Zur Ausgabe
Artikel 102 / 121
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

PSYCHIATRIE Befehle von der Katze

Jeder hundertste Deutsche erkrankt an Schizophrenie. In einem Modellprojekt fahnden Kölner Ärzte jetzt bei Jugendlichen nach frühen Warnzeichen für den Wahn. Den Gefährdeten soll geholfen werden, bevor das Psycholeiden ausbricht.
aus DER SPIEGEL 2/2000

Als Sarah zum ersten Mal die Stimme hörte, war sie 13. Sie saß bei Kerzenschein und Räucherstäbchen in ihrem Dachzimmer und schrieb gerade einen Brief. Die Stimme kam nicht aus dem Radio, sie gehörte weder Mann noch Frau. Schrill und bösartig kreischend stieß sie fremdartige Worte aus, deren fürchterliche Bedeutung die grüblerische Gymnasiastin mehr ahnte als verstand. In Panik verkroch sie sich unter der Bettdecke. Nach drei Minuten war alles vorbei. Die Verstörung blieb.

Während ihre Klassenkameradinnen sich für rosa Nagellack und die Pet Shop Boys interessierten, driftete das einzelgängerische Mädchen immer tiefer in bizarre Gedankenwelten ab. Mal rankte sie

seitenlange, absurde Notizen um das Wort »Atheist«, mal glaubte sie, das Deckenlicht telepathisch ausschalten zu können oder von ihrer Katze Befehle zu erhalten. Bei vollem Bewusstsein entglitt ihr in diesen kurzen Augenblicken die Realität: »Ich konnte nicht auseinander halten: Ist das jetzt wirklich oder nicht?«

Wenn sich vor der 17-Jährigen heute zuweilen ein Abgrund unerklärbarer Angst und Leere auftut, wenn sie drei Tage lang nicht aufstehen kann, viel schläft und weint und ohne die Hilfe der Mutter nicht mal bis zur Toilette kommt oder wenn sich ihre sorgfältige Mädchenschrift im Tagebuch in sinnloses Gekritzel auflöst, weiß sie wenigstens, warum das so ist: Nach einer Reihe von Tests und Untersuchungen am Kölner Früherkennungs- und Therapiezentrum für psychotische Krisen (Fetz) deutet vieles darauf hin, dass Sarah ein sehr hohes Risiko hat, an Schizophrenie zu erkranken.

»Das war für uns beide ein Schock«, erklärt Sarahs Mutter, doch andererseits seien nicht nur die Beschwerden, sondern auch die jahrelangen Selbstzweifel für ihre Tochter unerträglich geworden. »Ich wollte wissen, ob ich mir das alles nur einbilde«, sagt das Mädchen und zieht die Ärmel ihres grauen Schlabberpullis schützend über die Hände, »oder ob ich etwas habe, das man im Lexikon nachschlagen kann.«

Wohl kaum eine Diagnose ist geeigneter, Angst und Schrecken zu verbreiten. »Wer das Wort ,Schizophrenie'' hört«, sagt Fetz-Leiter Martin Hambrecht, bundesweit erster Professor für die Früherkennung psychischer Krankheiten, »denkt dabei an etwas Unkontrollierbares, an rasenden Wahn und völlige Zerstörung der Persönlichkeit.« Der unselige Mythos vom gemeingefährlichen Schizophrenen halte sich hartnäckig.

Die Kranken waren seit jeher Hatz und Misshandlung ausgesetzt. Die französische Freiheitskämpferin Jeanne d''Arc etwa starb 1431 auf dem Scheiterhaufen, weil sie ihren »Stimmen« gehorchte. In den berüchtigten Anstalten des 18. und 19. Jahrhunderts traktierte man die »Irren« mit Kaltwassergüssen und stellte sie gegen Eintritt zur Schau. Während der Nazi-Diktatur wurden Schizophrene als »unwertes Leben« umgebracht.

Psychiater der Apo-Zeit glaubten, in krank machenden Familienstrukturen die Wurzeln des mysteriösen Gebrechens entdeckt zu haben: Irgendetwas müsse in der Kindheit der Kranken schief gelaufen sein, und schuld daran sei meist die Mutter - ein Ammenmärchen, das sich bis in die achtziger Jahre hielt.

Im Zeitalter der Neurowissenschaften und der Computertomografie sind die Wissenschaftler bescheidener geworden. Schizophrenie gilt heute als Störung in der Reiz- und Informationsweiterleitung von Nervenzellen - doch die genaue Ursache ist noch unbekannt. Vermutlich sorgt die vermehrte Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin im Gehirn für das Störfeuer der Synapsen, das Wahnideen und Halluzinationen hervorbringt. Nur, warum es bei einigen Menschen zur Dopamin-Flut kommt, die die Realität hinwegspült, weiß bisher niemand zu sagen.

Mit Hilfsangeboten für Risikokandidaten wie Sarah wollen Psychiater aber nicht warten, bis die Ursprünge der gefürchteten Krankheit ans Licht kommen. Immerhin erkrankt etwa jeder hundertste Deutsche an Schizophrenie. Das Leiden reißt meist junge Leute zwischen 20 und 30 für Jahre aus ihrem geordneten Leben. Jede fünfte schizophrene Psychose bricht schon in der Jugend aus und tritt in diesem Alter häufiger auf als Diabetes.

Unterschiedliche Faktoren wie erbliche Belastung, Komplikationen bei der Geburt oder frühkindliche Entwicklungsstörungen scheinen die Anfälligkeit gegenüber der Krankheit zu erhöhen. »Warum aber der eine Risikokandidat erkrankt und der andere nicht«, sagt Psychiater Hambrecht »bleibt geheimnisvoll.«

Ebenso rätselhaft ist, weshalb ein Viertel aller Patienten nach der ersten Wahn-Episode wieder ganz gesund werden, während die übrigen in ungewissen Abständen mit weiteren Anfällen rechnen müssen oder gar chronisch erkranken.

Die Symptome der Schizophrenie, darunter auch quälende Antriebslosigkeit, Konzentrationsverlust und hoffnungsloses Verzweigen des Gedankenstroms, lassen sich dank einer neuen Generation nebenwirkungsärmerer Medikamente immer besser behandeln. Je länger aber das Leiden unentdeckt wütet, desto verheerendere Trassen zieht es durch Seele und Geist.

Während in Norwegen und Australien Mediziner deshalb seit längerem in Kinospots, Zeitungsanzeigen und Veranstaltungen die Öffentlichkeit über frühe Warnzeichen informieren, ist das Kölner Früherkennungsprojekt bisher das erste seiner Art in Deutschland.

Seit einem Jahr gehen Psychiater der Uniklinik auf Schulpsychologen, Kinderärzte, Lehrer und Kreiswehrersatzämter zu, um schizophreniegefährdeten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu helfen, bevor sie - nicht selten mit dem Notarzt oder der Polizei - als schreiendes, verängstigtes Bündel Mensch in der Psychiatrie landen. Oder bevor noch Schlimmeres geschieht: Mindestens jeder Zehnte versucht, den Qualen durch Selbstmord zu entkommen - wie jener junge Mann, der im vergangenen Jahr aus Angst vor seinen imaginären Verfolgern von der Deutzer Brücke sprang und sich auf dem Asphaltstreifen am Rheinufer alle Glieder brach.

Auf dem Klappstuhl vor Michael Lammertinks papierbeladenem Schreibtisch im Kölner Früherkennungszentrum sitzen regelmäßig Mütter und Väter, deren Kinder sich auffallend verändert hatten. »Die Eltern machen sich meist schon seit längerem Sorgen«, sagt der junge Psychiater im rotkarierten Holzfällerhemd. Der Hausarzt versuche sie dann meist zu beruhigen, das sei nur die Pubertät. Die Eltern aber, berichtet Lammertink, hätten häufig ein ziemlich sicheres Gespür dafür, dass »etwas Schlimmes im Gange« sei.

Alarmiert ist Lammertink, wenn jemand urplötzliche, tiefgreifende Wesenseinbrüche ohne ersichtlichen Grund schildert, die sämtliche Lebensbereiche erfassen. Oft ist es jedoch nicht leicht herauszufinden, ob der Leidensdruck tatsächlich von einer schleichenden Schizophrenie herrührt. Meist brauchen die Ärzte dafür viele Gespräche mit Patienten und Eltern. Sarah bekam außerdem lange Fragebögen für ihre Lehrerin. »Die musste ankreuzen«, wundert sich das Mädchen, »ob ich im Unterricht summe oder sonstige Töne von mir gebe.«

»Manchmal dauert es Monate«, sagt Hambrecht, »bevor wir die Patienten schonend über ihr eventuelles Risiko aufklären.« Das gefürchtete Wort »Schizophrenie« falle ohnehin erst, wenn die Patienten selbst danach fragten.

Fünf Jahre dauert nach einer Studie des Mannheimer Zentralinstituts für Seelische Gesundheit im Schnitt die Phase, in der sich die drohende Erkrankung durch subtile Veränderungen ankündigt. »Da wollen wir möglichst früh einhaken«, sagt Lammertink, »um die jungen Leute wenigstens um kritische Klippen wie Abi oder Lehre herumzuschippern.«

Die Ärzte trichtern den Risikopatienten ein, halluzinogene Drogen zu meiden. Sogar ein vergleichsweise harmloser Joint könnte eine Psychose auslösen. Sie üben mit ihnen in Rollenspielen, wie sie mit Stress und kritischen Alltagssituationen besser umgehen können. Sie trainieren Gedächtnis und Konzentration und helfen ihnen, eventuelle Vorboten der Krankheit selbst zu erkennen. Für Sarah war schon die erste Gruppensitzung ein »Aha-Erlebnis«, weil auch die anderen Betroffenen »keine Verrückten waren«, wie sie befürchtet hatte.

Erst wenn alle vorbeugenden Maßnahmen nicht geholfen haben und die Psychose trotzdem ausbricht, kommen neuroleptische Medikamente zum Einsatz - wenn zum Beispiel nach zwei schlaflosen Nächten die Stimmen nicht aufhören zu toben oder wenn die Patienten aus ihren Wahnvorstellungen tagelang nicht mehr auftauchen. »Immerhin«, sagt Psychiater Lammertink, »sind wir dann sofort zur Stelle.«

Sarah hofft, dass es bei ihr gar nicht erst dazu kommt. Einmal pro Woche bespricht sie mit ihrer Ärztin »alles, was ansteht«, ob sie zum Beispiel die Klassenfahrt mitmachen soll, obwohl sie Angst hat, in einen ihrer »Zustände« zu fallen ("ruhig fahren"), oder ob sie an ihrem Geburtstag mit Sekt anstoßen darf ("besser nicht"). Im Internet grast sie jetzt ab und zu Schizophrenie-Webseiten ab oder tauscht sich mit anderen per E-Mail aus**. »Das hilft«, sagt Sarah und schiebt ihre Nickelbrille zurecht. »Je mehr ich darüber weiß, desto eher verschwindet die Angst.«

Vom Nutzen der Früherkennung für Risikopatienten sind allerdings nicht alle Fachleute überzeugt. »Solange es keinen eindeutigen Marker für Schizophrenie gibt«, sagt Eberhard Schulz, Ärztlicher Direktor der Freiburger Kinder- und Jugendpsychiatrie, »halten wir das für teilweise noch sehr spekulativ.« Gerade in der Pubertät spreche einiges dagegen, vorschnell einen Schizophrenie-Verdacht auszusprechen: »Wenn einer schon mal im Zorn einen Stuhl zerlegt, als Störer aus der Klasse fliegt, sich plötzlich von Freunden und Familie zurückzieht, dann ist das im Jugendalter noch auf alles Mögliche zurückzuführen« - eine kindliche Depression etwa, Drogenprobleme oder eine Schulphobie.

»Wenn Sie so einem Kind den Stempel ,Schizophrenie'' aufdrücken«, gibt Schulz zu bedenken, »riskieren Sie nicht nur, es falsch zu behandeln, dann haben Sie auch ein ethisches Problem.« Das Stigma, das mit Schizophrenie verbunden ist, sei »mit dem von Aids vor zehn Jahren zu vergleichen«, erklärt Oberarzt Klaus Hennighausen bei einem Gang durch die Freiburger Kinder- und Jugendpsychiatrie: Auf der Station gibt es 23 Zimmer voller Kuscheltiere, Kassettenrekorder, »Bravo«-Starschnitte und Tierposter. An eine Tür haben Mädchen ein Plakat gehängt: »Das Leben ist traurig und schön«, steht da in düsterem Blau. »Wie wollen Sie«, fragt Hennighausen ratlos, »eine Risikodiagnose gegenüber einem ,falsch Positiven'' verantworten?«

Aber auch die Freiburger Kinderpsychiater gehen mit Hilfsangeboten auf Familien wie die Mahlers« zu***. Helmut Mahler ist schizophren. Seine fünf Kinder, bisher alle ohne Symptome, haben ein zehnfach erhöhtes Risiko, im Laufe des Le-

bens selbst zu erkranken. Aber nicht nur deswegen gehören sie zur Risikogruppe. »Die erleben die Krankheit des Vaters ganz genau«, sagt Schulz, »das ist für die ein Riesenproblem.«

Das Ärzteteam hält bei den Mahlers nicht nach Defiziten der Kinder Ausschau, sondern versucht, die ganze Familie bei Freizeitaktivitäten oder in der Schule zu stützen. Dabei wollen Schulz und seine Mitarbeiter herausfinden, warum viele Risikokinder nicht erkranken, obwohl sie eine »erdrückende Last von ungünstigen Umständen« mitbringen.

Eine bessere Aufklärung von Fachkräften wünscht sich Schulz aber ebenfalls, wie im Fall des 16-jährigen Sebastian***. Zwei Jahre lang besuchte der auffallend zurückgezogene Junge als notorischer Klassenkasper eine Spieltherapie. »Ich hab dort nur rumgesessen und im Kopf Dialoge mit Phantasiegestalten geführt«, erzählt Sebastian achselzuckend. Auf die Idee, der hoch intelligente Junge, der Blickkontakte mied, könne krank sein, kam kein Therapeut.

Der Horror begann, als Sebastian auf einer Autofahrt urplötzlich Mutter und Bruder mit bizarren Befehlen terrorisierte und sich vor den Augen der Familie beim Stopp an einer Bahnschranke neben den vorbeirasenden ICE-Zug legte. »Ich musste den Windhauch spüren«, berichtet Sebastian.

»Das war knapp«, urteilt Chefarzt Schulz. Nur langsam waren Sebastians Symptome danach in der Freiburger Klinik mit Medikamenten in den Griff zu kriegen. Zeitweise lebte er im Wahn, ein Perpetuum mobile erfunden zu haben und schrieb sogar ans Münchner Patentamt. Geheime Mächte seien ihm auf der Spur, um seine Gedanken zu stehlen.

Seit anderthalb Jahren übt er jetzt, weit von zu Hause entfernt in einer der wenigen Reha-Einrichtungen für schizophreniekranke Jugendliche, Kontakt zu anderen aufzunehmen und die einfachsten Alltagsverrichtungen in den Griff zu bekommen. »Ich hoffe«, sagt er unsicher, »dass ich irgendwann wieder normal leben kann.«

Gelänge es den Wissenschaftlern eines Tages, ein typisches Muster des Wahrnehmungswirrwarrs zu finden, das bei Schizophrenie-Patienten wie Sebastian bereits

im Vorfeld der akuten Erkrankung im Kopf rumort, wäre es möglich, in Reihenuntersuchungen an verhaltensauffälligen Kindern diejenigen mit einem Schizophrenie-Risiko zweifelsfrei zu identifizieren.

Auf der Suche nach einem solchen eindeutigen Indikator misst das Fetz-Team mit einer Batterie neuropsychologischer und neurophysiologischer Tests die Hirnleistungen von Früherkennungspatienten.

Auch Sarah saß, verkabelt mit 32 Elektroden, unter der Gummikappe des EEG-Geräts. Eine freundliche Ärztin las an der Messkurve ab, wie ihr Gehirn bestimmte wiederkehrende Pieptöne inmitten von Glockenläuten, Hundegebell oder Krähenkrächzen verarbeitete. Bei neuropsychologischen Tests am Computer musste sie auf Ziffern, Lettern und Symbole reagieren, die nur für Millisekunden auf dem Bildschirm erschienen. Per Mausklick sortierte das Mädchen Karten mit gelben Sternen und roten Dreiecken und ließ bei einem Schrecktest die Intensität ihrer Reaktion ermitteln.

Ihre Messwerte lagen, wie bei fast allen anderen Risikopatienten, erstaunlich genau zwischen denen einer gesunden Kontrollgruppe und denen der bereits Erkrankten. Um schneller herauszufinden, ob es ein Störungsmuster gibt, das nur bei Schizophrenie-Gefährdeten auftaucht, wollen die Kölner ihre Testbatterie jetzt mit denen an

Universitäten in Turku, Amsterdam, Santander und Birmingham abgleichen.

»Von einem Schizophrenie-Test sind wir leider noch meilenweit entfernt«, dämpft Psychiater Hambrecht die Erwartungen. »Wer den erfindet, kriegt mit Sicherheit den Nobelpreis.«

Als ein Mosaikstein in der Abschätzung des Risikos seien die neuropsychologischen Tests jedoch bald einsetzbar, hofft auch sein Kollege Lammertink. Vor einiger Zeit musste er eine Politikstudentin aus der Augenklinik abholen. Eine Woche lang hatte die junge Frau Tag und Nacht Stimmen gehört, von denen sie beschimpft und bedroht worden war. Weil sie in einem früheren Leben als Inquisitorin Unschuldige gequält habe, so glaubte die Studentin, müsse sie sich nun selbst bestrafen. Schließlich gehorchte sie den Stimmen und stieß sich ein Messer ins rechte Auge.

»Wenn Sie solche Fälle sehen«, sagt Lammertink, »dann nutzen Sie erst mal jede Chance, auch wenn Sie den Beweis für die Wirksamkeit Ihrer Hilfe erst noch antreten müssen.«

Auch Sarahs zeternde Stimme meldet sich in letzter Zeit wieder häufiger. Als sie kürzlich eine Karnevalssendung im Fernsehen sah und der Sprecher »irgendwas mit Augenschmaus« erzählte, verwandelte sich der Inhalt seiner Worte für Sarah auf entsetzliche Weise: »Aus dem Fernseher kam der Befehl, ich sollte Leichen essen.« Stundenlang war sie außer sich vor Angst.

Fast noch mehr Sorgen macht sie sich aber, weil sie neuerdings oft minutenlang missversteht, was die anderen im Unterricht reden. Oder sie vergisst beim Lesen bis zum Ende eines Satzes dessen Anfang. Noch kann sie solche Aussetzer überspielen. »Es ist so schlimm, die einfachsten Sachen nicht hinzukriegen«, sagt sie kopfschüttelnd. »Ich habe mir doch immer was auf meine Intelligenz eingebildet.«

Wenn solche Ereignisse überhand nehmen, würde die Gymnasiastin es notfalls auch mit Medikamenten probieren - »bevor ich total ausraste, die Schule nicht schaffe und das ganze Leben vermasselt ist«.

Schweren Herzens, weil die Krankheit auch zu ihr gehört. So »normal und banal« wie die anderen will sie gar nicht werden. »Ich kenne mich doch nur so, wie ich jetzt bin«, sagt sie und inspiziert mit zweifelndem Blick einen der kleinen goldenen Engel, die sie in jedem Winkel ihres Zimmers verteilt hat, als könnten die sie beschützen.

»Wenn man jetzt die Stimmen und das alles wegnimmt«, murmelt Sarah, »bin ich vielleicht nur noch eine leere Hülle.« BEATE LAKOTTA

* Am Kölner Früherkennungszentrum Fetz.* Zur Schizophrenie-Früherkennung am Fetz in Köln.** Zum Beispiel: www.mednet-schizophrenie.de oderwww.pingweb.de/deckarm/psychiat.htm.*** Name von der Redaktion geändert.* In der Freiburger Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Zur Ausgabe
Artikel 102 / 121
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel