Coronadaten Warum montags der Inzidenz nicht mehr zu trauen ist

Die Infektionszahlen steigen, doch die Sieben-Tage-Inzidenz macht, was sie will. Warum das so ist und wie der SPIEGEL damit künftig umgeht.
Ein mittlerweile vertrautes Bild: Der Mitarbeiter eines Testzentrums mit einer Testprobe in der Hand

Ein mittlerweile vertrautes Bild: Der Mitarbeiter eines Testzentrums mit einer Testprobe in der Hand

Foto: Tom Weller / dpa

Die Sommerwelle hat begonnen, die Zahl der täglichen Neuinfektionen steigt – Corona ist zurück. Doch ausgerechnet die wohl meistzitierte Metrik der Pandemie sendet uneindeutige Signale: Die Sieben-Tage-Inzidenz soll eigentlich beschreiben, bei wie vielen Menschen innerhalb einer Woche je 100.000 Einwohner per PCR-Test eine Coronainfektion nachgewiesen wurde. Der SPIEGEL wird dem Wert künftig an Sonn- und Montagen keine eigene Meldung mehr widmen.

Schon seit ihrer Einführung weist die Coronainzidenz methodische Schwächen auf. So sind die Werte zwischen den Regionen nur eingeschränkt vergleichbar. Außerdem wirken sich auch die jeweils geltenden Testregeln darauf aus, wie viele Infektionen überhaupt gefunden werden. Nun kommt ein weiteres Problem hinzu.

Jede Fallmeldung wird von den Gesundheitsämtern vor Ort erfasst, dann an die zuständige Behörde des jeweiligen Bundeslands übermittelt und von dort an das Robert Koch-Institut (RKI) geschickt. Seit wenigen Monaten verzichten mehrere Bundesländer darauf, am Wochenende Daten an das RKI weiterzuleiten. Lesen Sie hier mehr über die Hintergründe . Sie werden erst montags übermittelt und in den dienstags vom RKI veröffentlichten Daten berücksichtigt. Seit Anfang des Monats verzichtet das RKI zudem darauf, sonntags die am Tag zuvor aus den übrigen Bundesländern eingegangenen Meldungen einzulesen. Sie fließen erst in die Veröffentlichung am Montag ein.

Wie wird die Sieben-Tage-Inzidenz berechnet?

Das RKI berechnet die Sieben-Tage-Inzidenz auf Basis des Meldedatums, also dem Tag, an dem ein Fall beim Gesundheitsamt registriert wurde. Die montags vom RKI veröffentlichte Inzidenz basiert demnach auf Fällen, deren Meldedatum zwischen dem vorherigen Montag und dem gerade vergangenen Sonntag liegen – und die schon über die Meldekette beim RKI eingegangen sind. Das trifft wegen der Meldepausen am Wochenende nur für einen kleinen Teil der Fälle zu, die die Ämter freitags, samstags oder sonntags registriert haben. Diese Fälle kann das RKI erst in den Folgetagen in seiner Inzidenzberechnung berücksichtigen. Die Lücken mitteln sich über die Betrachtung eines Zeitraums von sieben Tagen nicht heraus.

Dadurch fallen die Sieben-Tage-Inzidenzen des RKI sonntags und montags deutlich zu niedrig aus. Sie können den Anschein erwecken, als nehme das Infektionsgeschehen ab, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Der SPIEGEL verzichtet daher sonntags und montags darauf, den Wert aufzugreifen.

Wegen der methodischen Probleme legt der SPIEGEL bei der bundesweiten Beschreibung der Coronalage schon lange den Fokus auf die absolute Zahl der täglich beim RKI eingegangenen Infektionsmeldungen. Gemittelt über sieben Tage ist diese Metrik deutlich weniger anfällig für meldebedingte Schwankungen als die Sieben-Tage-Inzidenz. Innerhalb eines Testregimes sind Auf- und Abwärtstrends aussagekräftig. Analog verfahren wir mit den Klinikaufnahmen und Todesfällen.

Anmerkung der Redaktion: Der Kasten »Wie wird die Sieben-Tage-Inzidenz berechnet?« wurde nachträglich ergänzt, um den Unterschied zwischen Sieben-Tage-Inzidenz und absoluten Infektionszahlen verständlicher zu machen.

ply
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