US-Bundesstaat Kentucky Was es mit dem Corona-Ausbruch trotz Impfungen in einem Pflegeheim auf sich hat

Fast alle Heimbewohner waren gegen Corona geimpft. Dennoch steckten sich viele mit einer Variante des Virus an, die von einem Mitarbeitenden eingetragen wurde. Warum das eine gute Nachricht ist.
Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Kentucky trotz Impfung (Symbolbild)

Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Kentucky trotz Impfung (Symbolbild)

Foto: Eibner-Pressefoto / EXPA / Feichter / imago images

In einem Pflegeheim im US-Bundesstaat Kentucky hat sich eine Variante des Coronavirus verbreitet, obwohl der Großteil der Bewohner und des Pflegepersonals bereits geimpft war. Einem Bericht der US-Gesundheitsbehörde CDC  zufolge hatte ein nicht geimpftes Mitglied des Personals die Variante R.1 eingeschleppt. Rund ein Viertel der vollständig geimpften Bewohner infizierte sich mit dem Virus.

Was zunächst alarmierend klingt, ist eigentlich eine gute Nachricht. Denn die meisten der positiv getesteten Heimbewohner entwickelten keine Symptome. Laut Studie verhinderte die Impfung bei rund 87 Prozent der Infizierten einen schweren Verlauf.

Und genau das sollen die Corona-Vakzine auch leisten: Schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle verhindern. Aber natürlich sollen sie ebenfalls dabei helfen, die weitere Ausbreitung der Pandemie zu stoppen, dazu müssten sie auch eine Übertragung des Virus verhindern.

Der Hersteller Biontech/Pfizer etwa gibt an , dass sein Impfstoff die Virusübertragung zu 89,4 Prozent stoppt. Umgekehrt heißt das, dass gut zehn Prozent der Geimpften sich trotzdem anstecken und das Virus weitergeben können – vermutlich als nichts ahnende asymptomatische Überträger. Der AstraZeneca-Impfstoff soll das Übertragungsrisiko um rund 67 Prozent verringern.

Nun verbreiten sich jedoch zunehmend Varianten des Coronavirus, die unter Umständen den Schutz der Impfungen aushebeln könnten. Noch liegen nicht ausreichend belastbare Daten dazu vor, welche Impfstoffe wie gut vor den bislang bekannten Coronavarianten schützen. Eine Studie aus Israel hat etwa herausgefunden, dass der Biontech/Pfizer-Impfstoff weniger gut vor der in Südafrika aufgetauchten Variante B.1.351 schützt.

Die nun in dem Pflegeheim aufgetauchte Variante R.1 ist in Europa noch weitgehend unbekannt. Und auch die CDC führt sie bislang nicht als eine der besorgniserregenden Varianten. R.1 weist der Behörde zufolge mehrere Mutationen am Spike-Protein auf, darunter auch E484K, wie die aktuell in vielen Ländern zirkulierende Variante B.1.1.7. Diese Mutation könnte R.1 ebenfalls ansteckender machen als der Wildtyp. Die Infektionen in dem Pflegeheim könnten also ein Hinweis dafür sein, dass die Coronaimpfung weniger gut gegen die Mutation wirkt.

Immer mehr Fälle aus der Praxis

Bisher wurden die Impfstoffe hauptsächlich im Rahmen klinischer Studien mit Zehntausenden Teilnehmern getestet. Mittlerweile gibt es jedoch Länder, Einrichtungen oder Bevölkerungsgruppen, von denen schon sehr große Anteile durchgeimpft sind (zum Beispiel in Schottland). Diese Fallbeispiele aus der Praxis helfen unter anderem dabei, weitere Erkenntnisse bezüglich der Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe zu gewinnen.

So wie der Ausbruch im Pflegeheim in Kentucky. Dort waren im Januar und Februar 83 Heimbewohner und 116 Mitarbeitende mit dem Mittel von Biontech/Pfizer geimpft worden, schreibt die CDC. 75 Bewohner und 61 Pflegende hatten mehr als zwei Wochen vor dem Ausbruch Anfang März bereits eine zweite Dosis erhalten und damit den vollen Impfschutz. Das entspreche etwa 90 Prozent aller Heimbewohner und rund 50 Prozent der Mitarbeitenden.

DER SPIEGEL

Seit November werden in dem Heim zweimal wöchentlich Coronatests durchgeführt. Am 1. März sei das Antigentest-Ergebnis eines symptomatischen, ungeimpften Mitarbeiters positiv gewesen. Daraufhin war bei allen Bewohnern und Mitarbeitenden umgehend ein Schnelltest durchgeführt und eine Probe für einen PCR-Test entnommen worden.

Bei 26 Bewohnern und 20 Mitarbeitenden waren die Tests positiv, darunter insgesamt 22 Menschen, die bereits den vollen Impfschutz erhalten hatten. Drei Heimbewohner starben an oder mit dem Virus, zwei davon waren nicht geimpft. Die CDC berechnete auf dieser Basis das Risiko der Ungeimpften, schwer an Covid-19 zu erkranken oder zu sterben: Es ist demnach drei- bis viermal höher als bei Geimpften.

Auch Personal muss geimpft sein

Die Bewohner von Pflegeheimen gehören aufgrund ihres Alters zur Hochrisikogruppe für schwere Verläufe von Covid-19. Gerade am Anfang der Pandemie gab es zahlreiche Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen. Oft wurde das Virus vom Personal oder von Besuchern eingetragen. In vielen Ländern, auch in Deutschland, gehören die Bewohner von Pflegeeinrichtungen daher zu den Ersten, die gegen das Coronavirus geimpft werden.

Die Daten aus den USA zeigen zudem, wie wichtig es ist, nicht nur die Bewohner, sondern auch das Personal zu impfen. Denn sie sind es, die das Virus potenziell in die Einrichtungen hineintragen und dort verbreiten können – und zwar auch Varianten, gegen die die Impfungen möglicherweise nicht so gut schützen.

Eine weitere, ebenfalls am Mittwoch veröffentlichte Studie der CDC  untersuchte die Situation in 78 Pflegeeinrichtungen in Chicago. Von 627 Corona-Infektionen waren es nur 22 mit vollem Impfschutz. Von den Geimpften entwickelte nur ein Drittel Symptome. Dennoch kamen zwei der infizierten Bewohner ins Krankenhaus, einer starb. Die Studie zeigt laut CDC, wie wichtig es sei, unabhängig von den Impfungen Hygienemaßnahmen und Coronatests in Pflegeheimen aufrechtzuerhalten.

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