Messungen in der Arktis Ganz dünnes Eis

Das Eis der Arktis schmilzt rasant. Eine neue Messtechnik von Erdbeobachtungssatelliten der Nasa hat ergeben, dass das Meereis in drei Jahren um einen halben Meter dünner wurde.
Schnelle Schmelze: Das Meereis der Arktis wird dünner

Schnelle Schmelze: Das Meereis der Arktis wird dünner

Foto: Kathryn Hansen / NASA

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Arktis etwa ein Drittel ihres Meereisvolumens im Winter verloren. Laut einer neuen Studie liegt das vor allem an einem Schwund an Mehrjahreseis, das die Sommerschmelze übersteht. Die neuen Messungen, veröffentlicht in der Fachzeitschrift »Geophysical Research Letters« , zeigen vor allem, dass das Meereis wahrscheinlich viel dünner ist als zuvor geschätzt.

Saisonales Meereis, das jeden Sommer wieder komplett schmilzt, anstatt über die Jahre zu wachsen, ersetze das dickere Mehrjahreseis. Das treibe den Trend zu einer dünneren Eisschicht.

Erstmals wurde die Tiefe der Eisschicht mithilfe einer Kombination von Lidar- und Radardaten von Erdbeobachtungssatelliten der US-Raumfahrtbehörde Nasa erfasst. Die daraus hervorgehenden Schätzungen ergaben, dass das arktische Mehrjahreseis seit dem Start des Lidar-Satelliten ICESat-2 rund 16 Prozent seines Volumens im Winter verloren habe. Das entspricht einer um rund einen halben Meter abgenommenen Dicke seit 2018.

Klimamodelle überschätzten die Dicke des Eises noch

»Eine solche Abnahme hatten wir wirklich nicht erwartet, dass das Eis in nur drei kurzen Jahren so viel dünner wird«, sagte Hauptautorin Sahra Kacimi, eine Polarforscherin am Jet Propulsion Laboratory des California Institute of Technology.

Die Forschenden nutzen die Satellitendaten zur Schneedicke und der Höhe des oberhalb der Wasseroberfläche treibenden Meereises. Schnee kann Eis nach unten drücken und damit verändern, wie das Eis im Ozean treibt. Die neue Studie verglich die Messdaten mit Angaben aus Klimaaufzeichnungen. Diese überschätzten die Dicke des Meereises laut den neuen Ergebnissen um bis zu 20 Prozent.

»Die arktische Schneetiefe, Dicke des Meereises und dessen Volumen zu messen, ist sehr herausfordernd«, erklärte Co-Autor Ron Kwok, ein Polarforscher am Applied Physics Laboratory der University of Washington. »Die wichtigste neue Erkenntnis für mich ist der bemerkenswerte Verlust an Meereisvolumen im Winter, um ein Drittel in nur 18 Jahren. Das kommt zum weithin bekannten Verlust an altem, dicken Mehrjahreseis und dem Rückgang der vereisten Fläche zum Ende des Sommers hinzu.«

Der nicht an der Studie beteiligte Polareisforscher Robbie Mallett vom University College London kommentierte, dies sei das erste Mal, dass jemand mehrere Jahre an Daten aus Lidar- und Radarmessungen der Schneetiefe erfasst habe. Die Studie zeige, welch wertvolle Daten der Satellit ICESat-2 liefere.

Das Mehrjahreseis widersteht dank seiner Dicke länger der Schmelze bei steigenden Temperaturen. Doch je mehr dieses Reservoir alten Eises sich auflöst und saisonales dünnes Eis zur Norm wird, umso schneller geht die Eismenge insgesamt zurück. »Nach aktuellen Modellen können wir bis zur Mitte des Jahrhunderts mit eisfreien Sommern in der Arktis rechnen«, erklärte Sahra Kacimi. Der Londoner Forscher Mallett sagte: »Dies ist wirklich altes Eis, das wir mit einer ziemlich beängstigenden Geschwindigkeit verlieren.«

ak