Statistiker über erfolgreiche Corona-Maßnahmen "Schulschließungen sind extrem wirksam"

Ein Forscherteam aus Wien hat Corona-Daten aus 76 Regionen analysiert. Peter Klimek vom Complexity Science Hub erklärt, welche Methoden eine zweite Welle abfedern könnten.
Ein Interview von Hilmar Schmundt
Foto:

David Drayton/ EyeEm/ Getty Images

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SPIEGEL: Ihr Team hat ausgewertet , welche Maßnahmen im Kampf gegen das neuartige Coronavirus besonders wirksam waren. Was ist Ihr Ergebnis?

Klimek: Vor allem die Schließungen von Schulen, Kindergärten und Unis sind sehr wirksam, haben unsere Rechenmodelle ergeben. Aber auch die Einschränkung der Sozialkontakte im privaten und beruflichen Bereich funktioniert sehr zuverlässig in den 76 Ländern und Territorien, deren Zahlen wir ausgewertet haben. Anfangs mussten wir Forscher viel spekulieren mit sehr unvollständigen Daten, aber so langsam lichtet sich der Nebel. 

SPIEGEL: Aber Ihre Zahlen beziehen sich ja auf die Monate März und April, als viele Schulen schon geschlossen waren. 

Klimek: Dadurch ist es natürlich sehr schwer, das tatsächliche Infektionsgeschehen in Schulen abzuschätzen. Jede Studie hat einen gewissen Beobachtungsbias. Aber unsere Ergebnisse sind klar: Schulschließungen sind sehr wirksam. Ich sage das nicht leichtfertig, ich habe selbst zwei Kinder, ich war selbst von der Mehrbelastung betroffen. Es kann sich dabei allerdings auch um andere Effekte handeln als Ansteckungen in Schulen selbst. Es könnte zum Beispiel sein, dass die Schulschließungen unter anderem auch daher so wirksam waren, weil dadurch die Eltern mehr zu Hause waren für das Homeschooling und weniger Gelegenheit hatten, sich unterwegs oder bei der Arbeit anzustecken. Die genauen Mechanismen erklärt unsere Studie nicht. Aber sie macht klar, was funktioniert und was nicht.

SPIEGEL: Die Schulschließungen ab März könnten in den USA die Infektionsraten anfangs extrem stark abgesenkt haben, stellt eine Analyse  fest, die am 29. Juli in der renommierten Zeitschrift "Journal of the American Medical Association" erschienen ist. Die Schulschließungen haben demnach in den USA mehr als 40.000 Menschen das Leben gerettet und über 1,3 Millionen Ansteckungen verhindert. Finden Sie derartige Schätzungen plausibel? 

Klimek: Man kann natürlich nicht ausschließen, dass auch andere Maßnahmen als nur die Schulschließungen eine Rolle gespielt haben, wie in dieser Jama-Studie selbst ja auch angemerkt wird. Nichtsdestotrotz kann diese Schätzung sehr wohl zumindest ein Gefühl für die mögliche Größenordnung dieser Zahlen vermitteln.

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