Versuch einer Wiederbelebung Der Tasmanische Tiger soll auferstehen

Der letzte seiner Art lebte vor fast 90 Jahren. Nun soll wieder ein Tasmanischer Tiger zur Welt kommen, ausgetragen von einer Dickschwänzigen Schmalfußbeutelmaus. Kann das klappen?
Tasmanischer Tiger im Jahr 1933 in einem australischen Zoo: Kritiker halten die Wiederbelebungsversuche für »Märchen-Wissenschaft«

Tasmanischer Tiger im Jahr 1933 in einem australischen Zoo: Kritiker halten die Wiederbelebungsversuche für »Märchen-Wissenschaft«

Foto: UIG / IMAGO

Seit Jahrzehnten gilt der Tasmanische Tiger, auch bekannt als Beutelwolf, als ausgestorben. Ein Forschungsteam aber hält es für möglich, die ausgerottete Tierart wieder zum Leben zu erwecken. »Vor 15 Jahren war die Idee, das Tier tatsächlich zurückzubringen, noch Science-Fiction«, sagte Andrew Pask von der Universität Melbourne der Deutschen Presse-Agentur. Die Technologie, mit der das Projekt arbeite, sei damals noch nicht verfügbar gewesen.

Es ist ein aufwendiges Unterfangen: Die Forscherinnen und Forscher mussten zunächst das Erbgut eines Tasmanischen Tigers entziffern, der 100 Jahre lang in Alkohol konserviert worden war. Nun soll ein artverwandtes Beuteltier wieder einen Tasmanischen Tiger austragen – der Nachwuchs wäre der einzige seiner Art.

Tasmanische Tiger gab es zuletzt nur noch in Tasmanien – bis die Europäer die Insel im 18. Jahrhundert besiedelten und den Beutelwolf bis zur Ausrottung jagten, weil die Raubtiere auch immer wieder Schafe gerissen haben sollen. Neuere Untersuchungen nähren jedoch Zweifel daran. Demnach war der Tasmanische Tiger gar nicht stark genug, um Schafe zu reißen.

Der letzte bekannte Tasmanische Tiger, er hieß Benjamin, starb 1936. Die Tiere erinnern an Hunde, gehören aber zu den Beuteltieren. Typisch für sie ist ein langer, dunkler Streifen am hinteren Rücken und eine lange Schnauze.

Ein Baby groß wie ein Reiskorn

Seit 2018 ist das Genom des Tasmanischen Tigers entschlüsselt. »Aus einem toten Exemplar können wir noch kein Leben erschaffen. Wir müssen immer mit etwas Lebendigem beginnen«, erklärt Pask. Das Forschungsteam suchte deshalb nach dem nächsten lebenden Verwandten des ausgestorbenen Tieres, ihre Wahl fiel auf die Dickschwänzige Schmalfußbeutelmaus, die nur in Australien vorkommt.

Die Idee: Die DNA der Maus wird so lange verändert, bis sie dem Erbcode des Tasmanischen Tigers entspricht. »Wir bauen im Wesentlichen unser Maus-Genom in einer lebenden Zelle in einen Beutelwolf-Code um«, sagt Pask. Ist das Team erfolgreich, könnte mit Klon-Technologie ein ganzer Beutelwolf-Embryo geschaffen werden, der dann von der nur etwa elf Zentimeter großen Schmalfußbeutelmaus ausgetragen würde.

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DER SPIEGEL

»Eine der großartigen Eigenschaften von Beuteltieren ist, dass sie winzige Babys zur Welt bringen«, sagt Pask. Die Babys des Tasmanischen Tigers seien bei der Geburt etwa so groß wie ein Reiskorn. Somit könne auch eine Maus das Baby eines Tasmanischen Tigers austragen. Aufgezogen würde das Junge dann im Labor, anschließend soll das Raubtier – falls alles glattläuft – wieder in seinen natürlichen Lebensraum in Tasmanien ausgewildert werden.

Kritiker halten das für »Märchen-Wissenschaft«

Manche Wissenschaftler bezweifeln, dass das Projekt gelingen kann. »Ich glaube immer noch nicht, dass wir auch nur annähernd über die Technologie verfügen, die ein ausgestorbenes Tier wirklich wieder erschaffen kann«, sagte Jeremy Austin vom Australian Centre for Ancient DNA der Zeitung »Sydney Morning Herald«. Er sprach von einer »Märchen-Wissenschaft«, den Forschern gehe es um Publicity.

Auch Umweltaktivisten zweifeln am Sinn des Vorhabens. So etwas koste viel Geld und es sei wichtiger, die Ursachen des Artensterbens zu beheben wie etwa die Zerstörung der Lebensräume, die Übernutzung der Natur oder die Klimakrise, sagte Artenschutzexpertin Anne Hanschke vom WWF Deutschland. »Zudem birgt es die Gefahr, jetzt nicht die notwendigen Schritte zur Erhaltung von Arten zu gehen – weil man sie ja notfalls später ›wieder erschaffen‹ kann«, so Hanschke weiter.

Pask und sein Team glauben indes an den Erfolg des Projektes. Sie wollen dadurch ein Unrecht ungeschehen machen, das bei der Ausrottung des Tasmanischen Tigers allein durch den Menschen begangen worden sei.

koe/dpa
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