+++ Corona-Update am Sonntag +++ Intensivstationen melden fast so viele Corona-Patienten wie im April

Die derzeitige Lage in den Kliniken sei schlimmer als im Frühjahr, warnen Intensivmediziner. Politiker schließen eine Verschärfung der Auflagen nicht aus. Und: In der Slowakei führte ein betrunkener Arzt Corona-Tests durch. Der Überblick.
Intensivstation des Universitätsklinikums Essen: Eine Mitarbeiterin der Pflege betreut einen Corona-Patienten

Intensivstation des Universitätsklinikums Essen: Eine Mitarbeiterin der Pflege betreut einen Corona-Patienten

Foto: Fabian Strauch / dpa

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How to do Corona: Tipps für Ihren Alltag

17.45 Uhr: Ist eine Grippeimpfung ratsam? Wie kommen erschöpfte Eltern durch den Shutdown? Wer bekommt wo einen Test? Und wie fahre ich Weihnachten am besten Bahn? Diese und andere Corona-Fragen beantwortet das Ressort Leben in dieser Übersicht.

Kambodscha schließt Schulen - wegen ungarischem Außenminister

17.30 Uhr: In Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh und Umgebung müssen für zwei Wochen die Schulen schließen - der Grund: ein Besuch des ungarischen Außenminister Péter Szijjártó in der vergangenen Woche. Wie es laut der Nachrichtenagentur AP aus dem Bildungsministerium heißt, handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme - denn Szijjártó sei nach der Kambodscha-Reise positiv auf das Coronavirus getestet worden. Es habe Schülerinnen und Schüler gegeben, die direkten Kontakt zu dem Politiker gehabt hätten. Jedoch würden die Informationen der Eltern nicht ausreichen, um eine genaue Nachverfolgung zu gewährleisten. Daher sei der Shutdown bestimmter Schulen notwendig.

Öffentliche und private Schulen in dem südostasiatischen Land waren seit März aufgrund der Pandemie geschlossen und hatten erst am vergangenen Montag wieder geöffnet - mit begrenzter Anzahl an Schülerinnen und Schülern und mit Unterricht zu verschiedenen Zeiten. Nun müssen die Lehrkräfte wieder auf Online-Unterricht umstellen. Kambodschas Premierminister Hun Sen und vier Mitglieder des Kabinetts befinden sich Angaben zufolge in Quarantäne. Hun Sen sei bereits negativ getestet worden, wolle sich aber 14 Tage isolieren, so wie es die Corona-Richtlinien seines Landes verlangten.

Corona-Fall im sächsischen Kabinett - Schnelltests für Mitglieder

16.35 Uhr: Sachsens Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt (CDU) ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das gab Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Sonntag in Dresden bekannt. Die Regierung habe am Sonntag zusammenkommen wollen, um über die Eckpunkte des kommenden Doppelhaushaltes zu beraten. Am Vormittag sei die Nachricht eingetroffen, dass sich Schmidt mit "schweren Symptomen" auf den Weg zu einem Corona-Test gemacht habe. Der Schnelltest sei positiv gewesen. Kretschmer zufolge unterbrach das Kabinett seine Sitzung und ließ alle Anwesenden einen Schnelltest machen. Bisher seien alle weiteren Kollegen negativ getestet worden.

Karnevalsverein verteilt Bier, Maske und Luftschlangen fürs Feiern zu Hause

16.15 Uhr: Unter dem Motto "Karneval neu denken" hat der Düsseldorfer Karnevalsverein Prinzengarde Blau-Weiss am Sonntag rund 500 Mitgliedern sogenannte Sessions-Starter-Sets an die Haustür gebracht. Ein Set besteht unter anderem aus dem neuen Sessionsorden, Luftschlangen, Luftballons, einer blau-weißen Schutzmaske und einem Viererpack Altbier, wie der Verein am Sonntag mitteilte.

Ziel sei es, den Mitgliedern mit den Accessoires einen stimmungsvollen 11.11. zu Hause im kleinen Kreis zu ermöglichen, erklärte Blau-Weiss-Präsident Lothar Hörning. 50 Prinzgardisten brachten die Sets zu den in Düsseldorf und Umgebung lebenden Mitgliedern. Unter ihnen war auch der neue Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU). Er erhielt als besondere Auszeichnung einen vom Bildhauer Gregor Schneider gestalteten Sessionsorden.

Anders als sonst wird in diesem Jahr das traditionelle Hoppeditz-Erwachen am 11.11. wegen der Corona-Einschränkungen fast ohne Publikum stattfinden. Voraussichtlich werden nur der Oberbürgermeister und der Präsident des Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) dabei sein. Und natürlich der Hoppeditz, der um 11:11 Uhr aus seinem Senftopf klettert, um seine Rede zu halten. Die traditionelle Zeremonie in einem Innenhof des Düsseldorfer Rathauses soll allerdings per Video-Stream live ins Internet übertragen werden.

Slowakei: Betrunkener Arzt führte Corona-Tests durch

14.45 Uhr: In der Slowakei haben am Wochenende neuerlich Millionen Menschen an Corona-Massentests teilgenommen. Allein am Samstag seien 1,3 Millionen Menschen getestet worden, sagte Regierungschef Igor Matovic am Sonntag vor Journalisten. Der Anteil an positiv Getesteten sei dabei mit 0,63 Prozent deutlich geringer ausgefallen als noch vor einer Woche. Dies belege den Erfolg der von der Regierung verfügten Einschränkungen, erklärte der Gründer und Chef der populistisch-konservativen Bewegung Gewöhnliche Leute OLaNO.

Nach Medienberichten gab es nur wenige kleinere Störungen der Massentests.

  • In der südslowakischen Stadt Rimavska Sobota nahm die Polizei einen Arzt fest, der die Tests mit nahezu zwei Promille Alkohol im Blut durchführte. Die von dem betrunkenen Mediziner Getesteten wurden zu einer Test-Wiederholung aufgerufen.

  • In der nordslowakischen Bezirksstadt Tvrdosin konnte die Teststation am Sonntag wegen eines Einbruchs nicht geöffnet werden. Wie Verteidigungsminister Jaroslav Nad mitteilte, hatten Unbekannte in der Nacht 750 Test-Sets, 20 Schutzanzüge und anderes medizinisches Material gestohlen, aber keine Testergebnisse.

  • In der ostslowakischen Regionalhauptstadt Presov starb ein 68 Jahre alter Mann beim Schlangestehen vor der Teststation an einem Herzinfarkt.

Innerhalb von zwei Tagen sollten von Samstagfrüh bis Sonntagabend (20 Uhr) zum zweiten Mal alle über zehn Jahre alten Bewohner von rund zwei Dritteln des Landes einem Antigen-Schnelltest unterzogen werden. Ausgenommen waren jene Bezirke, die in einer ersten Runde am vorigen Wochenende besonders wenige Infektionen aufwiesen.

Höchststand bei Corona-Kranken auf Intensivstation fast erreicht

14.30 Uhr: Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen hat in Deutschland fast wieder den Höchstwert vom Frühjahr erreicht. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) meldete am Sonntag, dass 2904 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. Davon werden 1605 (55 Prozent) invasiv beatmet. Der bisherige Höchststand war laut DIVI am 18. April mit 2933 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen erreicht worden.

Tatsächlich sei die Lage in den Kliniken derzeit sogar schlimmer als im Frühjahr, sagte DIVI-Präsident Uwe Janssens. Es gebe wesentlich mehr infizierte Patienten auf den anderen Stationen - von denen ein Teil noch auf den Intensivstationen landen werde. Die gesamte Infektionslage sei nicht mit der im April vergleichbar.

Anders als bei der Spitze am 18. April werde diesmal kein Abflauen folgen, der Anstieg werde sich vielmehr vorerst fortsetzen, sagte Janssens. Der Grund sei, dass sich die jeweilige Zahl an Neuinfektionen erst verzögert in schweren Verläufen und schließlich in der Belegung der Intensiv-Stationen niederschlägt. "In vier Wochen werden wir die Folgen der Spitzenwerte jetzt sehen." Einige Zentren seien bereits am Anschlag, es müssten vereinzelt bereits Covid-19-Patienten in andere Kliniken gebracht werden.

Hinzu kommt, dass der Anteil älterer Infizierter nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) seit Ende September wieder steigt. Sie haben ein höheres Risiko, schwer zu erkranken - und damit auch dafür, zu Patienten auf der Intensivstation zu werden.

In Berlin dürfen viele große Krankenhäuser bereits nur noch solche planbaren Aufnahmen, Operationen und Eingriffe durchführen, die medizinisch dringlich sind. Das geht aus einer Verordnung der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung hervor, die zum Samstag in Kraft trat. Die Kliniken erhalten Freihaltepauschalen - damit Intensivbetten und Klinikpersonal für Covid-19-Patienten frei gehalten werden können. Janssens hält eine solche Regelung bundesweit für nötig, vor allem für die Kliniken, die stark in die Behandlung schwerkranker Covid-19-Patienten eingebunden sind. Im Frühjahr waren alle Kliniken aus dem Regelbetrieb genommen worden.

Laut aktuellem DIVI-Tagesreport haben die Kliniken in Deutschland rund 7500 freie Intensivbetten gemeldet (Stand 8.11., 12.15 Uhr), bei denen sowohl ausreichend Technik als auch Personal zur Verfügung steht. Allerdings warnte DIVI-Präsident Uwe Janssens vor einigen Tagen, dass mitunter auch Betten als frei gemeldet würden, für die gar kein Pflegepersonal verfügbar sei . Die Kliniken geben laut DIVI zudem an, im Notfall innerhalb von sieben Tagen gut 12.000 weitere Intensivbetten in Betrieb nehmen zu können

Portugal verhängt nächtliche Ausgangssperre

14.20 Uhr: Im Kampf gegen die Corona-Pandemie gilt in Portugal ab Montag eine nächtliche Ausgangssperre in weiten Landesteilen. An den Wochenenden sollten die Menschen zudem bereits ab 13 Uhr zu Hause bleiben, sagte Ministerpräsident Antonio Costa am Samstagabend nach einer Sondersitzung seines Kabinetts. Die Maßnahme gilt zunächst für zwei Wochen.

Der einzige Weg, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, sei ein Verzicht auf soziale Zusammenkünfte, betonte Costa. Mit den neuen Auflagen solle vermieden werden, dass wieder ein strenger Lockdown wie während der ersten Corona-Welle im Frühling verhängt werden muss. Erst am Freitag hatte Präsident Marcelo Rebelo de Sousa erneut den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hat sich in dem Land seit Anfang Oktober auf rund 6000 verdreifacht.

Portugal ist nicht das einzige europäische Land, das in diesen Tagen die Corona-Auflagen verschärft:

  • In Griechenland gilt seit Samstagmorgen 6 Uhr ein dreiwöchiger Lockdown - mit weitreichenden Regeln: Bis auf lebenswichtige Geschäfte wie Supermärkte ist alles zu. Von 21 abends bis 5 Uhr morgens gilt eine Ausgangssperre. Wer einkaufen oder zum Arzt gehen will, muss die Behörden per SMS informieren. Kitas und Grundschulen sind offen, alle übrigen Schulen schließen.

  • Schärfere Regeln gibt es seit Samstag auch in Polen. Kinos, Theater und Geschäfte in Einkaufszentren schließen. Auch Fitnessstudios und Schwimmbäder sind zu. Hotels dürfen nur noch Geschäftsreisende aufnehmen. Nur Lebensmittelläden und Apotheken bleiben geöffnet.

  • Die Niederlande sind bereits seit drei Wochen im Teil-Lockdown. Nun werden auch Museen, Theater, Schwimmbäder, Vergnügungsparks und Zoos geschlossen. In der Öffentlichkeit sind nur noch Treffen von maximal zwei Personen erlaubt, auch privat sollen nicht mehr als zwei Gäste am Tag empfangen werden. Alle öffentlichen Gebäude werden geschlossen. Die Verschärfungen gelten vorerst für zwei Wochen.

  • Das von der ersten Welle besonders hart getroffene Italien, das bereits mehr als 40.000 Corona-Tote meldet, hat seine Regeln am Freitag weiter verschärft. Für die 60 Millionen Italiener gilt eine nächtliche Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr. Das Land ist in drei Risikozonen eingeteilt: rot, orange und gelb - je nach Infektionsgeschehen. Vier Regionen sind derzeit rot: im Norden die wirtschaftsstarke Lombardei, das Piemont und das Aostatal sowie im Süden Kalabrien. 

Studie: Coronakrise verändert Einkaufsgewohnheiten

14.10 Uhr: Die Coronakrise hat die Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher in Deutschland nachhaltig verändert. Die Menschen machen sich seltener als früher auf den Weg in die Supermärkte und zu Discountern, aber dafür fallen die Einkäufe meist größer aus. Da geht aus einer aktuellen Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Nielsen hervor, für die 20.000 Haushalte befragt wurden.

Das neue Einkaufsverhalten habe mit der Corona-Pandemie begonnen, es sei aber auch in den Monaten danach - in der "neuen Normalität" - beibehalten worden, betonte Nielsen-Handelsexperte Alexander Proske. Gerade Familien mit jungen Kindern seien häufig dazu übergegangen, am Wochenende ihren Bedarf möglichst auf einmal einzukaufen.

Vom veränderten Einkaufsverhalten profitieren Nielsen zufolge vor allem kleine Verbrauchermärkte und Supermarktketten wie Edeka oder Rewe. "Sie bieten eine große Auswahl an Produkten und sind leicht zu erreichen", sagte Proske. Dies seien "die neuen Schlüsselkriterien" für viele Verbraucher. Die Discounter hätten dagegen nicht von dem Trend zu Großeinkäufen profitieren können. Alles deute darauf hin, dass auch in der zweiten Corona-Welle der Trend zu Großeinkäufen anhalten werde, sagte Proske.

Shopping-Trips werden Nielsen zufolge nun häufiger geplant. Spontane Einkäufe seien seltener geworden - auch weil viele im Homeoffice arbeiteten und nicht mehr auf dem Heimweg kurz in einen Laden hineinspringen könnten. Wichtig sei für viele Konsumenten heute, keine Zeit zu verschwenden, keine Schlangen an den Kassen zu haben und ihre kompletten Einkäufe möglichst auf einen Rutsch zu erledigen.

Eher zu den Verlierern gehören in der Coronakrise denn Marktforschern zufolge die Drogeriemärkte. Denn das Interesse an Produkten zur Körper- und Schönheitspflege hat seit Ausbruch der Coronakrise deutlich nachgelassen. Ein Beispiel: Seit der Maskenpflicht haben Nielsen zufolge 58 Prozent der Lippenstift-Nutzerinnen ihre Gewohnheiten verändert: 32 Prozent tragen keinen Lippenstift mehr, 26 Prozent tragen ihn seltener.

Iran: 459 Tote binnen eines Tages

13.55 Uhr: Die Zahl der Corona-Toten im Iran hat mit 459 Fällen innerhalb eines einzigen Tages einen Höchstwert erreicht. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Sonntag gab es im gleichen Zeitraum mehr als 9200 Neuinfektionen. Damit liege die Gesamtzahl der Corona-Toten aktuell bei 38.291 und die Zahl der Infizierten bei mehr als 682.000, sagte Ministeriumssprecherin Sima Lari im Staatsfernsehen.

Die tatsächlichen Fallzahlen im Iran könnten jedoch mehr als doppelt so hoch sein wie amtlich angegeben. Fachleute verweisen darauf, dass es im Iran, der etwa so viele Einwohner wie Deutschland hat, noch zu wenige Testmöglichkeiten gebe. Derzeit werden täglich 25.000 Tests durchgeführt. Die Testkapazität pro Tag soll auf 40.000 erhöht werden. Experten sind allerdings der Meinung, dass mindestens 200.000 Tests am Tag erforderlich wären, um bei einer Bevölkerung von mehr als 82 Millionen an genaue Fallzahlen zu kommen.

Massentests in England und der Slowakei

13.15 Uhr: Im Kampf gegen das Coronavirus setzen die europäischen Staaten auf unterschiedliche Strategien. Einen umstrittenen Sonderweg geht derzeit die Slowakei. Bereits vor einer Woche wurden fast alle mehr als zehn Jahre alten Bewohner innerhalb von zwei Tagen einem Antigen-Schnelltest unterzogen. 38.000 positiv Getestete sind seither in Quarantäne. An diesem Wochenende folgte eine zweite Runde der Massentests. Wer keinen negativen Test vorweisen kann, darf nicht einmal mehr zur Arbeit.

Im Nordwesten Englands wird mit Liverpool erstmals eine komplette Stadt auf das Coronavirus getestet. Innerhalb von etwa zehn Tagen sollen sich die knapp 500.000 Einwohner Schnelltests unterziehen. In England sind Gastronomiebetriebe, Kultur- und Sportzentren seit Donnerstag geschlossen. Anders als in Deutschland bleibt auch der Handel - abgesehen von Supermärkten und wenigen anderen Geschäften - für einen Monat zu. Schulen und Unis bleiben geöffnet. Die Menschen sollen ihr Zuhause bis zum 2. Dezember nur noch aus triftigen Gründen verlassen.

Bischof Bedford-Strohm ruft zu Geduld und Solidarität auf

12.50 Uhr: Nach Überzeugung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sind in der Coronakrise Geduld und Solidarität unverzichtbar. "Zwar haben wir in den ersten Monaten der Pandemie dem Virus gemeinsam und entschlossen getrotzt", sagte der Münchner Bischof am Sonntag zu Beginn der ersten digitalen EDK-Synode. Doch mache sich jetzt zunehmende Erschöpfung breit.

"Wir sind in diesen Tagen eine verwundete Gesellschaft", sagte Bedford-Strohm. Sie sehne sich nach Heilung. Der christliche Glaube sei dafür von unschätzbarer Bedeutung. "Unser Land braucht beides: zum einen die Resilienz, um mit Dingen umzugehen, die nur bedingt zu ändern sind, sowie die Geduld, das auch über längere Zeit durchzuhalten", so der EKD-Ratsvorsitzende.

Nötig sei zum anderen die soziale Energie, die solche Widerstandskraft nicht auf den Raum des persönlichen Durchhaltens beschränke, sondern daraus die Kraft gewinne, einander beizustehen und Solidarität zu üben. Und das besonders mit den Schwachen und Verletzlichen.

Haseloff: "Wichtig ist eine regionale Spezifizierung von Auflagen"

12.25 Uhr: Bund und Länder könnten bei dem nächsten Corona-Spitzentreffen am 16. November nach Einschätzung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff möglicherweise weitere Verschärfungen anpeilen. "An Lockerungen glaube ich angesichts der sehr hohen Zahlen zu diesem Zeitpunkt nicht", sagte Haseloff der Nachrichtenagentur Reuters mit Blick auf das Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den 16 Ministerpräsidenten. "Die Frage ist, ob wir etwa beim Schutz besonders vulnerabler Gruppen nachschärfen müssen", fügt der CDU-Politiker hinzu. Denn mit den Schnelltests und den Regeln der Testverordnung des Bundes erhielten die Länder die Möglichkeit, die Risiken in Heimen oder Krankenhäusern zu reduzieren.

Haseloff warb um Geduld beim Versuch, die bisher steigenden Infektionszahlen wieder einzudämmen. "Dass die Zahlen sehr schnell und sehr stark sinken, ist letztlich nicht zu erwarten." Es gehe um eine einfache mathematische Rechnung: Das Ziel sei, 75 Prozent der Kontakte zu reduzieren. Aber anders als von einigen Wissenschaftlern empfohlen, hätten Bund und Länder die Schulen und Kitas sowie Läden bewusst offen gehalten, sagte Haseloff. "Es gibt also einen großen Block an Kontakten, den wir nicht reduziert haben. Deshalb wird es etwas länger dauern, die Infektionszahlen zu drücken."

Er verteidigte die Maßnahmen von Bund und Ländern dennoch. "Dass die Mobilität der Menschen nicht radikal abnimmt, ist nicht das Problem", sagte er zu entsprechenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Der entscheidende Schlüssel liege darin, bei dieser Mobilität die Zahl der Kontakte zu reduzieren, etwa größere Gruppentreffen zu untersagen. "Mag sein, dass die Menschen mehr einkaufen gehen - aber Geschäfte oder der Öffentliche Nahverkehr gelten nicht als starke Infektionsherde", betonte Haseloff.

Der CD-Politiker fordert mit Blick auf den 16. November allerdings lokale Anpassungen. "Wichtig ist sicher eine regionale Spezifizierung von Auflagen. Es macht doch keinen Sinn, in einer 80-Seelen-Gemeinde dieselben Auflagen zu verhängen wie in einer Millionenstadt", sagte der Ministerpräsident.

Neue Quarantäne-Regeln für Einreisende aus Risikogebieten

11.50 Uhr: Seit Sonntag gelten die neuen Quarantäne-Regeln für Einreisende aus Risikogebieten. Der Bund hat dafür eine Musterverordnung vorgelegt, die die Länder nun umsetzen müssen. Gerade bei den Ausnahmen von der Quarantänepflicht könnte es regionale Abweichungen geben.

  • Für welche Länder gilt die Neuregelung? Inzwischen gibt es in Europa nur noch vereinzelte Regionen, die nicht als Risikogebiete gelten. Seit Sonntag stehen auch Dänemark und ganz Italien auf der Liste. Auch weltweit gelten sehr viele Staaten als Risikogebiete.

  • Wie sieht die neue Quarantänepflicht aus? Ab dem 8. November gilt für alle Rückkehrer aus Risikogebieten eine Pflichtquarantäne von zehn Tagen. Sie kann verkürzt werden, wenn der oder die Betroffene "frühestens ab dem fünften Tag nach der Einreise" einen negativen Corona-Test vorlegen können, wie es in der Vorlage heißt. Bislang gilt für Reiserückkehrer aus Risikogebieten eine Pflichtquarantäne von 14 Tagen.

  • Können Einreisende einfach so deutschen Boden betreten? Nein. Sie müssen sich ab Sonntag vor der Einreise digital unter www.einreiseanmeldung.de  anmelden. Die neue Web-Anwendung ersetzt die bisherigen Aussteigekarten in Papierform. Mit der Einreiseanmeldung sollen die Gesundheitsämter am Zielort der Einreisenden die notwendigen Informationen erhalten - etwa um kontrollieren zu können, ob die nach landesrechtlichen Regelungen bestehende Quarantänepflicht eingehalten wird. Anmelden muss sich jeder, der in den vorangegangenen zehn Tagen in einem Corona-Risikogebiet war.

  • Welche Ausnahmen gibt es? Die Regelung gilt nicht für Menschen, die nur zur Durchreise nach Deutschland kommen. Sie müssen die Bundesrepublik auf dem schnellsten Weg wieder verlassen. Auch wer sich im Rahmen des Grenzverkehrs mit Nachbarstaaten weniger als 24 Stunden in einem Risikogebiet aufgehalten hat, ist nicht von der Quarantänepflicht erfasst.

Länger aufhalten ohne Quarantäne dürfen sich auch Berufspendler sowie Ärzte, Pflegekräfte, unterstützendes medizinisches Personal und 24-Stunden-Betreuungskräfte. Die Ausnahme gilt auch beim Besuch naher Verwandter sowie des nicht zum gleichen Hausstand gehörenden Ehegatten oder Lebensgefährten - und wenn ein geteilten Sorgerecht besteht.

Auch für Menschen, die Waren oder Güter auf der Straße, der Schiene, per Schiff oder per Flugzeug transportieren, gelten Ausnahmen - ebenso für hochrangige Mitglieder des diplomatischen und konsularischen Dienstes, von Volksvertretungen und Regierungen.

Kretschmann: Verschärfung der Corona-Auflagen möglich

11.37 Uhr: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat eine weitere Verschärfung der Corona-Auflagen nicht ausgeschlossen. "Wenn die Intensivstationen volllaufen, ist es schon zu spät. Wir dürfen nicht warten, bis die Kapazitäten erschöpft sind", sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wenn droht, dass diese rote Linie überschritten wird, kommen wir um härtere Maßnahmen - unter Umständen sehr harte Maßnahmen - überhaupt nicht herum." Als Beispiel nannte Kretschmann eine weitere Minimierung der Kontakte. "Die Anzahl der Personen, mit denen man sich treffen kann, muss dann noch weiter reduziert werden", sagte er.

"Weihnachtsmärkte halte ich in diesem Winter leider für vollkommen ausgeschlossen", sagte der Grünen-Politiker weiter. Auf die Frage, ob das auch für Silvesterpartys gelte, entgegnete Kretschmann: "Ich fürchte, ja. Silvesterpartys kann man im Kreise der Familie machen, aber nicht groß, feucht und fröhlich mit vielen Freunden." Der Ministerpräsident wörtlich: "Mit so etwas warten wir bitte, bis wir einen Impfstoff haben und die Bevölkerung auch durchgeimpft ist."

Die Zahl der Neuinfektionen müsse letztlich wieder stabil unter 50 pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen fallen, betonte der Ministerpräsident. Es hänge von jedem einzelnen ab, ob wir im Dezember "lockern können oder verschärfen müssen". Sollten Bund und Länder den Teil-Lockdown "verlängern oder weitere Bereiche schließen müssen, gehe ich davon aus, dass wir auch die Hilfen ausweiten", sagte der Grünen-Politiker weiter.

Steinmeier dankt Kirchen für Engagement

11.05 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Kirchen für ihr Engagement in der Coronakrise gedankt. "Wir brauchen die Stimme der Kirche gerade jetzt und auch in Zukunft. Wir brauchen die Kirche als Kraft, die Orientierung und Halt gibt, die Zusammenhalt fördert", sagte er in einem Videobeitrag zur Eröffnung der Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die am Sonntag begonnen hat.

Die Kirchen treffe die Coronakrise besonders hart, denn gerade sie lebten von einer besonderen menschlichen Nähe und von Begegnung", sagte Steinmeier. "Sie haben sich, und dafür möchte ich Ihnen ebenfalls danken, in der Pandemie umsichtig und verantwortungsvoll gezeigt. Und Sie sind ganz neue, kreative, oft digitale Wege gegangen, um Trost und Zuversicht zu vermitteln", sagte der Bundespräsident. Vieles davon werde bleiben. "Aber die gemeinschaftliche Erfahrung eines Gottesdienstes können gestreamte Veranstaltungen nicht ersetzen."

Steinmeier sagte, die Auseinandersetzungen um die Corona-Politik nehme an Schärfe zu. Ihm mache Sorgen, dass das Gespräch zwischen Gegnern und Befürwortern schwieriger geworden sei. Diese Krise sei eine Bewährungsprobe für die Gesellschaft und für die Demokratie. "Gelingt es uns, beieinander zu bleiben oder werden Spaltungen sich vertiefen? Ich bin froh, dass die Kirchen immer wieder bemüht sind, Brücken zu schlagen."

Die Synodentagung der EKD ist vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie diesmal als digitale Veranstaltung konzipiert. Ursprünglich war das Treffen des Kirchenparlaments in Berlin geplant.

Joe Biden will Corona-Expertenrat vorstellen 

10.55 Uhr: Der frisch gewählte US-Präsident Joe Biden will schon am Montag einen Expertenrat zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorstellen. Er werde im Kampf gegen das Virus keine Mühe scheuen, sagte Biden am Samstagabend (Ortszeit) in seiner Siegesrede in Wilmington im Bundesstaat Delaware. Die "führenden Wissenschaftler und Experten" würden ihm helfen, einen "Aktionsplan" zu entwickeln, der schon ab dem Tag seiner Amtseinführung am 20. Januar umgesetzt werden könne, sagte Biden. Er will in Zusammenarbeit mit Unternehmen die Testkapazitäten ausweiten. Zudem hat Biden versprochen, allen US-Bürgern Corona-Tests, Behandlungen und Impfstoffe kostenlos zugänglich zu machen.

Biden war am Samstag von US-Medien zum Sieger der Wahl vom Dienstag erklärt worden. Der amtierende Präsident Donald Trump wird noch bis 20. Januar weiter regieren. Biden hatte jedoch schon vor der Wahl vom Dienstag erklärt, dass er sich im Falle eines Wahlsiegs umgehend mit Gouverneuren und Bürgermeistern kurzschließen würde, um den Kampf gegen die Pandemie voranzutreiben. Verschiedene US-Medien hatten bereits vor Bidens Rede über die geplante Vorstellung des Expertenrats berichtet.

Die Pandemie ist in den USA weiter außer Kontrolle. Zuletzt meldeten die Behörden dort im Schnitt rund 100 000 Neuinfektionen pro Tag, am Samstag waren es offizielle Angaben zufolge mehr als 130.000 Neuinfektionen - erneut ein Rekordwert.

Israel lockert Corona-Beschränkungen

10.27 Uhr: Straßengeschäfte in Israel dürfen ab heute wieder öffnen - zum ersten Mal seit der Verhängung eines zweiten Lockdowns Mitte September. In kleinen Läden, die von der Straße aus zugänglich sind, dürfen sich nach einer Entscheidung des sogenannten Corona-Kabinetts allerdings nicht mehr als vier Kunden gleichzeitig aufhalten. Geschäfte in Einkaufszentren müssen weiter geschlossen bleiben.

Die Pandemie verlief in Israel zunächst glimpflich, auch wegen eines strikten Kurses der Regierung. Nach Lockerungen und einer massiven Zunahme der Fallzahlen im Laufe des Sommers galt seit dem 18. September ein zweiter landesweiter Lockdown. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen konnte von mehr als 9000 am 30. September auf wenige Hundert gedrückt werden. Die Regierung genehmigt Lockerungen nur sehr allmählich, um einen Neuanstieg zu vermeiden.

Am Sonntag meldete das israelische Gesundheitsministerium 207 neue Corona-Fälle. Seit Beginn der Coronakrise haben sich in Israel mit seinen rund neun Millionen Einwohnern nach offiziellen Angaben mindestens 319.022 Menschen nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. 2664 Menschen starben bisher in Verbindung mit einer Corona-Infektion.

Politiker fordern Aufarbeitung von "Querdenken"-Großdemo

10.20 Uhr: Nach der Eskalation von Protesten gegen Corona-Maßnahmen in Leipzig werden Forderungen nach einer politischen Aufarbeitung der Geschehnisse laut. Die Grünen in Sachsen forderten Konsequenzen: "Sachsens Sicherheitsorgane haben bei (der Demonstration) #le0711 jegliches Vertrauen verspielt. Roland Wöllers Nichthandeln als Innenminister ist nicht mehr tragbar", schrieb die Partei auf Twitter. "Es gibt viel aufzuarbeiten!", schrieb die Linksfraktion am Samstagabend auf Twitter. Hier lesen Sie die ganze Meldung.

Drosten: "Forscher müssen Unsinn beim Namen nennen"

09.56 Uhr: Der Virologe Christian Drosten hat den Wert unabhängiger Wissenschaft gegen teils harsche Kritik in sozialen Medien verteidigt und auf die Logik des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns verwiesen. In der Corona-Pandemie sei es seine Aufgabe, "die Methoden meines Fachgebietes zu erklären, die Grenzen wissenschaftlicher Studien aufzuzeigen, einzuordnen, was Fakt und was Fiktion ist", erklärte Drosten in einer am Sonntag in Marbach im Neckar veröffentlichten Rede, mit der er an den Geburtstag des Dichters und Philosophen Friedrich Schiller erinnerte. Forscher müssten "ein realistisches Bild zeichnen und nicht das gewünschte". Daher fühle er sich auch verpflichtet, "korrigierend einzugreifen und ausgemachten Unsinn auch einmal beim Namen zu nennen".

Drosten, 48, ist Leiter der Virologie an der Berliner Charité. Er berät in der Corona-Pandemie auch die Bundesregierung. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach vergibt die Schillerrede jährlich an einen neuen Redner und will damit an den Geburtstag von Friedrich Schiller (1759-1805) erinnern, der in Marbach geboren wurde. Lesen Sie hier mehr über den Inhalt von Drostens Rede.

Aida-Kreuzfahrten sollen teurer werden

09.25 Uhr: Die Rostocker Kreuzfahrtreederei Aida Cruises stimmt ihre Kundschaft angesichts der Corona-Belastungen auf zweistellige Preiserhöhungen ein. "Moderat steigende Preise sind durchaus möglich. Es ist denkbar, dass Kreuzfahrten 10 bis 15 Prozent teurer werden", sagte Michael Thamm, Chef der Costa Gruppe, zu der Costa Crociere und Aida Cruises gehören, der "Welt am Sonntag". Thamm wies auf massive Einbußen infolge der Corona-Pandemie hin: "Wir haben jeden Monat Umsatzausfälle von 400 Millionen Euro. Das können wir nicht durch Kostenreduktionen ausgleichen. Aus den zurückliegenden Monaten ist bei uns ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag an Verlusten aufgelaufen."

Aida Cruises hatte nach siebenmonatiger Unterbrechung im Oktober wieder mit Kreuzfahrten begonnen, allerdings aufgrund der Corona-Schutzvorkehrungen weniger als zur Hälfte belegt. Mit Blick auf den seit Anfang November verfügten Teil-Lockdown sind Fahrten Thamm zufolge nun für vier Wochen ausgesetzt. "Für uns ist das ein Zeichen der Solidarität, auch wenn wir es nicht machen müssen", sagte er. "Allerdings vertrauen wir dabei auf die Zusage des Wirtschaftsministers, dass Umsatzausfälle zu einem Großteil ausgeglichen werden sollen."

Noch nicht entschieden sei, ob sein Unternehmen staatliche Hilfen in Anspruch nehmen werden. "Wir sind mit dem Bund im Gespräch über die Gewährung von Krediten in mittlerer dreistelliger Millionen-Euro-Höhe", sagte Thamm. "Vielleicht werden wir das machen, entschieden ist es aber noch nicht."

Kritik richtete der Reederei-Manager an die Adresse der Bundesregierung: "Wir wollen erreichen, dass die allgemeine Warnung vor Kreuzfahrten auf der Website des Außenministeriums aufgehoben und das Thema differenziert betrachtet wird." Corona-Testergebnisse auf den Schiffen müssten bei der Rückreise nach Deutschland akzeptiert werden, damit Kreuzfahrturlauber zu Hause nicht in Quarantäne gehen müssten. "Das ist doch ein hundertprozentiger Killer, wenn Sie nach einer Woche Kreuzfahrturlaub noch zwei Wochen im Haus bleiben müssen und nicht arbeiten dürfen", sagte Thamm. "Wir haben bei den ersten Reisen bewiesen, wie gut unsere Maßnahmen zum Schutz vor einer Covid-19-Infizierung funktionieren. Aus meiner Sicht ist eine Reise auf unseren Kreuzfahrtschiffen praktisch risikolos."

Zu Beginn der Coronakrise machte das britische Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" Schlagzeilen, auf dem sich mehr als 700 Menschen mit Sars-CoV-2 infizierten; 14 von ihnen starben.

Wie sicher sind Kreuzfahrten wirklich? Im SPIEGEL-Podcast vom 2. Oktober erfahren Sie mehr über die Situation und die Probleme an Bord .

Pfleger und Ärzte zuerst gegen Coronavirus impfen

09.14 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen dringend erwarteten Impfstoff gegen Corona zuerst für den Schutz des Gesundheitssystems selbst einsetzen. "Die Frage, wer wird zuerst geimpft, die wird diskutiert mit der Ständigen Impfkommission, mit der Wissenschaftsakademie Leopoldina und mit der Ethikkommission", sagte Merkel am Sonntag zum Tag der offenen Tür in einem Video, in dem sie auf Bürgerfragen antwortete. "Aber ich glaube, ich kann schon so viel verraten, dass ich sage, ganz vorn dran sind natürlich Pflegekräfte, Ärzte und auch Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören. Das sind dann allerdings schon recht viele in unserem Land."

Die Bundesregierung hofft, dass die ersten Impfstoffe recht bald zugelassen werden. "Dann wird natürlich noch nicht genug Impfstoff zur Verfügung sein", sagte die Kanzlerin und betonte: "Niemand wird gezwungen werden, sich impfen zu lassen, sondern es ist eine freiwillige Entscheidung."

Die Vorbereitungen für eine Impfkampagne liefen. Die Bundesländer planten eigene Impfzentren. Sehen müsse man erst noch, wieviel Impfstoff zur Verfügung stehen werde und wie lange dieser Impfstoff immunisiere. Zentrale Aufgabe sei es, die Bevölkerung insgesamt immun gegen das Virus zu machen. Wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun seien - durch Impfung oder eine durchgestandene Krankheit - sei das Virus "mehr oder weniger besiegt", so Merkel. "Dann können wir auch alle Einschränkungen aufheben", sagte sie.

Russland meldet 20.498 Neuinfektionen

09.04 Uhr: Russland meldet 20.498 Neuinfektionen binnen eines Tages. Das liegt leicht unter dem am Freitag verzeichneten Rekord von 20.582 neuen Fällen. An oder mit dem Virus starben 286 weitere Personen. In Russland gibt es damit insgesamt 1,77 Millionen Infektions- und 30.537 Todesfälle.

Mehr als 40.000 Corona-Tote in Frankreich

08.57 Uhr: In Frankreich sind mittlerweile mehr als 40.000 Menschen infolge der Coronavirus-Pandemie gestorben. Mindestens 40.169 Menschen seien seit Beginn der Epidemie in Frankreich ums Leben gekommen, teilten die französischen Gesundheitsbehörden am Samstagabend mit. In den vergangenen 24 Stunden seien in den Krankenhäusern mehr als 300 Corona-Tote gezählt worden.

Frankreichs Parlament stimmte endgültig der Verlängerung des Gesundheitsnotstands im Zuge der Coronakrise zu. Die Abgeordneten der Nationalversammlung votierten mehrheitlich für eine Verlängerung bis zum 16. Februar. Die Opposition will den Gesetzesentwurf allerdings dem Verfassungsrat zur Prüfung vorlegen. Der Gesundheitsnotstand schafft den gesetzlichen Rahmen, um Einschränkungen per Verordnung durchzusetzen.

Der Gesundheitsnotstand war Ende März für das ganze Land ausgerufen worden. Er wurde Anfang Mai bis zum 10. Juli verlängert und lief dann aus. Die Regierung verhängte ihn dann Mitte Oktober wegen der steigenden Corona-Neuinfektionen per Dekret erneut - für eine Verlängerung brauchte es aber die Zustimmung des Parlaments. An einer Verlängerung bis Mitte Februar hatte es massive Kritik gegeben, der Gesetzesentwurf war heftig umstritten. Die Opposition warnte vor einer Beschneidung der Grundrechte.

Senkung der Mehrwertsteuer wird nicht verlängert

08.34 Uhr: Die wegen der Coronakrise beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozent wird nach Worten von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) nicht verlängert. Es werde bei den vereinbarten sechs Monaten bleiben, sagte Scholz am Samstag zum Tag der Offenen Tür der Bundesregierung, die in diesem Jahr im Internet stattfindet.

"Das endet mit diesem Jahr. Weil wir gesagt haben, wir wollen alle davon abhalten, dass sie auf bessere Zeiten warten, sondern dass einige schon voranschreiten und Geld ausgeben", so Scholz. "Und das hat sogar geklappt, wie wir an den Zahlen sehen." Die Minister und Kanzlerin Angela Merkel antworten in diesem Jahr in Videos auf Bürgerfragen.

Ökonomen und Verbraucherschützer hatten sich bereits im Oktober dagegen ausgesprochen, die Senkung der Mehrwertsteuer über das Jahresende hinaus zu verlängern. "Sie ist fiskalisch teuer und nicht zielgenau", sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Sie helfe am meisten Branchen mit hohen Umsätzen, also den Krisengewinnern.

RKI meldet 16.017 neue Corona-Neuinfektionen an einem Tag

06.34 Uhr: Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Sonntag in Deutschland 16.017 neue Corona-Infektionen gemeldet. Das sind rund 7000 Fälle weniger als noch am Tag zuvor, an dem mit 23.399 neu gemeldeten Fällen innerhalb von 24 Stunden ein neuer Höchstwert erreicht worden war. An Sonntagen sind die erfassten Fallzahlen jedoch meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Am vergangenen Sonntag hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 14 .77 gelegen. Seit Beginn der Pandemie hat das RKI insgesamt 658.505 Infektionen erfasst. (Stand: 8.11., 00.00 Uhr)

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus stieg um 63 auf insgesamt 11 289. Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Samstagabend bei 1,04 (Vortag: 0,99). Das heißt, dass zehn Infizierte im Mittel etwa zehn weitere Menschen ansteckten. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Mehr als 131.000 Neuinfektionen in den USA - Vierter Höchstwert in Folge

05.32 Uhr: Die USA verzeichnen mit mindestens 131.420 Corona-Neuinfektionen den vierten Tag in Folge einen Rekordwert. Damit stieg die Gesamtzahl der Ansteckungen auf 9,91 Millionen, wie eine Reuters-Erhebung auf Basis offizieller Daten ergibt. Die Zahl der Todesfälle nach einer Infektion erhöhte sich um mindestens 1039 auf 237.289. Die USA sind das am stärksten von der Pandemie betroffene Land weltweit.

Studie: Coronakrise verändert die Einkaufsgewohnheiten

05.12 Uhr: Die Coronakrise hat die Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher in Deutschland nachhaltig verändert. Die Menschen machen sich seltener als früher auf den Weg in die Supermärkte und zu Discountern, aber dafür fallen die Einkäufe meist größer aus. Da geht aus einer aktuellen Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Nielsen hervor, für die 20.000 Haushalte befragt wurden.

Das neue Einkaufsverhalten habe mit der Corona-Pandemie begonnen, es sei aber auch in den Monaten danach - in der "neuen Normalität" - beibehalten worden, betonte Nielsen-Handelsexperte Alexander Proske. Gerade Familien mit jungen Kindern seien häufig dazu übergegangen, am Wochenende ihren Bedarf möglichst auf einmal einzukaufen.

Vom veränderten Einkaufsverhalten profitieren Nielsen zufolge vor allem kleine Verbrauchermärkte und Supermarktketten wie Edeka oder Rewe. "Sie bieten eine große Auswahl an Produkten und sind leicht zu erreichen", sagte Proske. Dies seien "die neuen Schlüsselkriterien" für viele Verbraucher. Die Discounter hätten dagegen nicht von dem Trend zu Großeinkäufen profitieren können. Alles deute darauf hin, dass auch in der zweiten Corona-Welle der Trend zu Großeinkäufen anhalten werde, sagte Proske.

Eher zu den Verlierern gehören in der Coronakrise denn Marktforschern zufolge die Drogeriemärkte. Denn das Interesse an Produkten zur Körper- und Schönheitspflege hat seit Ausbruch der Pandemie deutlich nachgelassen. Ein Beispiel: Seit der Maskenpflicht haben Nielsen zufolge 58 Prozent der Lippenstift-Nutzerinnen ihre Gewohnheiten verändert: 32 Prozent tragen keinen Lippenstift mehr, 26 Prozent tragen ihn seltener.

Norddeutsche Ministerpräsidenten fordern Nachbessern der Corona-Maßnahmen

03.55 Uhr: Die fünf norddeutschen Ministerpräsidenten fordern die Bundesregierung auf, bei den Lockdown-Corona-Hilfen nachzubessern. Sollte der Bund an seinem Plan für außer­ordentliche Wirtschafts­hilfen festhalten, drohten bis zu 90 Prozent der Unternehmen, die von den Hilfen profitieren sollten, leer auszugehen, sagte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) der "Bild am Sonntag".

Günther kritisierte, dass mittelbar vom Lockdown betroffene Firmen (also etwa Getränke­lieferanten und Reinigungsfirmen) die Hilfen erst erhalten sollen, wenn sie mindestens 80 Prozent Umsatzausfall mit betroffenen Unternehmen verzeichnen. "Damit drohen zahlreiche Unternehmen in eine existenzielle Krise zu geraten", so Günther.

Er schlägt stattdessen vor, Unternehmen Hilfen zu gewähren, die signifikante Umsatzeinbrüche im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnen.

Texas als erster US-Bundesstaat mit über einer Million Corona-Fällen

02.00 Uhr: Texas ist der erste US-Bundesstaat, der die Schwelle von einer Million bestätigten Corona-Infektionen überschreitet. Dies geht aus einer Reuters-Erhebung auf Basis offizieller Daten hervor. Dahinter folgt Kalifornien mit mehr als 950.000 nachgewiesenen Ansteckungen. Weltweit haben nur neun Länder mehr Infektionsfälle als Texas, das 29 Millionen Einwohner hat und dabei mehr als zehn Prozent aller Ansteckungen in den USA verzeichnet. Diese sind mit über 9,8 Millionen gemeldeten Ansteckungen und mehr als 230.000 Todesfällen das am schwersten von der Pandemie betroffene Land der Welt.

Portugal will Coronavirus mit nächtlicher Ausgangssperre eindämmen

01.23 Uhr: Zur Eindämmung des Coronavirus verhängt Portugal örtlich begrenzte nächtliche Ausgangssperren. Betroffen seien 121 der 308 Kommunen, darunter auch die Hauptstadt Lissabon sowie Porto, kündigt Ministerpräsident Antonio Costa an. Die Ausgangssperre gelte mit Inkrafttreten des 15-tägigen Ausnahmezustands am Montag von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr. Zudem dürften die Menschen an den nächsten beiden Wochenenden zwischen 13.00 Uhr und 05.00 Uhr morgens ihre Häuser nicht verlassen.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Bundeswehr will bei Lagerung eines möglichen Corona-Impfstoffs helfen

00.37 Uhr: Das Gesundheitsministerium hat die Bundeswehr einem Zeitungsbericht zufolge um Amtshilfe zur Lagerung eines Corona-Impfstoffes gebeten. Wenn dieser vorliege, solle er in mehreren Kasernen zwischengelagert und von dort an bundesweit 60 Impfzentren geliefert werden, berichtet die "Bild am Sonntag". Dazu sollten an den Standorten entsprechende Kühlcontainer angemietet werden. Das Verteidigungsministerium habe erklärt, sich im Abstimmungsprozess mit dem Gesundheitsministerium zu befinden.

Todeszahlen in Frankreich überschreiten die 40.000

22.50 Uhr: In Frankreich steigt die Zahl der bekannten Todesfälle auf 40.169 und überschreitet dabei die Marke von 40.000. Die Zahl der Neuinfektionen erreicht einen Rekord von 86.852 an einem Tag - insgesamt damit knapp 1,75 Millionen.

jus/mkl/dpa/Reuters
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