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Blutplasma vom Fixer

aus DER SPIEGEL 42/1993

Sowohl medizinisch als auch in seinem Verhalten« sei der Blutspender Karlheinz Schmidt »vollkommen unauffällig gewesen«. Seine Laborwerte »waren immer in Ordnung«. Mit dieser Mitteilung suchte Dr. Jürgen Schuster, Geschäftsführer der Immuno GmbH in Heidelberg, den SPIEGEL-Artikel »Blut vom Drogen-Kiez« (Heft 36/1993) zu entkräften.

Darin war berichtet worden, daß der Drogensüchtige Schmidt, 29, seit sieben Jahren mit insgesamt 337 Spenden zur Stammkundschaft des Immuno-Plasmacenters nahe dem Hamburger Hauptbahnhof gehörte - ein Beispiel dafür, daß HIVrisikoträchtige Fixer nicht verläßlich ausgesondert wurden.

In der Sat-1-Talkshow »Talk im Turm« vom vorletzten Sonntagabend ging Immuno-Chef Schuster noch einen Schritt weiter: »Dieser Spender, das wissen wir, war nicht drogenabhängig.« Die Chuzpe ging glatt über den Sender.

In einem »ärztlichen Attest« bescheinigte Schmidts Hamburger Hausarzt: _____« Herr Schmidt wurde auf Grund unterschiedlicher » _____« Erkrankungen (u.a. Entzugssymptome bei Heroinabusus) vom » _____« 11. 5. bis 30. 6. 1993 arbeitsunfähig geschrieben und » _____« wurde hierbei ärztlich von uns betreut. »

Als untrügliches Fixermal trägt Schmidt in seiner Armbeuge eine rund fünf Zentimeter lange rötliche Perforationsnarbe, die sich wie eine Raupe über der Armvene wölbt - Ergebnis ungezählter Einstiche mit der dünnen Heroinnadel (siehe Foto).

Direkt neben diesem Mal führten die Immuno-Ärzte ihre - wesentlich dickeren - Injektionsnadeln ein. Dabei entstand das typische Spendermal. Es ist rund und knubbelig, weil die Haut - infolge der ständigen großen Einstichverletzungen - nur unregelmäßig verwachsen kann.

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