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Contergan: Neuer Schock nach 16 Jahren

aus DER SPIEGEL 45/1976

»Bei Mädchen, deren Mütter in der Frühschwangerschaft Contergan (Thalidomid) eingenommen hatten, kommen möglicherweise vermehrt Genitalmißbildungen vor«, prognostizieren drei Göttinger Frauenärzte in der jüngsten Ausgabe des »Deutschen Ärzteblatts«. Aktueller Anlaß: Bei einem 14jährigen Mädchen, das bereits mit Mißbildungen von Ohren und .Armen zur Welt gekommen war, fehlen, wie eine Untersuchung an der Göttinger Uni-Frauenklinik zeigte, Gebärmutter und Vagina. Die Mutter des Mädchens, so berichten Klinik-Chef Professor Walther Kuhn und seine Mitarbeiter, hatte zwischen der sechsten und neunten Schwangerschaftswoche Contergan geschluckt. In dieser Fötus-Phase aber hat die Vagina-Entwicklung erst teilweise begonnen. Warum das Phänomen fehlender Geschlechtsorgane -- Kuhn: »In der Zwischenzeit sind uns drei weitere Fälle bekannt geworden« -- erst jetzt entdeckt wurde. suchen die Ärzte damit zu erklären, daß »augenfällige Mißbildungen«, zum Beispiel der Arme. den »Blick für weniger auffällige Anomalien verstellt« hätten; außerdem seien »Ausfallerscheinungen« bisher nicht zu erwarten gewesen. Nun aber, da die Mädchen das Menstruationsalter erreichen, müßten mehr Mißbildungen beobachtet werden.

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