Maßnahmen gegen Corona Maske im Park – ist das sinnvoll?

Deutschland steht wohl vor einer dritten Corona-Welle, die vor allem jüngere Menschen treffen wird. Die Politik ersinnt also neue Regeln. Doch das Ergebnis ist nicht immer sinnvoll.
Verweilverbotszone in Düsseldorf

Verweilverbotszone in Düsseldorf

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Roland Weihrauch / dpa

Der Slogan der Stadt Düsseldorf – »Nähe trifft Freiheit« – hat in der Pandemie ein PR-Problem, und derzeit ganz besonders: Freitags bis samstags gibt es zu bestimmten Uhrzeiten in bestimmten Bereichen des Stadtgebiets ein sogenanntes Verweilverbot .

Nicht alle finden das gut. Andererseits steht dem Bundesland gerade eine dritte Corona-Welle ins Haus, die vornehmlich jüngere Menschen treffen wird. Da möchte die Politik zeigen, dass sie Maßnahmen ergreift. Zum Beispiel das Verweilverbot.

Auch andernorts sorgen strenge Regeln für Diskussionen, wie etwa in Hamburg. Dort müssen zum Beispiel Eltern einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie mit ihren Kindern auf dem Spielplatz unterwegs sind, auf bevölkerten Flächen sind die Masken ebenfalls Pflicht, auch für Jogger, Radfahrer oder Spaziergänger. In Hamburgs Corona-Verordnung  gibt es eine detaillierte Liste, die Straßen und Plätze teils bis auf die Hausnummer genau erfasst.

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Aber was bringen Regeln wie das Verweilverbot und Maskenpflicht im Park? Experten tun sich schwer damit, den genauen Einfluss einer bestimmten Maßnahme auf den Verlauf der Pandemie zu quantifizieren. Grundsätzlich gilt: In Innenräumen ist die Gefahr einer Corona-Infektion im Zweifel wesentlich höher als an der frischen Luft.

Mobilitätsforscher Kai Nagel von der TU Berlin kann das mit Daten untermauern, er modelliert das Pandemiegeschehen in der Hauptstadt auf der Basis von anonymisierten Mobilfunkdaten. Verschiedene Parameter seiner Simulation lassen sich dabei anpassen, so können unter anderem die jeweiligen Anti-Corona-Maßnahmen abgebildet werden – und auch die unterschiedliche Gefahr in Innenräumen im Vergleich zu draußen. »Wenn man Aktivitäten von drinnen nach draußen verlegt, rechnen wir bei uns im Modell mit einem zehnfach niedrigeren Ansteckungsrisiko«, sagt Nagel.

Das heißt nicht, dass Regeln für draußen per se sinnlos sind. Denn natürlich kann es auch dort gefährliche Aerosol-Wolken in der Luft geben, wenn Infizierte Coronaviren ausatmen. Reden Menschen miteinander, dann werden diese Aerosole dem Gesprächspartner gewissermaßen ins Gesicht gepustet. Während sich in ungelüfteten Zimmern die Viren sammeln können, wird die ausgeatmete Luft im Freien aber schnell verdünnt und abtransportiert, wie es etwa bei der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) in Köln heißt.

Strengere Regeln wären nötig – aber welche?

Eine kurze Begegnung mit Menschen an der frischen Luft hält auch der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, für nicht problematisch. Die Menge an Viren, die man im Vorbeigehen womöglich abbekomme, reiche für eine Infektion nicht aus, so der Berater der Europäischen Arzneimittelbehörde Ema. »Joggen, Laufen, Wandern, Spazierengehen, das halte ich für absolut ungefährlich.«

Auch die GAeF gibt in ihrem Positionspapier Entwarnung: »Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt.« Vorsicht sollte man allerdings walten lassen in Gruppen, bei denen keine Mindestabstände eingehalten und/oder keine Masken getragen werden – zum Beispiel bei längeren Unterhaltungen. Das mag der Hintergrund für Entscheidungen wie dem Verweilverbot sein. Zumal auch klar ist, dass die bisher zur Eindämmung des Sars-CoV-2-Erregers so leidlich wirksamen Regeln gegen die leichter übertragbaren Virenvarianten nicht mehr ausreichen . Ein aus Sicht der Pandemiebekämpfung bis eben gerade noch akzeptabler Kontakt im Hinblick auf Abstand, Dauer und Lüftung ist es in Zeiten der Mutanten im Zweifel eben nicht mehr. Strengere Regeln können sinnvoll sein – die Frage ist, ob man dafür im Park ansetzten sollte oder doch vielleicht in den Büros.

Bisher gelten für das Robert Koch-Institut (RKI) Menschen, die auch im Freien ohne jeglichen Schutz länger als 15 Minuten und mit weniger als 1,5 Meter Abstand mit einem Infizierten zusammenstehen als Kontaktpersonen mit »höherem Infektionsrisiko«.

Dass die FFP2-Masken in so einer Konstellation das Infektionsrisiko zuverlässig mindern, ist aber nicht sicher. So kann feuchte Ausatemluft die Wirksamkeit der FFP2-Masken vermindern, wenn diese nicht regelmäßig gewechselt und getrocknet werden. Außerdem könnten womöglich bei feuchtem Material auch durch Husten oder Niesen Tröpfchen von der Außenfläche der FFP-Maske in der Umgebung landen.

Das grundlegende Problem bei diesen Maßnahmen aber ist ein anderes. Forscher Nagel sagt jedenfalls: »Wegen des geringeren Ansteckungsrisikos im Freien sollte man die Menschen eher dazu ermutigen, sich dort aufzuhalten – und das nicht absichtlich unattraktiv machen.«

Mit Material von dpa
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