»Global Shield« Schutzschirm gegen Klimakatastrophen beschlossen

Zusammen mit 60 besonders verwundbaren Staaten haben sich die G7 auf ein »Global Shield« genanntes Programm geeinigt. Es soll im Krisenfall schnelle Hilfe ermöglichen, Kritiker sehen in dem Schutzschirm ein Ablenkungsmanöver.
Fischerdorf Chittagong Potenga an der Küste von Bangladesch: Bei einem Zyklon im Oktober 2022 starben mindestens 22 Menschen

Fischerdorf Chittagong Potenga an der Küste von Bangladesch: Bei einem Zyklon im Oktober 2022 starben mindestens 22 Menschen

Foto: Mohammad Shajahan / Anadolu Agency / Getty Images

Die G7-Staaten haben gemeinsam mit knapp 60 Ländern, die durch die Klimakrise besonders verwundbar sind, einen globalen Schutzschirm gegen Risiken an den Start gebracht. Das Projekt, das Deutschland mit 170 Millionen Euro anschiebt, hatte Kanzler Olaf Scholz zu Wochenbeginn auf der COP27 angekündigt. Am Montag sagte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) in Scharm al-Scheich, Ziel sei es, dass im Krisenfall schnell Hilfe bereitsteht. Es seien jedoch noch mehr Finanzzusagen weiterer Staaten nötig, das sei offensichtlich.

Zu den ersten Empfängerländern gehören nach Angaben des Berliner Entwicklungsministeriums Bangladesch, Costa Rica, Fidschi, Ghana sowie Pakistan und Senegal. Der Finanzminister Ghanas, Ken Ofori-Atta, sprach von einem »wegweisenden« Projekt. Er sitzt der V20-Staatengruppe vor, die besonders stark von Katastrophen wie Wirbelstürmen, Dürren oder Fluten betroffen ist, die im Zuge der Klimakrise häufiger werden. Der Allianz gehören inzwischen 58 Staaten in Afrika, Asien, im Pazifik und in Lateinamerika an, in denen etwa 1,5 Milliarden Menschen leben.

Schulze sagte: »Deutschland steht zu seiner Verantwortung, arme und verletzliche Staaten und ihre Menschen bei der Bewältigung von Verlusten und Schäden zu unterstützen.« Das Thema, im Uno-Jargon »loss and damage« genannt, ist ein Streitpunkt auf dem Uno-Treffen: Arme Staaten, die wenig Treibhausgase ausstoßen, fordern in Scharm al-Scheich vehement Schadensersatz der Industrieländer für unabwendbare Schäden im Zuge der Klimakrise.

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Kritik am Schutzschirm kam von Umwelt-NGOs, die von einem Ablenkungsmanöver sprachen, weil es nach ihrem Eindruck viel um die Finanzierung von Versicherungen gehen soll. Teresa Anderson von ActionAid International sagte, reiche Staaten des Nordens wollten wohl ihre eigenen Versicherungskonzerne subventionieren. Dies gehe vorbei an den Bedürfnissen der Gesellschaften an der »Frontlinie der Klimakrise«. Harjeet Singh vom Climate Action Network betonte, es bleibe bei der Forderung nach einem Geldtopf unter dem Dach der Uno. Auf Twitter schreibt die Organisation: »Der Global Shield kann keine Alternative zum #LossAndDamage Finance Fund sein. Wir brauchen umfassendere Maßnahmen, und die Lücken müssen geschlossen werden.«

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Anfang November trifft sich die Staatengemeinschaft im ägyptischen Scharm al-Scheich zur 27. Uno-Klimakonferenz, der COP27. Lesen Sie hier alle Artikel zum Gipfel.

Schulze sagte, es gehe den G7 bei dem Schirm nicht um Taktik, und schon gar nicht darum, formelle Uno-Verhandlungen über Verluste und Schäden zu verhindern. Das Projekt sei auch nicht die alleinige Lösung. Möglich würden aber maßgeschneiderte Lösungen für jedes Land – etwa die Stärkung von Sozialsystemen, Versicherungslösungen oder auch schnelle Finanzhilfe, etwa für den Aufbau einer zerstörten Brücke.

ani/dpa
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