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MEDIZINETHIK Computer errät Patientenwillen

aus DER SPIEGEL 12/2007

Forscher der National Institutes of Health in den USA haben ein Computerprogramm entwickelt, das den mutmaßlichen Patientenwillen angeblich genauso gut ermitteln kann wie die nächsten Angehörigen. Beide lagen in verschiedenen Tests mit fiktiven medizinischen Fällen - in denen beispielsweise entschieden werden musste, ob ein bewusstloser Schlaganfallpatient mit einer sehr geringen Chance auf Genesung im Falle eines Herzstillstands wiederbelebt werden solle - in etwa 78 Prozent der Fälle richtig. Das Programm ist dabei denkbar einfach: Es basiert auf einigen wenigen Bevölkerungsstudien, die zum Beispiel ergeben haben, dass 75 Prozent der Amerikaner keine lebensverlängernden Maßnahmen wünschen, sollten sie ohne Aussicht auf Besserung im Koma liegen; behandelt werden wollen jedoch die meisten von ihnen, wenn eine mindestens einprozentige Chance auf Genesung besteht. In einem zweiten Schritt wollen die Forscher jetzt auch noch weitere Faktoren einbeziehen, die den Willen des Patienten beeinflussen könnten, wie etwa das Geschlecht, den Bildungsstand oder den kulturellen Hintergrund. Dann, so meinen sie, könnte das Programm auch in weitaus komplexeren Fällen als dem des bewusstlosen Schlaganfallkranken den Patientenwillen ermitteln - wahrscheinlich sogar besser als die Angehörigen.

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