Neue Schätzung Wohl dreimal mehr Pandemietote als angenommen

Womöglich sind deutlich mehr Menschen in der Pandemie gestorben, als es offizielle Zahlen vermuten lassen: Eine neue Studie kommt auf 18 Millionen Coronatote weltweit.
Todesopfer in der Pandemie: Diese Kreuze in Prag sollen an die Toten erinnern

Todesopfer in der Pandemie: Diese Kreuze in Prag sollen an die Toten erinnern

Foto: David W Cerny / REUTERS

Die Coronapandemie hat weltweit womöglich deutlich mehr Menschen das Leben gekostet, als offizielle Daten zeigen. Zwischen Januar 2020 und Dezember 2021 sind einer aktuellen Studie zufolge 18,2 Millionen Menschen mehr gestorben, als in Nicht-Pandemiejahren erwartet worden wären. Offiziell verzeichnet sind in diesem Zeitraum rund 5,9 Millionen Coronatote.

»Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die vollen Auswirkungen der Pandemie viel größer waren, als es die offiziellen Statistiken vermuten lassen«, schreibt das internationale Forscherteam um Haidong Wang von der amerikanischen University of Washington im Fachmagazin »The Lancet« .

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten für ihre Berechnungen wöchentliche oder monatliche Angaben zur Zahl der Todesfälle aus den Pandemiejahren 2020 und 2021 sowie aus bis zu elf Jahren davor zusammen. Die Zahlen stammten aus insgesamt 74 Ländern und 266 Staaten oder Provinzen – wie etwa den deutschen Bundesländern. Die Differenz zwischen der Zahl tatsächlicher und statistisch erwarteter Todesfälle ergibt die sogenannte Übersterblichkeit. Mithilfe statistischer Modelle schätzten die Forschenden die Übersterblichkeit auch für Länder, aus denen keine Angaben zur Zahl der Todesfälle vorlagen.

Weltweit starben den Modellierungen zufolge rund 120 von 100.000 Menschen infolge der Coronapandemie, in 21 Ländern lag diese Übersterblichkeitsrate bei über 300 von 100.000 Menschen. Die höchsten Raten fanden die Forschenden in den Anden-Staaten in Lateinamerika (512 Todesfälle pro 100.000 Einwohner), in Ost (345)- und Zentraleuropa (316) sowie Sub-Sahara Afrika (309). In einigen Ländern wie Island oder Australien waren den Schätzungen zufolge hingegen in den beiden Pandemiejahren sogar weniger Menschen gestorben als statistisch zu erwarten gewesen wären.

Die teils großen Unterschiede zwischen der registrierten und der tatsächlichen Zahl an Todesfällen gehe vermutlich auf fehlende Diagnosen wegen mangelnder Tests sowie auf Probleme beim Melden der Zahlen zurück, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Wie viele Menschen unmittelbar an der Coronainfektion und wie viele an indirekten Folgen der Pandemie gestorben sind, sei derzeit unklar. »Studien aus mehreren Ländern, darunter Schweden und die Niederlande, deuten darauf hin, dass Covid-19 die unmittelbare Ursache für die meisten überzähligen Todesfälle war, aber wir haben derzeit nicht genügend Beweise für die meisten Regionen«, sagt Studienleiter Wang einer Pressemitteilung  zufolge.

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Auch andere Berechnungen kamen bereits zu dem Ergebnis, dass die Sterblichkeit infolge von Covid-19 womöglich deutlich höher ist, als es die offiziellen Zahlen zeigen (Lesen Sie hier und hier  mehr darüber). Für eine bessere Überwachung der Coronapandemie und künftiger Pandemien sei es erforderlich, die Systeme zur Registrierung von Todesfällen zu stärken, schreiben die Forschenden um Wang.

mar/dpa/AFP
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