Coronavirus in Deutschland »Ich gehe davon aus, dass im Frühjahr 2022 Schluss sein wird mit Corona«

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, rechnet mit einem Ende der Pandemie im Frühjahr. In diesem Herbst würden die Infektionszahlen aber noch einmal steigen.
Menschen in München genießen den Sonnenschein im Englischen Garten

Menschen in München genießen den Sonnenschein im Englischen Garten

Foto: www.AlexanderPohl.photography / / imago images/Alexander Pohl

Kassenärzte-Chef Andreas Gassen rechnet mit einem Ende der Coronapandemie in einem halben bis Dreivierteljahr. »Ich gehe davon aus, dass im Frühjahr 2022 Schluss sein wird mit Corona«, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der »Rheinischen Post«. Diese Einschätzung werde auch von renommierten Wissenschaftlern geteilt.

Bis zum Frühjahr werde die Impfquote weiter ansteigen und vor allem auch die Zahl der Genesenen mit Antikörpern zunehmen, sagte Gassen. »Einschränkungen werden dann wohl gänzlich unnötig werden.«

KBV-Vorsitzender Gassen

KBV-Vorsitzender Gassen

Foto: Michael Kappeler / dpa

Im Herbst würden die Infektionszahlen noch einmal steigen. Dennoch sehe er »in der Ärzteschaft keine großen Sorgen, dass das Gesundheitssystem noch kollabieren könnte«, sagte Gassen. Die Zahl schwerer Erkrankungen werde aber deutlich unter der des vergangenen Winters bleiben. »Etwas mehr Gelassenheit wäre also angebracht, ohne leichtsinnig zu werden.«

Gassen sprach sich auch dafür aus, dass es in Deutschland »zeitnah keine pauschal verpflichtenden Maßnahmen« für die Bürgerinnen und Bürger mehr gebe. Die Menschen sollten selbst entscheiden, »was sie freiwillig zum Selbstschutz tun wollen, zum Beispiel auch, ob sie eine Maske tragen oder nicht«, sagte Gassen. »Bund und Länder täten gut daran, ihre Entscheidungen nicht monatelang im Alarmmodus zu treffen.«

Kommt der Impfstoff für Säuglinge 2022?

Der Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) rechnet damit, dass es ab 2022 auch Impfstoffe für Säuglinge gibt. »Wir gehen fest davon aus, dass es ab kommendem Jahr Impfstoffe für alle Altersklassen geben wird, sogar zugelassen bis hin zu Neugeborenen«, sagte der Kinderarzt Florian Hoffmann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Aktuell liefen verschiedene Studien von Biontech und Moderna, zum Teil sogar mit Säuglingen. Einen Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren erwarte er bereits Ende dieses Jahres, sagte Hoffmann. Diese Gruppe werde voraussichtlich eine reduzierte Impfstoffdosis bekommen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) sprach sich Mitte August für allgemeine Corona-Impfungen für alle Kinder ab zwölf Jahren aus. Zugelassen sind dafür die Impfstoffe von Biontech und Moderna.

Debatte über Corona-Auffrischungsimpfungen

Die Stiko steht derzeit auch unter Druck, sich zu Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 zu äußern. Man plane eine Empfehlung zeitnah, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Die Aufarbeitung der vorliegenden Daten sei in vollem Gange. Auf ein genaues Datum könne er sich aber noch nicht festlegen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte nun eine schnelle Empfehlung der Stiko: »Ich halte es für unerlässlich, dass wir eine klare Empfehlung für die dritte Impfung seitens der Stiko jetzt bekommen«, sagte er der »Rheinischen Post«. Dabei sprach sich Lauterbach für zielgenaue Drittimpfungen aus. »Wird die Impfung unnötigerweise bei Niedrigrisiko-Vorgeimpften und Jüngeren gemacht, verschwenden wir nicht nur Impfstoff, der in anderen Ländern benötigt würde, sondern haben auch keine zusätzliche Wirkung des Impfstoffes zu erwarten.«

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Ärztepräsident Klaus Reinhardt kritisierte, dass viele Bundesländer auch ohne Empfehlung der Stiko mit Corona-Auffrischungsimpfungen begonnen haben. Sie werden zunächst Senioren und Immungeschwächten angeboten. Zwar spreche theoretisch einiges dafür, sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Nach bisherigem Kenntnisstand und Auffassung namhafter Experten ist sie aber für die meisten Geimpften nicht sofort nötig.« Insgesamt fehlten noch aussagekräftige Studien, ob, wann und für wen eine sogenannte Boosterimpfung nötig sei.

»Da ist also von der Politik eine Erwartungshaltung bei den Patienten geschürt worden, die viele Ärztinnen und Ärzte ohne eine wissenschaftlich fundierte Impfempfehlung nicht bedienen wollen«, sagte Reinhardt. Er nannte das Vorgehen einen Fehler von Bund und Ländern.

aar/dpa/AFP
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