Stand der Forschung sei, dass die Geometrie der Eis- und Felsmassen dort nicht so einen raschen Schwund wie in der Westantarktis zulasse. Dort müsse jetzt viel mehr geforscht werden.

ak
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