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GEOLOGIE Beschuss aus dem Kosmos

aus DER SPIEGEL 22/2007

Das Höllengeschoss kam aus dem All. Sein Durchmesser betrug bis zu fünf Kilometer. Und als es vor rund 13 000 Jahren in die Erdatmosphäre eindrang, zersprang es in Myriaden tödlicher Schrapnelle, die Feuersbrünste entfachten und die halbe Welt verheerten: Steppen brannten, Seen verdunsteten, Mensch und Tier kämpften ums Überleben - und verloren. Die vermutlich erste Steinzeitkultur in Nordamerika, »Clovis« genannt, erlosch. Fast schlagartig starben Mammut und Mastodon aus, das nordamerikanische Kamel und die Säbelzahnkatze. Gewaltige Eismassen schmolzen und ergossen sich in den Atlantik, wo sie sogar den Golfstrom, die Klimamaschine Europas, zum Erlahmen brachten. Es folgten weitere tausend Jahre Kälte (die Periode der »Jüngeren Dryas"), obwohl die letzte Eiszeit eigentlich schon am Abklingen war.

Diese abenteuerliche Theorie haben Wissenschaftler jetzt auf einer Tagung im mexikanischen Acapulco vorgestellt. »Der Komet hat die Welt auf entscheidende Weise verändert«, behauptet der Geophysiker Allen West aus Arizona. Namhafte Forscher sind durchaus offen für ein solches Szenario; denn neben den archäologischen Befunden passen auch ihre Beobachtungen wie Puzzleteile in das Bild: In Sedimenten aus jener Zeit fanden sie nicht nur Rußspuren, die von gewaltigem Feuer zeugen. Sie fanden auch »Nanodiamanten«, die ein Beleg dafür sein könnten, dass ein kohlenstoffreicher Meteorit bei extremen Temperaturen und hohem Druck in die Erde krachte. Außerdem ist in diesen Schichten das eigentlich seltene Element Iridium reichlich vorhanden - was im Wissenschaftskrimi um das plötzliche Verschwinden der Clovis-Jäger und Riesensäuger als weiterer Hinweis für einen außerirdischen Täter gilt.

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