Befragung von Familien in der Coronakrise Stabile Beziehungen und Optimismus entscheidend für Lebenszufriedenheit

Das Wohlbefinden der Deutschen ist durch die Pandemie deutlich gesunken. Dabei zeigt sich, dass Männer und Frauen unterschiedlich mit den Belastungen umgehen.
Frauen fühlten sich zwar stärker belastet, konnten der Pandemiesituation aber auch positive Seiten abgewinnen (Symbolbild)

Frauen fühlten sich zwar stärker belastet, konnten der Pandemiesituation aber auch positive Seiten abgewinnen (Symbolbild)

Foto: Luis Alvarez / Getty Images

Die Coronapandemie hat die Lebenszufriedenheit der Deutschen erheblich eingeschränkt, die Belastungen waren in verschiedenen Bevölkerungsgruppen aber unterschiedlich stark. Das hat eine Befragung von rund 30.000 Menschen ergeben, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)  vorgestellt hat. Die größte Lebenszufriedenheit hatten Menschen, die stabile Beziehungen hatten und die zudem in der Lage waren, der Krise auch positive Seiten abzugewinnen.

Große Unterschiede zeigen sich bei den Geschlechtern: Frauen fühlten sich insgesamt stärker belastet und hatten deutlich häufiger Angst zu erkranken. Sie konnten der Pandemie aber auch gute Seiten abgewinnen – laut BiB sogar häufiger als Männer. Männer fürchteten hingegen bei der Frage nach der eigenen wirtschaftlichen Situation mehr um finanzielle Einbußen als Frauen. Von beiden Geschlechtern wurden die Kontakteinschränkungen gleichermaßen als die größte Belastung empfunden.

Stärkere Sorgen um Klima und Umwelt

Einen positiven Einfluss auf die Lebenszufriedenheit hatten der Analyse zufolge die Faktoren, in einer Partnerschaft zu leben und eigene Kinder zu haben. Dabei sei die Existenz einer festen Beziehung »sehr eng mit einer deutlich höheren Lebenszufriedenheit assoziiert«, schreiben die Studienautoren. Wie stark sich Eltern belastet fühlten, hing stark vom Alter der Kinder ab: Bei Babys war die Belastung vergleichsweise gering, stieg mit zunehmendem Alter der Kinder und ging wieder zurück, wenn diese über 14 waren.

Mütter fühlten sich stärker belastet als Väter. Dabei machen sich jedoch soziale Ungleichheiten deutlich bemerkbar: Eltern aus Haushalten mit niedriger Bildung und niedrigem Einkommen haben eine deutlich geringere Zufriedenheit. Laut BiB war die Lebenszufriedenheit während der Coronapandemie bei vielen Eltern gesunken, liegt jedoch jetzt wieder »auf dem höchsten Niveau seit Ausbruch der Pandemie«. In den Fokus der Eltern rückten zuletzt aber auch wieder deutlich stärker Sorgen um das Klima und die Umwelt.

Auch der Einfluss des Arbeitens im Homeoffice wurde untersucht. Demnach steigert gelegentliches Arbeiten von zu Hause die Zufriedenheit deutlich, vor allem bei Eltern mit Kindern unter 16 Jahren. Die tägliche Arbeit im Homeoffice reduziert die Zufriedenheit hingegen. »Insgesamt ist die Lebenszufriedenheit in der Coronapandemie deutlich gesunken«, sagte der stellvertretende Direktor des Instituts, Martin Bujard. Im Frühjahr 2021 – als viele noch nicht geimpft waren und weitreichende Kontakteinschränkungen galten – lagen die Werte deutlich unter dem, was normalerweise in Deutschland gemessen wird.

Mit dem neuen familiendemografischen Panel »FReDA«  werden zweimal im Jahr Menschen zwischen 18 und 49 Jahren zu ihrer Lebenssituation befragt. Ergänzende Daten stammen aus dem »Corona-Compass« von Infratest dimap. Die Studie – laut BiB eine der größten in Deutschland – erlaube »einen außerordentlich repräsentativen und differenzierten Blick auf unsere Gesellschaft im Krisenmodus«.

Zu ähnlichen Ergebnissen wie die Studie des BiB kommt auch der am Dienstag veröffentlichte Glücksatlas der Süddeutschen Klassenlotterie  (SKL). Hier zeigte sich, dass die Lebenszufriedenheit der Deutschen nach einem Tiefpunkt infolge der Coronapandemie wieder zugenommen hat. Hinter den gestiegenen Zahlen der unzufriedenen Befragten stecken demnach pandemiebedingte Brüche in der Biografie wie Jobverlust und Pleiten, Krankheiten oder der Verlust eines Menschen durch das Coronavirus. Grundlage des aktuellen »Glücksatlas« sind insgesamt elf Befragungen mit 11.450 Befragten im Zeitraum Januar bis Oktober 2022.

jae/dpa/AFP
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