Neue Virusvarianten Drosten rechnet mit starker Coronawelle »noch vor Dezember«

Die Inzidenzen werden steigen, Firmen könnten deshalb vorübergehend schließen müssen, warnt Christian Drosten mit Blick auf den Herbst. Bundesgesundheitsminister Lauterbach verteidigt das geplante Maßnahmenpaket.
Christian Drosten im Juni

Christian Drosten im Juni

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Es geht auf den Herbst zu, in Kombination mit neuen Virusvarianten rechnet der Virologe Christian Drosten deshalb mit einer starken »Inzidenzwelle« von Coronainfektionen »noch vor Dezember«. Selbst bei leichten Krankheitsverläufen werde dies wahrscheinlich zu erheblichen Arbeitsausfällen führen, sagte der Direktor der Virologie an der Berliner Charité in einem Interview der »Süddeutschen Zeitung«  (»SZ«).

»Infizierte kommen vielleicht nicht ins Krankenhaus, aber sehr viele sind eine Woche krank. Wenn es zu viele auf einmal sind, wird es zum Problem«, so Drosten. Deshalb müsse die Politik bessere Vorbereitungen treffen.

»Bevor so viele krank werden, dass man nichts mehr einkaufen kann, dass die Krankenhäuser nicht mehr funktionieren oder kein Polizeibeamter auf der Wache sitzt, muss man Maßnahmen ergreifen«, sagte Drosten der »SZ«. Er forderte die Politik auf, schon jetzt auf einen Konsens hinzuarbeiten, »bei welchen Signalen man wie handeln will«. Denn »im Notfall braucht es sofortige und durchaus einschneidende Entscheidungen«. Drosten erwartet unter anderem, dass das Maskentragen in Innenräumen wieder notwendig wird.

Drosten rechnet mit vorübergehenden Firmenschließungen

Die Bundesregierung hatte sich an diesem Donnerstag auf ein neues Infektionsschutzgesetz geeinigt (lesen Sie hier mehr dazu ). Das Gesetzespaket sieht vom 1. Oktober bis 7. April 2023 wieder weitergehende Regeln zu Masken und Tests vor. Die Länder sollen Vorgaben etwa zu Maskenpflichten in Innenräumen verhängen und bei kritischer Lage auch ausweiten können. Bundesweit sollen FFP2-Masken in Kliniken, Pflegeheimen, Arztpraxen und Fernzügen gelten.

Virologe Drosten riet nun der Wirtschaft mit Blick auf den Herbst, sich mit Stellvertreterregelungen und Teambildung auf eine Krankheitswelle vorzubereiten. »Ich gehe auch davon aus, dass es durchaus auch Firmen geben wird, die mal für zwei Wochen schließen müssen.«

Er rechnet jedoch damit, dass die Menschen im Herbst ihre Kontakte von sich aus wieder stärker reduzieren. »Wenn die Menschen merken, dass überall um sie herum Leute krank werden, dann gehen sie vielleicht abends doch nicht mehr raus«, sagte Drosten.

Lauterbach verteidigt die Regierung

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet indes lediglich mit einer »mittelschweren Welle« im Herbst. Im Interview der »Rheinischen Post« zeigte sich der SPD-Politiker zuversichtlich, dass die Regierung »auf alle Szenarien sehr gut vorbereitet« ist. »Wir werden die Corona-Welle in diesem Jahr im Griff behalten«, sagte Lauterbach mit Blick auf das neue Infektionsschutzgesetz.

»Schließungen von Schulen oder des Gastgewerbes brauchen wir nicht mehr«, sagte der Minister weiter. Auch Lockdowns seien »nicht mehr vertretbar«, sagte Lauterbach. (Lesen Sie hier, wie es langfristig mit Corona weitergehen könnte. ) Nur im Fall einer neuen pandemischen Lage kommen dem Minister zufolge Lockdowns infrage. »Die Gefahr sehe ich aber nicht«, sagte Lauterbach.

kko/dpa
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